Publikationen - aktuelle Auswahl


Robert Musil und die Bibel
„Laientheologie“ zwischen Dichtung und Religion
Anschließend an bisherige Forschungserkenntnisse zu Robert Musils Rezeption und Integration der Bibel in seinem literarischen wie essayistischen OEuvre untersuchen die Beiträge des Bandes interdiskursive Vernetzungen zwischen Dichtung und Religion(swissenschaft) bzw. Literatur und Theologie aus historischer wie systematischer Perspektive. Besonderes Augenmerk gilt dabei neben allgemeinen biblischen Bezügen Musils Verständnis von „Gott“ in der gesamten Bandbreite: zwischen dessen Abwesenheit oder Fehlen in der weiteren Nachfolge Nietzsches einerseits und dessen All- oder gar Übergegenwart in – sei es mathematisch oder künstlerisch – säkularisierter Form andererseits. Aus diesem Changieren zwischen Hoffnung auf Parusie und Erwartung der Apokalypse lässt sich eine Ahnung gewinnen, welchen Erkenntnisgewinn sich der österreichische Schriftsteller von dem versprach, was er gegen Ende seines Lebens unter dem Stichwort „Laientheologie“ skizzierte.

Edition als Vermittlung
Band 59 | Beihefte zu editio
Edition und Vermittlung stehen in einem Spannungsverhältnis, das Grundsatzfragen aufwirft: Wo beginnt, wo endet der Prozess der Edition? Schließt der offene Textbegriff, wie er besonders in jüngeren Editionen vorherrscht, vermittelnde Texte ein? Oder gilt es streng zu unterscheiden zwischen der Bereitstellung eines ‚verlässlichen‘ Texts und darauf bezogenen Vermittlungsformaten, die nicht mehr Teil der Edition sind oder sein sollen? Und gehen nicht gerade digitale Editionen darüber hinaus, indem sie Visualisierungen, Audioformate, Downloads u.v.m. anbieten?
Zielt Edition auf ein professionelles Publikum, während Vermittlung dieses in Richtung nichtprofessioneller Publika überschreitet? Wie die Auffassung von ,Text‘ unterliegen auch die Adressatinnen und Adressaten von (zumal Hybrid- und Online-)Editionen einer Pluralisierung. Die Öffentlichkeiten werden vielfältiger und heterogener, und die Editionsvorhaben tragen dieser Entwicklung in ihrer Konzeption, ihrer didaktischen Aufbereitung und von den Zugangsmöglichkeiten her Rechnung bzw. werden dazu angehalten – unter anderem von ihren Fördergebern.
Ist Edition also letztlich doch gleich Vermittlung (geworden)? Dieser Frage gehen die hier versammelten interdisziplinären Beiträge nach.

Lacanitverstan
Lehren nach Lacan
RISS #101 widmet sich grundlegenden Fragen der psychoanalytischen Lehre. Thematisiert werden Spannungsfelder wie Einheit versus Vielfalt, Sprache, Institutionalisierung sowie didaktische Herausforderungen im psychoanalytischen Kontext. Die Beiträge des Hefts behandeln unter anderem Emanzipation, institutionelle Pädagogik, Film als Lehrmittel, Deixis, Schulabbruch sowie Übersetzung und Verstummen als Formen psychoanalytischer Vermittlung.

