EBW studieren: Durch Diskussion und Interaktion auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten

Manchmal hilft es auf andere zu hören, um gute Entscheidungen treffen zu können. Pavel Barbot wollte jahrelang etwas anderes studieren, bevor für ihn, durch große Unterstützung aus seinem Umfeld, die Entscheidung auf Erziehungs- und Bildungswissenschaften fiel. Heute ist der 25-jährige, der aus Karlsruhe stammt und nach Klagenfurt kam, um seiner Familie nah zu sein, zufrieden mit seiner Wahl und engagiert sich ehrenamtlich bei queeren, feministischen und sexualpädagogischen Themen.

Warum hast du dich dazu entschlossen zu studieren? Und wie hast du dich für unsere Uni entschieden?

Schon bevor ich hierher gekommen bin, kannte ich Klagenfurt gut, da Klagenfurt für mich lange Zeit ein sehr schöner Urlaubsort war. Ein wichtiger Teil meiner Familie kommt von hier. Das war auch der Hauptgrund dafür, dass ich hergezogen bin. So kann ich meiner Familie näher sein. Studieren wollte ich hauptsächlich, weil ich Lust hatte, Theorie zu lernen. Zwar habe ich am aktiven Forschen nicht so viel Spaß, dafür aber umso mehr am Lesen von Forschungsarbeiten und Studien von Wissenschaftler*innen. Vor allem aber erweitere ich gern mein Wissen durch Vorträge.

Wann und wie hast du herausgefunden was du studieren willst?

Tatsächlich habe ich erst mit 21 Jahren herausgefunden, dass ich Erziehungs- & Bildungswissenschaften (EBW) studieren möchte. Zuvor hatte ich jahrelang den festen Wunsch Psychologie zu studieren. Erst mit 21 und vor allem durch die Unterstützung von Angehörigen, die das Studium gut kannten, habe ich für mich erkannt, dass EBW viel besser für mich geeignet wäre, was auch stimmt.

Welcher Moment wird dich immer an dein Studium hier erinnern?

Wenn ich es auf wenige oder einen Moment reduzieren muss, dann auf den ÖH Wahlkampf 2019, in den ich gemeinsam mit meinen Freund*innen aus der Fraktion so viel Arbeit reingesteckt habe, der so viel Zeit beansprucht hat und mit so vielen Emotionen verknüpft war.

Was machst du im Studium? Was lernt man und was gefällt dir dabei am besten?

Ich lese viele Texten von Wissenschaftler*innen aus der Philosophie, Soziologie, Psychologie und natürlich aus der Pädagogik. Daneben besteht das Studium aus dem Schreiben von vielen Seminararbeiten, Rezensionen und Reflexionen. Was mir am meisten Freude bereitet sind die vielen Diskussionen und die Interaktion in den Kursen. Dadurch lernt man sehr viel über Menschen, von Kindern bis hin zu Erwachsenen mit den Schwerpunkten Bildung in Schule und Gesellschaft. Man lernt auch viel über kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Menschen aus aller Welt und über soziale Ungerechtigkeiten sowie über zugehörige Lösungsmöglichkeiten.

Am meisten gefällt mir dabei das Sammeln von Informationen für ein großes Allgemeinwissen über Menschen und die Möglichkeiten, die sich durch das Setzen von Schwerpunkten ergeben, in meinem Fall sind das beispielsweise Grundlagen der Psychologie, Friedensstudien und Gender Studies.

Was macht dein Studium für dich zu etwas Besonderem?

Besonders macht das Studieren für mich, dass wir für Lehrende keine Unbekannten sind, sondern Individuen, die sie kennen, respektieren und deren Erfahrungen sie gerne mitnehmen. Aber auch die Möglichkeit sich eigene Schwerpunkte im Studium setzen zu können, auch in den Pflichtfächern, ist besonders. Wenn sich jemand eher für Erwachsenenbildung interessiert oder einem, wie in meinem Fall, das Thema Geschlechterverhältnisse in der Pädagogik besonders wichtig ist.

Hast du Erfahrungen im Ausland gesammelt? Erzähle uns was darüber.

