Welches Thema bearbeitest Du und was bedeutet es für Dich?
In meiner Forschungsarbeit beschäftige ich mich – aus einer erwachsenenbildungswissenschaftlichen Perspektive – mit den Bildungswirklichkeiten studierender Erwerbstätiger. Mich interessiert dabei besonders, welche beruflichen und lebensweltlichen (Vor-)Erfahrungen diese Studierenden mitbringen und wie genau diese in ihr Studium einfließen (können) bzw. welche Erkenntnisse sich daraus für den hochschulischen Lehr- und Lernbetrieb gewinnen lassen.
Mit Bildungswirklichkeiten meine ich die Art und Weise, wie Studierende ihre Erfahrungen deuten: Welche alltagstheoretischen Erklärungen entwickeln sie? Und wie fügen sich diese in ihr Selbst- und Weltverständnis ein? Es geht also nicht nur darum, was Studierende erleben, sondern vor allem darum, wie sie diese Erfahrungen erleben.
Mein Forschungsinteresse ist dabei nicht rein theoretisch entstanden. Es speist sich aus meiner eigenen beruflichen Tätigkeit in der Bildungs- und Berufsorientierung sowie aus einer erwachsenenbildungswissenschaftlichen und volkswirtschaftlichen Vorstudie zum Thema „Beruf und Studium“. Beide Kontexte haben deutlich gemacht, dass berufliche und lebensweltliche (Vor-)Erfahrungen mehr als Begleiterscheinungen im Bildungsprozess sind, sie können einen Einfluss darauf nehmen, wie das Studium wahrgenommen wird.
Wie ist dieses Thema mit Deinem Studium verbunden?
Mein Studienschwerpunkt der Bildungsforschung zeigt sich durch einen qualitativ-rekonstruktiven Zugang zur hochschulische Lehr- und Lernsituation. Im Fokus stehen dabei die Orientierungen, Deutungsmuster und Erfahrungszusammenhänge der erwerbstätigen Studierenden selbst.
Wie gehst Du im Forschungsprozess vor?
Die Datenerhebung im Rahmen der Dissertation erfolgte in einem mehrstufigen qualitativen Design. Zunächst wurden narrative Interviews mit Studierenden geführt, die sich selbst primär als Erwerbstätige neben dem Studium positionieren. Darauf aufbauend wurden zwei Gruppendiskussionen durchgeführt, die bewusst heterogen zusammengesetzt waren und neben erwerbstätigen auch sogenannte traditionelle Studierende einbezogen. Die Auswertung erfolgte mittels der dokumentarischen Methode, die es erlaubt, über explizite Aussagen hinaus kollektive und implizite Orientierungen zu rekonstruieren.
Was möchtest Du anderen Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?
Ich möchte anderen Schreibenden mitgeben, dass wissenschaftliches Arbeiten vor allem eines erfordert: Zeit. Es sollte also genug Zeit für den Schreibprozess eingeplant werden – und zwar nicht nur fürs eigentliche Schreiben, sondern auch für das Sortieren von Gedanken, das Strukturieren und das wiederholte Überarbeiten.
Zugleich ist es entscheidend, den prozesshaften Charakter von Forschung anzuerkennen. Phasen der Irritation, Unschärfe oder Neuorientierung sind keine Hürden, sondern konstitutiver Bestandteil des Erkenntnisprozesses. Gerade diese Phasen sind oft entscheidend, um die eigene Arbeit weiterzuentwickeln und am Ende zu einem stimmigen Ergebnis zu kommen.