Turrini: Rozznjogd
Peter Turrini
Nachsatz zu Rozznjogd
Quelle: Archiv der Zeitgenossen, Krems; Text: Lorella Gassler
Dieser Nachsatz wurde 1972 von Peter Turrini in einem Brief verfasst. Hier erteilte Turrini künftigen Regisseur:innen die Erlaubnis, ihre eigene Variante des Schlusses seines ersten Theaterstücks zu gestalten. In seinem Brief schlägt er einen neuen Schluss vor. Für Peter Turrini ist dieser Vorschlag auch heute noch seine bevorzugte Variante, denn: Alles um uns wird letztendlich Müll und wir selbst sind davon nicht ausgeschlossen.
Das „sozialkritische Dialektstück“ Rozznjogd des bis dahin unbekannten Autors Peter Turrini entstand bereits 1967 in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Schriftsteller Willard Manus. Uraufgeführt wurde es am 21. Januar 1971 am Wiener Volkstheater, inszeniert vom Grazer Regisseur Bernd Fischerauer. Die Produktion sorgte für Skandale, aufgrund der deftig bis obszönen Ausdrucksweise im Wiener Dialekt, der provozierenden und gesellschaftskritischen Inhalte, der vehementen Verbalanschläge an die tradierten Theaterformen jener Zeit, beispielsweise Beschimpfungen wie „Ratten“, „Dreckfresser“, „Blutsauger“ oder „Schwanzgesindel“, die ans Publikum gerichtet waren. Ein Wutstück über die sozioökonomische und soziokulturelle Lebenswirklichkeit im Wien der 1960er Jahre, das bis heute über 100 Mal, in mehr als 10 Sprachen, produziert wurde.
Schauplatz der Rozznjogd ist eine Mülldeponie, auf der eine Frau (Sie) und ein Mann (Er) ihr erstes Rendezvous haben. Ihr Kennenlernen steigert sich in ein euphorisches Wegwerfen der Besitztümer, die sie bei sich haben. Sie verabschieden sich von der kommerziell geprägten Welt, von Geschlechtsstereotypen und Machtvorstellungen. Sie werden Teil des Müllhaufens. Rozznjogd ist eine deutliche Stellungnahme gegen ein wirtschaftlich gelenktes Konsumverhalten und die gesellschaftlich-kulturelle Verformung des Menschen.
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