Boulevard oder öffentlich-rechtlich: Welche politischen Meinungsumfragen nehmen wir als glaubwürdiger wahr?

Politische Meinungsumfragen können zweierlei: Sie können die öffentliche Meinung widerspiegeln oder sie können die öffentliche Meinung prägen. Florian Woschnagg und Matthias Karmasin haben kürzlich eine Studie zur Glaubwürdigkeit von politischen Meinungsumfragen durchgeführt und dabei erhoben, wie diese wahrgenommen werden – abhängig von der Art des Mediums, das die Meinungsumfrage in Auftrag gibt und veröffentlicht. Die Ergebnisse wurden nun veröffentlicht.  

Welche Wirkung die Veröffentlichung von Umfragen durch Medien entfaltet, hänge, so frühere Studienergebnisse, von der Qualität der Umfrage ab. „Wir wissen aus der Literatur, dass es Einflüsse gibt: Wenn Medien über gut durchgeführt, hochwertige Umfragen berichten, spiegeln diese eher die öffentliche Meinung wider, während die Veröffentlichung von Umfragen geringer Qualität diese stattdessen prägen kann“, erklärt Florian Woschnagg, der die aktuelle Studie im Rahmen seines Dissertationsprojekts durchgeführt hat.

In einem Online-Experiment mit 1.600 Teilnehmer:innen aus Österreich fanden die Forscher nun heraus, dass eine Umfrage, die von einem öffentlich-rechtlichen Medium veröffentlicht wird, nicht als glaubwürdiger wahrgenommen wird, als dies bei einer Umfrage einer Boulevardzeitung der Fall ist. Allerdings konnten die Forscher in ihrer Studie zeigen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk ORF bei der Präsentation von politischen Meinungsumfragen hierbei als kompetenter im Vergleich zum Boulevardmedium OE24 wahrgenommen wird. Außerdem geht aus der Studie hervor, dass der ORF eher den Eindruck vermittelt, aus wohlwollenden Motiven eine Meinungsumfrage zu publizieren. Neben diesen beiden Dimensionen spielt aber auch die Wahlintention der Proband:innen eine wichtige Rolle, wenn es um die Glaubwürdigkeit von Meinungsumfragen geht. Steht die eigene Partei an der Spitze, scheint dies die wahrgenommene Glaubwürdigkeit der Umfrage zu erhöhen – dieses Ergebnis deckt sich auch mit den Ergebnissen anderer Untersuchungen

„Interessanterweise führt in unserem Experiment im Gegensatz zu anderen Studienergebnissen die Bereitstellung detaillierter Informationen zur Umfrage zu einer geringeren wahrgenommenen Glaubwürdigkeit, was uns zeigt: Wir brauchen in Österreich eine höhere Kompetenz in der Bevölkerung, Umfragen in ihrer Qualität auch richtig einzuschätzen. Hier sind auch Medien und Meinungsforschungsinstitute gefragt, passende Instrumente einzuführen“, führt Florian Woschnagg weiter aus.

Florian Woschnagg & Matthias Karmasin (2025). Do You Believe in Polls After All? An Experimental Study on Credibility in Political Opinion Polls, https://doi.org/10.5771/1615-634X-2025-4-567.