Bernhard: Heldenplatz
Thomas Bernhard
Heldenplatz
Quelle: Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien
Text: Elmar Lenhart
Er selbst sagt von seinen Reden: „Es ist alles übertrieben, aber ohne Übertreibung kann man gar nichts sagen. Auch wenn man nur sagt, ich will nicht übertreiben, ist´s schon eine Übertreibung.“
Thomas Bernhard ist laut Wendelin Schmidt-Dengler gar ein „Übertreibungskünstler, denn nur in der Übertreibung wird sichtbar, wie notwendig es ist, die Welt zu entstellen, um sie kenntlich zu machen.“ Bernhard war ein literarischer Star, der es verstand, das Gerede über sich zu steuern und vorhersehbare Reaktionen zu provozieren. So wurde auch das Stück Heldenplatz, das am 4. November 1988 seine Uraufführung erlebte, zu einem großen Triumph. Mit herausfordernden Zitaten über das „österreichische Volk“ begann einer der größten Literaturskandale der jüngeren Zeit, der sich vor allem in den Medien abspielte.
Ein Kommentator einer südösterreichischen Tageszeitung beklagte nachträglich, die provokanten Sätze seien eine gemeine Falle gewesen. Tatsache ist allerdings, dass sich Nachrichtenmedien und konservative und klerikale Menschen schon wegen ein paar kontextloser Sätze, die ihnen vorab zugespielt worden waren, zur Hetze auf Bernhard hinreißen ließen und das im „Bedenkjahr“. Das Stück erfüllte damit seine Bestimmung und demonstrierte 50 Jahre nach dem sogenannten „Anschluss“ und Jahrzehnte vor YouTube und TikTok, wie leicht sich Massenmedien zur Steuerung der öffentlichen Meinung einsetzen lassen.
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