Informatikerin, Ironman-Siegerin, Sängerin
Chiara Marita Szolderits hat drei Studien an der Universität Klagenfurt abgeschlossen – zuletzt den Master in Artificial Intelligence and Cybersecurity. Heute arbeitet sie als IT-Projektmanagerin bei ANEXIA, begeistert als Sängerin mit ihrem Projekt „Gefühlsklang“ – und gewann im Juni 2025 den Ironman Austria als schnellste Frau in beeindruckenden 9:32 Stunden. Im Interview erzählt die gebürtige Friesacherin, wie sie Informatik, Musik und Spitzensport unter einen Hut bringt – und warum große Ziele auch ohne High-End-Equipment erreichbar sind.
Sie haben gleich drei Studiengänge an der Universität Klagenfurt abgeschlossen – zwei Masterprogramme und ein Bachelorstudium in Informatik. Was hat Sie ursprünglich zur Informatik und zur Universität Klagenfurt geführt?
Angefangen habe ich ursprünglich an der FH in Kapfenberg, aber das war mir zu schullastig. Nach einem Jahr bin ich an die Universität Klagenfurt gewechselt – einerseits, weil sie näher an meinem damaligen Wohnort lag, andererseits, weil mir die Universität mehr Freiheit geboten hat. So konnte ich Studium, Sport und Singen besser miteinander verbinden. Die Kombination aus Nähe und Flexibilität war für mich ausschlaggebend.
Der Studiengang „Artificial Intelligence and Cybersecurity“ ist relativ neu. Was hat Sie dazu bewogen, dieses Masterstudium noch zusätzlich zu absolvieren – und welche Themen haben Sie dabei besonders fasziniert?
Ich hatte im ersten Informatik-Masterstudium bereits einen Schwerpunkt auf Artificial Intelligence gelegt, und das Thema hat mich so sehr fasziniert, dass ich noch tiefer einsteigen wollte. Ausschlaggebend war letztlich das Klagenfurt-Stipendium, das mir den Schritt erleichtert hat. Besonders spannend fand ich die Kombination von AI und Cybersecurity – eine Schnittstelle, die sowohl zukunftsweisend als auch sehr gefragt ist.
Sie haben ein Klagenfurt-Stipendium erhalten und wurden mit dem Best Performer Award ausgezeichnet. Wie relevant sind Preise und Förderprogramme im Studium?
Das Klagenfurt-Stipendium war für mich wichtig – ohne diese Motivation hätte ich das zweite Masterstudium wohl nicht begonnen. Auszeichnungen sind für mich aber nie das Ziel gewesen. Ich habe mich immer für IT und Mathematik interessiert, und wenn man ein Thema wirklich spannend findet, fällt das Lernen leichter. Die guten Leistungen und Auszeichnungen waren für mich eher ein Resultat dieses Interesses als etwas, auf das ich bewusst hingearbeitet hätte.
Wie hat Sie das Studium auf Ihre jetzige Tätigkeit als IT-Projektmanagerin vorbereitet?
Das Studium hat mir ein solides technisches Fundament gegeben, das mir heute im Projektmanagement sehr hilft – auch wenn ich selbst nicht mehr in der Entwicklung arbeite. Ich kenne die Perspektive der Entwickler:innen aus eigener Erfahrung und kann so besser zwischen Technik und Kundensprache vermitteln. Gleichzeitig habe ich durch das Studium gelernt, mich gut zu organisieren und selbstständig zu arbeiten – Fähigkeiten, die mir nicht nur im Beruf, sondern auch im Alltag und im Sport zugutekommen.
Sie haben bereits während des Studiums als Software Engineer bei namhaften Unternehmen, wie Infineon Technologies oder SPAR ICS, gearbeitet. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit sind besonders hängen geblieben?
Bei Infineon und SPAR ICS habe ich ein breites Spektrum an Erfahrungen gesammelt – von Backend über Frontend bis hin zu KI-Projekten. Dabei habe ich viel gelernt, wie Projekte gut ablaufen können – und was man besser vermeiden sollte. Diese Learnings helfen mir heute enorm. Schon damals wurde mir oft gesagt, ich sei eine untypische Entwicklerin, weil mir der Kundenkontakt immer besonders wichtig war und ich auch gerne organisatorische Tätigkeiten übernommen habe – ein Grund, warum ich schließlich ins Projektmanagement gewechselt bin.
Parallel zur Karriere in der IT sind Sie auch erfolgreiche Triathletin: Sie haben im Juni den Ironman Austria mit einer Zeit von 9:32 Stunden gewonnen und sind Staatsmeisterin geworden. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie als erste Frau durchs Ziel gelaufen sind?
Als ich ins Ziel gelaufen bin, habe ich es ehrlich gesagt gar nicht realisiert – ich konnte mir nicht vorstellen, tatsächlich als Erste durchzukommen. Mein persönliches Ziel war einfach nur, unter zehn Stunden zu bleiben. An dem Tag hat sich aber alles perfekt gefügt, und ich war in einem kompletten Tunnel. Erst eine Woche später habe ich wirklich begriffen, was da passiert ist.
