Call for Papers
25 Jahre Bilder im Fokus
Paradigmen, Praktiken und Perspektiven
DGPuK-Fachgruppentagung Visuelle Kommunikation 2026
18.-20. November 2026
Universität Klagenfurt, Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft
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Vor dem Hintergrund der tiefgreifenden Mediatisierung und Visualisierung unserer Kommunikationsumwelten und über 25 Jahre nach der Gründung der Fachgruppe Visuelle Kommunikation gilt es, die grundlagentheoretischen und methodologischen Prämissen visueller Kommunikationsforschung kritisch zu reflektieren: Gemeinsam möchten wir diskutieren, was es bedeutet, visuelle Kommunikation in multimodalen, meist digitalen und oft algorithmisierten Medienumgebungen zu erforschen. Inwiefern ist es sinnvoll, visuelle Kommunikation als spezifische Modalität herauszulösen? Welche Expertise bringt die visuelle Kommunikationsforschung ein, wenn heute viele Felder und Disziplinen „etwas mit Bildern“ machen? Welche Methoden stehen uns zur Verfügung, welche sollten weiterentwickelt werden? Zeit stellt ein wichtiges Rahmenelement einer solchen Bestandsaufnahme dar: Wie kann visuelle Kommunikationsforschung auch historische Kontinuitäten und Wandel analysieren und verstärkt auch langfristige Entwicklungen in den Blick nehmen? Aber gleichzeitig auch jene visuellen Kommunikationsphänomene erfassen, die in immer kürzeren Intervallen entstehen, zirkulieren und verschwinden?
Um eine Auseinandersetzung auf der Metaebene zu ermöglichen, ist die Tagung bewusst thematisch offen gestaltet. Das bedeutet, jede Art von visueller Kommunikation, visueller Kommunikationsforschung und alle visuell Forschenden (ausdrücklich auch Fachgruppen-Neulinge) sind willkommen, von Analysen historischer Propagandaplakate über Filmrezeptionsstudien bis zu partizipativer TikTok-Forschung, von automatisierten Bildinhaltsanalysen über Eyetrackingstudien bis zu ikonologischen Interpretationen – sowie alles dazwischen und darüber hinaus. Integriert werden sollte jedoch eine explizite, selbstkritische Auseinandersetzung im Rahmen des jeweiligen Forschungsthemas: Inwiefern sind die darin verwendeten Daten, Ansätze und Fragen ‘typisch’ für visuelle Kommunikationsforschung? Welche Rolle und Relevanz hat visuelle Kommunikation dabei tatsächlich? Stehen konkrete Repräsentationen und Darstellungen im Fokus und/oder die Modalität selbst? Wie wird “das Bild” definiert? Und wie verhalten sich Bildpraktiken zu Bildern?
Wir freuen uns über Einreichungen, die zu einer kritischen Bestandsaufnahme unseres Forschungsfeldes beitragen: Woher kommen wir, wo stehen wir heute und wohin entwickelt sich die Visuelle Kommunikationsforschung? Wie betreiben wir Forschung und wie möchten wir uns als Visuelle Kommunikationsforschende positionieren? Im Folgenden skizzieren wir drei mögliche Reflexionsebenen – Paradigmen, Praktiken und Perspektiven – als Inspiration für Beiträge. Einreichungen können die vorgeschlagenen Themenfelder gerne kombinieren und natürlich auch erweitern.
Paradigmen // Theorien, Konzepte und Bezüge
Gerade vor dem Hintergrund plattformisierter, algorithmisch strukturierter und zunehmend durch KI geprägter Bildwelten stellt sich die Frage, welche Paradigmen, Begriffe und theoretischen Bezugspunkte unser Feld bislang getragen haben, welche weiterhin produktiv sind und welche an Erklärungskraft verlieren. Wo hinkt die Theoriebildung aktuellen Entwicklungen hinterher – und wo ist es sinnvoll, etablierte Konzepte für neue Kontexte weiterzudenken?