Bevor ich studieren wollte, hatte ich mir fest vorgenommen durch die Welt zu reisen. So habe ich bereits vor dem Studium Erfahrungen im Ausland sammeln können. Diese Einblicke in ferne Orte, in Lebensverhältnisse und Bildungssysteme haben mich auf jeden Fall bei der Wahl meines Studiums beeinflusst.

Wo holst du dir an der Uni Hilfe, wenn du etwas brauchst oder mal nicht weiterweißt?

Ich wende mich immer an die ÖH, wenn ich Hilfe brauche. Entweder direkt an meine Studienvertretung oder bei anderen Anliegen an die entsprechenden Referate.

Machst du noch etwas neben dem Studium? Lässt sich das gut miteinander kombinieren? Oder bist du vollzeitstudierend?

Neben dem Studium habe ich sehr viele ehrenamtliche Aufgaben angenommen, die sich zum Teil kombinieren lassen. Für die Tätigkeiten in der ÖH bekommt man zum Beispiel ECTS, die für das Studium angerechnet werden. Sonst haben meine ehrenamtlichen Tätigkeiten mir dabei geholfen herauszufinden, was ich nach meinem Studium machen möchte.

Durch meine Tätigkeiten als Referent für das ÖH Queer Referat und meine Tätigkeiten beim sexualpädagogischen Programm Achtung°Liebe, die Sexualaufklärung in Schulen machen, habe ich für mich herausgefunden, dass ich genau das in Zukunft als Pädagoge machen möchte. Ich möchte sexuelle Bildung und queere Beratung für Jugendliche und junge Erwachsene anbieten. Allerdings haben all diese und andere ehrenamtliche Tätigkeiten es mir schwer gemacht, in Regelstudienzeit als Vollzeitstudent zu studieren. Das war allerdings meine freie Entscheidung und ich habe es bisher nie bereut.

Hat sich dein Blick auf die Welt durch das Studium verändert?

Auf jeden Fall. In meinem Studiengang habe ich sehr viel über soziale Ungerechtigkeiten auf der Welt erfahren, von denen man vielleicht schon vorher wusste, aber nicht in welchem Ausmaß und vor allem, wie es dazu kommen konnte. Aber man erfährt auch unglaublich viel Schönes, beispielsweise wie das geändert werden kann und vor allem, was man selbst tun kann, um Menschen zu helfen und sie zu unterstützen.

Was ist dein Lieblingsplatz an der Uni Klagenfurt?

An der Uni Klagenfurt auf jeden Fall das Café draußen am Campus und der ÖH Unigarten hinter Hörsaal A. In Klagenfurt einige Plätze auf dem Kreuzbergl und natürlich der Wörthersee, da aber am liebsten an den nicht privatisierten und kostenfreien Seezugängen.

Worüber wärst du froh gewesen, wenn es dir jemand vor dem Studium erzählt hätte? Hättest du einen Tipp für alle, die gerade am Anfang stehen?

Schön wäre gewesen, früher zu erfahren, welche Formen von Unterstützung es für Studierende gibt, ob ÖH, Studienbeihilfe, Stipendien, psychologische Studierendenberatung oder Ähnliches.

Mein Tipp an alle: Informiert euch auf allen Kanälen der ÖH, um up-to-date zu bleiben, was Partys angeht, kulturelle Veranstaltungen, come-together-Events oder auch die Möglichkeiten sich irgendwo zu engagieren, zum Beispiel im queer-feministischen Bereich.

Wort-Rap

  • Meine Lieblings-LV war… bei Jacob Guggenheimer zu „Neue Ideologien der Männlichkeit“ (Gender Studies)
  • Mein Studi-Leben ist… abenteuerlich, abwechslungsreich und voller Überraschungen.
  • Uni geht nicht ohne… bezahlbares Wohnen, soziale & finanzielle Unterstützung und guten Kaffee.
  • Mich motivieren… meine Familie, Kolleg*innen und Freund*innen an der Uni.
  • Mein Traumjob ist… es Sexualpädagoge und -berater zu sein und queere Beratung anzubieten.