Wie bereitet man sich auf einen Ironman vor – und wie sind Sie persönlich an das Training herangegangen?
Ich trainiere im Schnitt 15 bis 20 Stunden pro Woche, je nach Dauer der Einheit ein- bis zweimal am Tag – vor der Arbeit, in der Mittagspause oder am Abend. Einen fixen Trainer habe ich nicht, sondern gestalte meinen Trainingsplan selbst. Ich habe mich intensiv mit Trainingswissenschaft beschäftigt und durch eigene Erfahrung herausgefunden, wie mein Körper am besten auf bestimmte Trainingsreize reagiert.
Ihre Geschichte rund um den Ironman – ohne Zeitfahrrad, erst seit vier Jahren schwimmen, kein strukturierter Trainingsplan – hat für Aufmerksamkeit gesorgt. Was möchten Sie anderen mitgeben, die sich selbst solche Herausforderungen (noch) nicht zutrauen?
Das Wichtigste ist, dranzubleiben und Freude an der Sache zu haben – dann geht vieles leichter. Natürlich steht hinter dem Erfolg eine Menge an Trainingsstunden, die auch nicht immer leicht zu bewältigen sind. Aber ich höre sehr auf meinen Körper und passe die Einheiten an, wenn es einmal aufgrund der Arbeit oder eines Musikauftritts nicht geht. Jeder kennt sich selbst am besten, und genau das ist für mich der Schlüssel zum Erfolg.
Ihr Weg zum Triathlon begann nach einer Knieverletzung. Wie haben Sie es geschafft, aus einer sportlichen Zwangspause eine neue Leidenschaft zu entwickeln – und was motiviert Sie heute am meisten?
Vor dem Triathlon war Tanzen meine große Leidenschaft – von Hip Hop über Musical-Dance bis hin zu Step-Dance. Nach einer Knieverletzung musste ich jedoch eine lange Pause einlegen. Irgendwann habe ich dann das Rennrad meines Vaters genommen, und so hat sich Schritt für Schritt meine Begeisterung für den Triathlon entwickelt. Heute motiviert mich vor allem, immer wieder die beste Version meiner selbst zu sein und zu sehen, wie viel mehr noch möglich ist.
Sie sind nicht nur im IT-Bereich und im Sport aktiv, sondern auch als professionelle Sängerin mit Ihrem Projekt „Gefühlsklang“. Wie lässt sich das alles miteinander vereinbaren – und was gibt Ihnen die Musik?
Musik ist für mich vor allem ein Ausgleich und mein größtes Hobby. Ich freue mich jedes Wochenende, wenn ich singen kann, sei es auf Hochzeiten, Geburtstagsfeiern oder Firmenevents. Sie gibt mir Energie, Freude und Kreativität – und über die Jahre habe ich mir so ein kleines Netzwerk durch Empfehlungen und meine Homepage aufgebaut. Die Auftritte mit Livebands in ganz Österreich haben mich geprägt – und auch in Zukunft möchte ich wieder verstärkt auf größeren Bühnen stehen.
Inwiefern helfen Ihnen Ihre sportlichen und musikalischen Erfahrungen auch im Berufsleben, etwa beim Projektmanagement oder Umgang mit Stress?
Meine sportlichen Erfahrungen helfen mir, stressresistent zu bleiben und mentale Stärke zu entwickeln. Beim Ironman lernt man, mit Höhen und Tiefen umzugehen – ein Training, das sich direkt auf den Berufsalltag überträgt, etwa bei schwierigen Projekten oder herausfordernden Kundensituationen. Dabei sind Selbstmotivation, Selbstvertrauen und der Wille, immer die beste Version seiner selbst zu sein, entscheidend.
Was verbinden Sie mit Ihrer Studienzeit in Klagenfurt ganz persönlich?
Ich verbinde mit meiner Studienzeit in Klagenfurt vor allem den ruhigen, grünen Campus am Wörthersee. Das Betreuungsverhältnis war sehr positiv, und man hatte immer die gleichen Menschen um sich, was den Austausch erleichtert hat. Die Nähe zum See im Sommer und die Sportmöglichkeiten am USI-Klagenfurt haben das Studium zusätzlich bereichert – ich kann das Informatikstudium an der Uni Klagenfurt nur empfehlen.
Was würden Sie jüngeren Studierenden, insbesondere Frauen in technischen Studienrichtungen, gerne mit auf den Weg geben?
Wer Interesse an technischen Themen hat, sollte sich keinesfalls abschrecken lassen – das Studium ist absolut machbar! Auch wenn man manchmal das einzige Mädchen im Kurs ist, heißt das noch lange nicht, dass man es nicht schafft. Wichtig ist zudem, sich Ziele zu setzen, dran zu bleiben und Rückschläge nicht lange mitzuschleppen – einfach noch einmal versuchen und weitermachen.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Szolderits.
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