Buddies unterstützen ältere Menschen mit Haustieren: Forschungsteams untersuchen Effekte auf Mensch und Tier

Das Projekt „A G´spia für´s Tier: Urli, Burli & Schnurli“ der Volkshilfe Wien unterstützt armutsbetroffene ältere Menschen dabei, ihre Haustiere auch in schwierigen Lebenslagen zu behalten. Mit einem Buddy-System aus geschulten Freiwilligen werden Alltagshürden abgefedert. Forschende der Universität Klagenfurt und der Vetmeduni Wien begleiten das Projekt wissenschaftlich, um den Auswirkungen auf Mensch und Tier auf den Grund zu gehen.

Mit dem Projekt „A G´spia für´s Tier: Urli, Burli & Schnurli“ unterstützt die Volkshilfe Wien ältere Menschen mit geringem Einkommen dabei, ihre Haustiere auch in herausfordernden Lebenssituationen behalten und gut versorgen zu können. Gerade für viele Senior:innen sind Tiere ein zentraler Bestandteil des Alltags: Sie geben Halt, schaffen Struktur und wirken Einsamkeit entgegen. Gleichzeitig können finanzielle Belastungen, gesundheitliche Einschränkungen oder eingeschränkte Mobilität dazu führen, dass die Versorgung der Tiere zunehmend schwierig wird – etwa wenn Spaziergänge nicht mehr möglich sind oder notwendige Tierarztbesuche aufgeschoben werden.

Hier setzt das Buddy-System an: Engagierte, geschulte Freiwillige aus der Nachbarschaft unterstützen die Tierhalter:innen im Alltag – beispielsweise beim Gassigehen, bei Wegen zur Tierärzt:in, durch kurzfristige Betreuung oder in akuten Ausnahmesituationen. Die Buddies werden sorgfältig ausgewählt, umfassend vorbereitet und sind versichert; laufende Supervision sowie Weiterbildungen stellen sicher, dass die Hilfe verlässlich und qualitativ hochwertig erfolgt.

Begleitet wird das Projekt durch zwei Forschungsteams mit unterschiedlichen Fragestellungen: Nilüfer Aydin, Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Klagenfurt fragt mit ihrem Team, wie es den älteren Menschen mit den Interventionen in diesem Projekt ergeht. „Für viele dieser Menschen sind finanzielle Sorgen, Ängste und Einsamkeit große Themen. Durch die Buddies hoffen wir, dass diese Menschen weniger gesellschaftliche Exklusion erfahren und sich stärker als Teil einer Gemeinschaft fühlen. Mit standardisierten Fragebögen und Interviews möchten wir der Frage nachgehen, wie diese Menschen die Unterstützung der Buddies erleben“, erklärt sie. Zusätzlich gibt es eine Begleitforschung von Forschenden der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die die Tiere und die Auswirkungen der Maßnahme auf deren Wohlbefinden in den Blick nehmen.

Nilüfer Aydin kann in ihrer Forschung auf bisherige Studien aufbauen: „Wir wissen aus der Forschung, dass Haustiere häufig als Weggefährten betrachtet werden und deren Haltung als sinnstiftend erlebt werden kann, gleichzeitig bringt ein Haustier auch mitunter Sorgen mit sich.“ Für sie sei das Forschungsdesign deshalb besonders spannend, weil „echten Menschen mit echten Tieren und echten Sorgen damit geholfen wird.“ Sie führt weiter aus: „In Laborstudien konnten wir und andere Forscher:innengruppen  zeigen, dass Gefühle von Exklusion durch die Anwesenheit eines Hundes in einem Raum abgemildert werden können, selbst wenn der Mensch gar nicht in direktem Kontakt mit dem Tier ist.“ Nun gehe es aber darum, Effekten in realen Umgebungen auf den Grund zu gehen.

Danach gefragt, ob ein Haustier mehr Freude als Sorgen mit sich bringt, erklärt Nilüfer Aydin: „Man muss sich spezifisch die Lebensumstände ansehen. Die empirische Evidenz zeigt, dass es mehr Vor- als Nachteile gibt, dass also beispielsweise die emotionale Nähe zum Haustier eine große Bedeutung für viele Menschen hat. Dafür braucht man aber auch ein Netzwerk, das bei der Tierhaltung unterstützend ist. Genau darum geht es in diesem Projekt auch: um ein Umfeld, das unterstützt, wenn ältere, armutsgefährdete Menschen nicht mehr alleine für ihr Tier sorgen können.“

„A G´spia für´s Tier: Urli, Burli & Schnurli“ wurde mit dem Immobilienball Charity Preis 2026 (dotiert mit 52.000,- EUR) ausgezeichnet und erhielt den mit 10.000,- EUR dotierten Tierschutzpreis.