Aichinger: Kleist, Moos, Fasane
Ilse Aichinger
Kleist, Moos, Fasane
Quelle: Deutsches Literaturarchiv, Marbach
Text: Elmar Lenhart
Der kurze Prosatext Kleist, Moos, Fasane beginnt mit den Worten: „Ich erinnere mich der Küche meiner Großmutter.“ Es sind angenehme Erinnerungen, die sich vor allem um schöne Räume drehen und die Perspektive eines Kindes wiedergeben. So kommt es zu einem unerwarteten Zusammenhang, „wer hätte es sich träumen lassen“, denn die Kleistgasse, die Moosgasse und die Fasangasse liegen gleich nebeneinander. Zusammenhänge entstehen hier aus einem anderen Grund als durch kühle Logik, oder doch nicht? Belebte und unbelebte Dinge existieren in den Erinnerungen gleichwertig nebeneinander, sie ergänzen sich zu einer Welt, in der deren Unterscheidung keine große Relevanz hat, denn auch die Küche und die Eisenbahn „machen“ etwas. Zentral ist der Satz: „Die Kräfte der Kindheit hielten die Welt zusammen.“
Gegensätze kennzeichnen das Gedächtnis. Zwischen Vormittag und Nachmittag, die Welt der Erwachsenen und die der Kinder, zwischen Morgen- und Abendfarben, zwischen Hitze und Kühle und zwischen Stadt und Land. Letzteres ist mit dem Beerensuchen assoziiert und Träume sind verwandt mit den Erinnerungen: „Die Beeren begannen in unseren Träumen Muster zu bilden […]“ und im Ganzen geht es immer um die Aufhebung der Zeit im Raum.
Der Text ist in der Vergangenheit geschrieben, denn so, wie sie erinnert wurde, existiert die Welt nicht mehr und das, was sie verändert hat, verrät der gedruckte Text nicht. Das Manuskript schon. Entstanden ist es vermutlich im Jahr 1959 und wurde noch im selben Jahr in der Zeitschrift Akzente veröffentlicht.
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