Germanistik, Geschichte & Visuelle Kultur: die Vielseitigkeit des Studierens nutzen

Lukas Moser wird eine besondere Verbindung zur Universität Klagenfurt nachgesagt. Nicht umsonst studiert(e) er hier Germanistik, Geschichte, jeweils separat und im Lehramt, und legte im Zuge des ersten Lockdowns mit dem Beginn des Masterstudiums Visuelle Kultur noch eins drauf. Abseits des Studiums verfolgt er seine Träume auch beruflich: Als Redakteur und Studienreiseleiter, im Fußball, aber darüber hinaus auch an der Uni.

Warum hast du dich dazu entschlossen zu studieren? Und wie hast du dich für unsere Uni entschieden?

Für mich war immer klar, dass ich in Klagenfurt bleiben möchte – in meiner Heimat, in direkter Nähe zu meiner Familie. Im Nachhinein wären Erfahrungen abseits des „geschützten Raumes“ vielleicht nicht so schlecht gewesen. Die Entscheidung für die AAU werde ich aber nie bereuen. Noch dazu: Dass das Strandbad im Sommer nur einen Katzensprung vom Campus entfernt ist, hat sich nicht als Nachteil herausgestellt.

Wann und wie hast du herausgefunden was du studieren willst?

In meinem Fall war es schlichtweg Zufall. Meine Begeisterung für Geschichte existierte bereits seit meiner frühsten Kindheit, das Gefühl für Sprache ebenso. Bis zu meiner Matura war für mich eigentlich klar, dass das institutionelle Lernen für mich mit diesem Schulabschluss -endlich- abgehakt sein sollte. Aus einer Laune heraus meldete ich mich aber dann, plötzlich voll motiviert, für das Lehramtsstudium an – ein Schritt, der mein weiteres Leben mit Sicherheit sehr positiv beeinflusste.

Warum hast du dich dann, zusätzlich zur Geschichte und zur Germanistik bzw. dem Lehramt, noch dazu entschlossen, ein viertes Studium zu starten?

Das ist eine lustige Geschichte. Ich saß vor dem Fernseher, als der erste Lockdown verkündet wurde – und ich war ehrlicherweise leicht geschockt. Niemand wusste, was das bedeutet und wie lange die Situation andauern wird. Als die Uni dann mitteilte, dass die Lehre online fortgesetzt wird, war mein erster Gedanke: Freizeit fällt weg, auch große Teile meiner anderen Aufgaben. Also was tun mit der freigewordenen Zeit? Ich hörte des Öfteren vom Master-Studium Visuelle Kultur, sah mir das Curriculum an und inskribierte mich spontan. Heute befinde ich mich auch in diesem Studium in der Endphase, obwohl ich insgesamt nur 90 Minuten in Präsenz an der Uni war – die Online-Lehre funktionierte aber hervorragend.

Welcher Moment wird dich immer an dein Studium hier erinnern?

Ad hoc fallen mir die Vorbereitungen auf zwei Prüfungen ein: Im Vorfeld der Vorlesungsprüfung zur Mittelalterlichen Geschichte II fanden 2018 die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang statt – durch die Zeitverschiebung versuchte ich, die Nächte hindurch zu lernen, um nebenbei die Wettkämpfe schauen zu können. Am Ende blieb mir ein „Gut“, Marcel Hirscher wurde während meiner Prüfungsvorbereitungen Doppel-Olympiasieger. Die zweite Erinnerung bezieht sich auf die im Geschichte-Studium legendäre Vorlesungsprüfung Altertum I: Vier Monate bereitete ich mich während des Sommers, beinahe tagtäglich, im Klagenfurter Strandbad auf den „Kampf“ vor, träumte auf der Bootsbrücke von griechischen Strategen und römischen Feldzügen, während in meiner Phantasie phönizische und altpersische Schiffe vor Loretto ankerten. Am Ende musste ich zwar feststellen, dass die Prüfung auch mit weitaus weniger Aufwand zu bewerkstelligen gewesen wäre, aber mein Interesse für eine weitere Epoche war damit geweckt.

Was macht dein Studium für dich zu etwas Besonderem?