Zwischen Weltliteratur und Universalpoesie
Neue Perspektiven auf Goethe und die Romantik
Der von Anke Bosse, Wolfgang Bunzel und Fotis Jannidis herausgegebene Band widmet sich den Begriffen ‚Weltliteratur‘ und ‚Universalpoesie‘. Mit ihnen verbindet sich der Versuch, die historisch neue Konstellation am Beginn der Moderne gedanklich zu erfassen.
An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert hat es diverse Versuche gegeben, die grundlegenden ästhetischen Tendenzen der Gegenwart zu benennen und auf diese Weise die „Signatur des Zeitalters“ (Friedrich Schlegel) begrifflich zu erfassen. Die Romantiker schlugen dafür das Modell einer ‚Universalpoesie‘ vor, die nicht nur alle literarischen Gattungen überspannt, sondern auch die Kunst mit dem Leben verbindet. Goethe sah angesichts der rasanten Beschleunigung von Handel und Kommunikation sowie der zunehmenden Verflechtung der Nationen eher eine Zeit der ‚Weltliteratur‘ anbrechen. Der vorliegende Sammelband setzt beide Konzepte zueinander in Bezug, lotet in Einzelstudien Aspekte dieses Epochenwandels aus und lenkt dabei den Blick besonders auf Goethe. Wie sich zeigt, ist die Konkurrenz von Deutungsbegriffen selbst ein zentrales Merkmal der „Sattelzeit“, wie Reinhart Koselleck den Übergang von der Frühen Neuzeit zur Moderne zwischen etwa 1750 und 1850 genannt hat.
Der Band ist Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken, der Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts / Frankfurter Goethe-Museums und des Deutschen Romantikmuseums, gewidmet und wurde ihr zu ihrem 65. Geburtstag als Ehrengabe in einem Festakt überreicht.

Europe and the USSR.
Literature in the Face of the Persecution and Extermination of the Jews
The purpose of this special issue – edited by Anke Bosse and Atinati Mamatsashvili – is to examine the literary and artistic responses to the rise of antisemitism in the 1930s, which led to the systematic persecution and extermination of Europe’s Jews. It focuses, first, on the period preceding the war and, second, on the post-war period. This approach facilitates a dual investigation of two core questions: Is literature (and other media) able to project an aftermath as the consequence of ongoing events? And how was the aftermath of the Shoah perceived in the years that followed the genocide?

Musil, diskursweise
Wirklich mögliche Kontexte zum „Mann ohne Eigenschaften“. Reihe: Musil-Studien
Robert Musil ist „Diskurs-weise“: Er hat seine Diskurse im (literarischen) Griff. Folglich verspricht nur eine diesem Weisheitsmodus entsprechende Annäherung an sein Werk einen gewissen Erfolg, wie bescheiden dieser auch im konkreten Fall ausfallen mag – es verlangt eine „diskursweise“, das heißt „interdiskursive“ Methode. Denn nur wer auch selbst seine Diskurse geordnet hat, bekommt vielleicht auf die Reihe, worum es (bei) Musil – nicht nur, aber in erster Linie in seinem unvollendeten Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ – geht.

Kritische Audio-Edition
Band 56 | Beihefte zu editio
Ohne Zweifel bedürfen genuin im auditiven Medium existierende „Text"-Materialien – wie Hörspiele, Klanginstallationen, Soundperformances, musikalische Kompositionen oder Autoren/-innenlesungen – und deren Vernetzung mit anderen medialen Erscheinungsformen einer medienspezifischen Fasson der Textkritik. Da der gegenwärtige Stand systematischer Erwägungen hierzu als defizitär einzuschätzen ist, versammelt der Band Beiträge, die sich aus einer interdisziplinären Perspektive – der Literatur-, Editions-, Medien-, Archiv-, Sprach- und Musikwissenschaft, den Sound-Studies sowie Digital Humanities – mit Kriterien und Standards einer „Kritischen Audio-Edition" auseinandersetzen. Das Ausloten des Editionsobjekts „Audio-Text", Grundlagen einer Hörspielphilologie und -editorik bzw. einer hierfür zu entwickelnden Beschreibungssprache sowie editorische Herausforderungen, vor die etwa plurimediale „Mehrfachverwertungen" stellen, sind ebenso Gegenstand wie Aperçus von „Audiomaterial"-Produzenten und Medienarchivaren. Der Sammelband markiert einen Meilenstein auf dem Weg zu einer transdisziplinären und medienwissenschaftlich informierten Editionsphilologie, die den Bereich des Schriftsprachlichen zu akustischen „Texten" hin überschreitet.