Der Faktor Zeit ist dabei zentral: Von Bildern als kostbarem, nur bestimmten Gruppen zugänglichem Gut bis hin zu ihrer Omnipräsenz in digitalen und KI-generierten Medienumgebungen haben sich Produktions-, Distributions- und Rezeptionsbedingungen grundlegend verändert. Wie lassen sich Materialität, Autor:innenschaft und Originalität unter diesen Bedingungen heute fassen? Zugleich ist die Visuelle Kommunikationsforschung als interdisziplinäres Feld immer schon von unterschiedlichen Traditionen geprägt – etwa deutschsprachigen kunsthistorisch-philosophischen Ansätzen und angloamerikanischen Cultural und Visual Studies. Welche Grundlagen, Theorien und Konzepte sind heute noch tragfähig, wo braucht es sie – und wie verändern interdisziplinäre und internationale Kooperationen seine Paradigmen?
Praktiken // Methodologien und Methoden
Mit der Entwicklung digitaler und computergestützter Methoden hat sich das ohnehin breite Methodenspektrum der visuellen Kommunikationsforschung besonders im letzten Jahrzehnt nochmals deutlich erweitert. Neue Zugänge zu komplexen, dynamischen Phänomenen ermöglichen es, visuelle Kommunikation in ihren kulturellen, sozialen sowie technologischen Verschränkungen differenziert zu dokumentieren und zu untersuchen. Was dabei sinnvoll automatisiert werden kann und soll, ist immer wieder eine methodische Herausforderung, genauso wie jene der Zeitlichkeit: wie lässt sich flüchtige plattformisierte Kommunikation empirisch erfassen, dokumentieren und langfristig analysieren? Was bleibt sichtbar, was verschwindet, und unter welchen Bedingungen kann und darf visuelle Kommunikation überhaupt für Forschende verfügbar werden?
Methodenübergreifend stellen sich zentrale Fragen immer wieder neu, jene nach Forschungsethik und -recht, nach der Positionalität visuell Forschender und damit verbunden Fragen nach Macht- und Ungleichheitsverhältnissen: etwa zwischen Forschenden und Teilnehmenden oder zwischen Nutzer:innen und Plattformen. Wer reguliert den Zugriff auf Archive, Plattformen und Ordnungen visueller Bestände? Wie werden solche Bestände sortiert, gespeichert und konserviert und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für wissenschaftliche Erkenntnis und Forschungspraxis? So rücken Praktiken des Forschens, deren Bedingungen und Perspektiven ihrer Weiterentwicklung gleichermaßen in den Blick.
Perspektiven // Community und Care
Neben den Perspektiven, mit denen wir visuelle Kommunikation erforschen, interessieren auch jene, die wir für die Fachgruppe Visuelle Kommunikation mit Blick auf die Zukunft selbst entwerfen. Welche Begriffe, Zugänge und Fragestellungen haben die Auseinandersetzung bislang geprägt, welche Herausforderungen stellen sich uns heute und welche Perspektiven wollen wir gemeinsam als Fachgruppe daraus für die Zukunft der visuellen Kommunikationsforschung eröffnen und im akademischen Diskurs sichtbar machen?
Zugleich möchten wir das Selbstverständnis der Fachgruppe neu befragen und gemeinsam weiterdenken. Welche Rolle soll sie in unserem wissenschaftlichen Arbeitsalltag spielen, was kann sie für Orientierung, Vernetzung und fachliche Zugehörigkeit leisten und wie kann sie als Ort kritischer Debatte ebenso wie gegenseitiger Sorge und Unterstützung wirksam werden? Wie lassen sich fachlicher Austausch, Solidarität und Verantwortung so zusammendenken, dass die Fachgruppe als offener, reflexiver und zukunftsorientierter Zusammenhang perspektivisch weiterentwickelt werden kann?
Dabei geht es uns nicht um eine Vereinheitlichung, sondern um die Öffnung eines Diskussionsraums, der unterschiedliche Paradigmen, Praktiken und Perspektiven über Karrierephasen hinweg zusammenbringt und produktiv miteinander ins Gespräch setzt.
Gesucht sind Beiträge, die diese Fragen aufgreifen und die im Call angesprochenen Perspektiven in theoretischer, methodischer oder auch in explizit fach-gemeinschaftlicher Hinsicht weiterdenken. Besonders ermutigen möchten wir deshalb auch zur Einreichung interaktiv-kreativer Formate, die sich mit Fragen der Fachgemeinschaft, ihrer Selbstverständigung und ihren Zukunftsperspektiven auseinandersetzen.
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