Generell ist mir während all meiner Studien die Praxisnähe, wenn man diese als Studierender auch aktiv anstrebt, positiv aufgefallen. Des Weiteren bedingen die Verhältnisse in Klagenfurt, dass man nie einfach nur eine (Matrikel-)Nummer ist, sondern mit den jeweiligen Lehrenden immer auch bis zu einem gewissen Grad persönlich bekannt ist. Manche mögen die fehlende Anonymität als negativen Aspekt betrachten, für mich ist dies definitiv als herausragend hervorzuheben.

Beantworten, falls zutreffend: Hast du Erfahrungen im Ausland gesammelt? Erzähle uns was darüber.

In bester Erinnerung sind mir die Exkursionen im Rahmen meines Geschichte-Studiums, die mich mit tollen Kolleginnen und Kollegen u.a. nach Rom, Bratislava und Aquileia geführt haben. Darüber hinaus warte ich aktuell, pandemiebedingt bereits seit Monaten, auf meinen Forschungsaufenthalt in Israel. Dort werde ich für meine Master-Arbeit in der Visuellen Kultur die Wirkungsdimensionen von Postkarten im Israel-Palästina-Konflikt versuchen zu untersuchen.

Wo holst du dir an der Uni Hilfe, wenn du etwas brauchst oder mal nicht weiterweißt?

Eine tolle Anlaufstelle waren und sind immer die Mitstudierenden, die Lehrenden selbst, aber auch die Studienrichtungsvertretungen – bei zwei von diesen durfte ich selbst vier Jahre lang als Vorsitzender aktiv sein.

Machst du noch etwas neben dem Studium? Lässt sich das gut miteinander kombinieren? Oder bist du vollzeitstudierend?

Nachdem ich mich bereits zu großen Teilen am Ende meines Studiums befinde, engagiere ich mich beruflich bereits in den verschiedensten Bereichen: So bin ich seit Kurzem bei den Regionalmedien Kärnten als Content Manager tätig, arbeite am Institut für Geschichte als Studienassistent, bin für die Lernbetreuung bei der Akademie der Klagenfurter Austria zuständig und trainiere bei diesem Verein auch die U9. Ein weiteres großes Hobby ist und bleibt aber auch das Reisen und das damit zusammenhängende Kennenlernen neuer Kulturen – privat, aber, sobald die pandemische Lage dies wieder zulässt, auch als Studienreiseleiter.

Hat sich dein Blick auf die Welt durch das Studium verändert?

Ja, definitiv – verändert und dadurch insbesondere auch erweitert. Die Welt ist nicht schwarz-weiß, alle Bereiche des Lebens bestehen aus vielen unterschiedlichen Facetten und können vielfältig verstanden und interpretiert werden. Diskursfähigkeit ist das Werkzeug, womit dem begegnet werden kann. Das Bewusstsein dafür habe ich mir zu großen Teilen auch während meines Studiums geschaffen.

Was ist dein Lieblingsplatz in Klagenfurt oder an der Uni Klagenfurt?

Ehrlich gesagt: Die Bibliothek und die umliegenden Gastronomiebetriebe, insbesondere der Uni-Wirt (beides am allerliebsten nach Einbruch der Dunkelheit).

Hättest du einen Tipp für alle, die gerade am Anfang stehen?

Studieren soll nicht durchgehend und zu 100% harte Arbeit sein. Das Genießen des Studierenden-Lebens und das Sammeln von Erfahrungen darf nicht zu kurz kommen!

Wort-Rap

  • Meine Lieblings-LV war… die Vorlesungen zur Österreichischen Geschichte von Werner Drobesch.
  • Mein Studi-Leben ist… anstrengend, aber auch unglaublich spannend und toll.
  • Uni geht nicht ohne… Red Bull und Kaffee.
  • Mich motivieren… Erfolg, Freude anderer Menschen und die Aussicht auf selbst erarbeitete „Belohnungen“ für die im Studium erbrachten Leistungen (Jobs, Erkenntnisse, Reisen etc.).
  • Mein Traumjob ist… nicht ein einzelner. Es sind mehr oder minder jene, die ich gerade in der schönen Lage bin ausführen zu können.