Interdiskursive Parallelaktionen
Robert Musil online kommentieren
Robert Musils Werk wird oft als undurchdringlich und deshalb schwer verständlich beschrieben. Seine Texte zeichnen sich durch Vielschichtigkeit und Mehrdeutigkeit – Interdiskursivität – aus. Der neue Online-Kommentar macht sich gerade diese Offenheit zu eigen und fächert sie auf, um Zugänge zu schaffen, Musils Werk zu erschließen ohne es zu begrenzen. Denn nicht das eine Verstehen ist Ziel der Kommentierung, sondern die immer wieder neue Perspektive, die jeden Text zur unendlichen Lektüre werden lässt. Statt einer vermeintlichen Wirklichkeit lässt der Online-Kommentar die unbegrenzten Möglichkeiten sichtbar werden, die Musils Werk auszeichnen. Parallel verläuft demnach nicht nur die sogenannte Aktion in „Der Mann ohne Eigenschaften“ – parallel bietet der Online-Kommentar die unzähligen, näher und weiter verzweigten Bezüge in und zu Musils Texten an.

Robert Musil im Spannungsfeld zwischen Psychologie und Phänomenologie
Band 170 der Reihe „Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte“
Dieser interdisziplinäre Tagungsband untersucht die Bedeutung von Psychologie und Phänomenologie im Werk Robert Musils. Dabei rücken Gestaltpsychologie und Psychoanalyse ebenso in den Fokus wie phänomenologische Philosophie und Neurophänomenologie. Die Beiträge erschließen die interdiskursiven Spannungsfelder systematisch und kulturhistorisch. So eröffnen sie neue Einsichten in Musils Poetik, die auch Philosophie und Psychologie literarisch fruchtbar macht.

Werner Kofler: Werke (Band 4 und 5)
Kommentierte Werkausgabe (Hörspiele, Lyrik, Kurzprosa, dramatische Texte)
Der große Satiriker Werner Kofler wurde in erster Linie als Prosaautor wahrgenommen. Nun ergänzen die Bände 4 und 5 der Kommentierten Werkausgabe wesentliche Teile seines Œuvres und zeigen den Autor als intertextuell und intermedial agierenden Sprachkünstler. Die Edition präsentiert seine 20 Hörspieltexte und damit einen auditiv und radiophon denkenden und produzierenden Autor, seine Theaterstücke und den "Jungautor" und Lyriker Werner Kofler.

Inter- und transmediale Ästhetik bei Josef Winkler
Das Ringen mit und um Sprache und seine Verschränkung mit Leiblichkeit sind zentrale Themen Josef Winklers. Die existentiellen sowie materiellen und medialen Aspekte des Schreibens bilden den Kern seiner performativen Poetologie. Sie ist von Anfang an sowohl intertextuell als auch inter- und transmedial geprägt und strahlt über Literatur hinaus in eine allgemeine Ästhetik. Auf Basis eines breiten kulturanthropologischen Medienbegriffs zeichnen die Beiträge des Bandes an Beispielen aus Winklers Werk und Schreiben intermediale Verbindungen zu Film, Fotografie, bildender Kunst, Theater nach oder verfolgen die transmedialen Umwandlungen von seiner Handschrift bis zum Buch.

Werner Kofler intermedial
Wiederentdeckung eines großen Autors und Medienkünstlers. In wenigen schriftstellerischen Œuvres steht die Reflexion zeitgenössischer Medienpraxis sowie die Medialität des eigenen Schreibens so im Zentrum wie im Werk Werner Koflers. Die Beiträge zu ‚Werner Kofler intermedial‘ untersuchen die verschiedenen Aspekte des Medienwechsels und der intermedialen Bezüge in seinen Prosatexten, seinen auditiven und filmischen Arbeiten. Dadurch entsteht ein Gesamtbild eines in seinen verschiedenen medialen Ausformungen motivisch und thematisch intensiv verwobenen Werks – von intertextuellen Aspekten über die enorme Bedeutung von Musik bis zur Verknüpfung mit Fotografie.
Eine vollständige Liste aller am Musil-Institut verfassten Publikationen finden Sie in der Forschungsdokumentation (FoDok).
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