Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus in Österreich. Historische Ereignisse, Kontinuitäten, Nachwirkungen, Erinnerungskultur
Welches Thema bearbeitest du und was bedeutet es für dich?
Meine Masterarbeit befasst sind mit der Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus in Österreich – ein Thema, das über Jahrzehnte hinweg in der Geschichtsschreibung marginalisiert, oder gar verschwiegen wurde. Ich rekonstruiere darin historische Ereignisse, rechtliche und gesellschaftliche Mechanismen der Diskriminierung und Verfolgung und analysiere die langfristigen Kontinuitäten von Stigmatisierung und Ausgrenzung, die bis in die Gegenwart wirken.
Für mich bedeutet dieses Thema weit mehr als ein wissenschaftliches Projekt. Es ist ein Beitrag zur Sichtbarmachung einer verdrängten Opfergruppe und eine kritische Auseinandersetzung mit Machtstrukturen, die Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung ermöglichen. Die Beschäftigung mit den Schicksalen homosexueller Menschen im NS-Regime ist auch eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Verantwortung, mit kollektivem Gedächtnis und mit Erinnerungsarbeit als Prävention. Es geht darum, das „Totgeschwiegene“ in Worte zu fassen und damit einen Beitrag zur Erinnerungskultur und Menschenrechtsbildung zu leisten.
Wie ist dieses Thema mit deinem Studium verbunden?
Das Thema ist inhaltlich und konzeptionell eng mit dem Masterstudium Diversitätspädagogik in Schule und Gesellschaft verknüpft. Dieses Studium zielt darauf ab, gesellschaftliche Diversität in ihren sozialen, kulturellen und historischen Dimensionen zu verstehen und pädagogisch-reflektierend mit ihr umzugehen. Die Auseinandersetzung mit der Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus eröffnet dabei eine tiefgreifende, historische Perspektive auf Mechanismen von Diskriminierung, Macht, Normierung und Ausgrenzung, die auch in heutigen Bildungskontexten wirksam sein können.
Die Verbindung zwischen dem Thema meiner Masterarbeit und dem Masterstudium der Diversitätspädagogik liegt in der gemeinsamen Zielsetzung: Bewusstsein für Vielfalt zu fördern, Diskriminierungsmechanismen sichtbar zu machen und Bildung als Raum von Diversität und Emanzipation zu begreifen.
Wie gehst du im Forschungsprozess vor?
Der Forschungsprozess meiner Masterarbeit basiert auf einem interdisziplinären, qualitativen-empirischen Ansatz, der historische, rechtliche und pädagogische Perspektiven miteinander verknüpft. Ausgangsbasis ist eine umfassende theoretische und historische Analyse, bei der ich Archivmaterialien, juristische Quellen, wissenschaftliche Fachliteratur, sowie zeitgeschichtliche Dokumente untersucht habe. Ziel war es, die rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Mechanismen zu rekonstruieren, die die Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus ermöglichten. Von besonderer Relevanz für meine Forschung sind die zwischen 1945 und 1971 erfolgten juristischen Repressionen, die fortgesetzte gesellschaftliche Ausgrenzung, sowie die über Jahrzehnte andauernde Leugnung dieser Opfergruppe.
Um die historische Analyse zu vertiefen und die Perspektive gegenwärtiger Forschung zu integrieren, führte ich Expert*inneninterviews mit namhaften Historiker*innen durch. Diese Expert*innen sind in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der NS-Verfolgung homosexueller Menschen, wie auch in der pädagogischen Vermittlung tätig. Die Aussagen der Interviewpartner*innen wurden systematisch mit den historischen Befunden verglichen, um Übereinstimmungen, eventuelle Spannungen und neue Interpretationsansätze sichtbar zu machen. Auf diese Weise konnte ich nicht nur den aktuellen Stand der Geschichtsforschung einordnen, sondern auch die pädagogische Relevanz von Erinnerungskultur herausarbeiten.
Was möchtest du andern Studierenden an Erfahrung und Tipps mitgeben?
Ein für mich guter Rat ist: Wählt ein Thema, das euch emotional und intellektuell berührt. Forschung ist ein langwieriger, manchmal anstrengender Prozess, aber echte Motivation entsteht, wo wissenschaftliches Interesse und persönliche Relevanz zusammentreffen.
Ich möchte anderen Studierenden mitgeben, dass eine Masterarbeit nicht nur ein wissenschaftliches Projekt ist, sondern auch ein persönlicher Lernprozess.
Rückschläge und Schreibblockaden sind im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten unvermeidlich und sollten als Teil des Lernprozesses verstanden werden. In solchen Phasen ist es von Bedeutung, das Vertrauen in den eigenen Forschungsweg aufrechtzuerhalten, das Gespräch mit den Betreuer*innen zu suchen, den Austausch mit Mitstudierenden in Anspruch zu nehmen, sowie institutionelle Unterstützungsangebote, wie die des Schreibcenters zu nutzen.