Ungaretti/Bachmann: Schiffbrüche
Giuseppe Ungaretti/Ingeborg Bachmann
Freude der Schiffbrüche
Quelle: Deutsches Literaturarchiv, Marbach
Text: Natalia Lecce
In der renommierten Reihe „Suhrkamp Bibliothek“ erschienen 1961 insgesamt 53 Gedichte eines der bedeutendsten italienischen Autoren des 20. Jahrhunderts, Giuseppe Ungaretti (1888 – 1970), in der deutschen Übertragung der Dichterin Ingeborg Bachmann (1926 – 1973).
Das Originalgedicht Allegria di naufragi, erstmals 1919 in der gleichnamigen Sammlung veröffentlicht, ist ein Schlüsseltext des frühen Ungaretti. Es steht für die Willenskraft und Lebensfreude, immer weiterzugehen, selbst angesichts der Katastrophe und Verzweiflung des Ersten Weltkriegs, symbolisiert durch die Wiederaufnahme der Reise des Seemanns nach dem Schiffbruch.
Der Übersetzungsfehler ist in diesem Fall völlig nachvollziehbar, insbesondere im Umgang mit idiomatischen Ausdrücken. So scheint Bachmann superstite (überlebend) zunächst mit superstizioso (abergläubisch) verwechselt zu haben. Ebenso wird die italienische Redewendung lupo di mare in der ersten Schreibphase wörtlich als „Seewolf“ wiedergegeben, anstelle der richtigen deutschen Entsprechung „Seebär“.
Diese ursprünglich ‚fehlerhafte‘ Textfassung war jedoch bereits in der Erstausgabe von Hans Magnus Enzensbergers Anthologie Museum der modernen Poesie (1960) erschienen. Enzensberger wurde erst ein Jahr später über die Übersetzungsfehler informiert, wie aus dem darauffolgenden Briefexzerpt hervorgeht:
„die gedichte mag ich immer noch sehr gern. boehlich und ich, wir vergleichen noch Fassungen – es macht mehr spaß als mühe. […] frau kaschnitz hat einen fehler im musäum entdeckt: freude der schiffbrüche. superstite heißt […] übriggeblieben, und daß der seewolf eigentlich ein seebär oder alter matrose ist, haben wir (hast du) bereits entdeckt. – mir tut das fast leid, der abergläubische Seewolf gefiel mir besser.“
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