Ralf Six (c) Niklas Schnaubelt

„Medien sind mehr als Information – sie tragen Verantwortung“

Ralf Six hat an der Universität Klagenfurt Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert und ist heute Geschäftsführer der VGN Medien Holding, dem größten Magazinverlag Österreichs. Im Alumni-Porträt spricht er über seinen Karriereweg, die Transformation der Medienbranche und warum klare Zielgruppen, starke Marken und Vertrauen – gerade im Zeitalter von KI – entscheidender sind denn je.


Sie sind heute Geschäftsführer der VGN Medien Holding und verantworten einige der bekanntesten Magazinmarken Österreichs. Was hat Ihr Interesse an Medien und Kommunikation ursprünglich geweckt?

Mein Interesse an der Medienbranche war von Anfang an von ihrer Vielseitigkeit geprägt. Medien verbinden Information, gesellschaftliche Relevanz und eine enorme Außenwirkung – genau diese Kombination hat mich fasziniert. Besonders spannend finde ich bis heute die Verantwortung, die Medien tragen: Sie sind nicht nur Unterhaltungs- oder Informationsplattform, sondern leisten einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft, indem sie Entwicklungen kritisch begleiten und einordnen. Diese Rolle – als „vierte Säule im Staat“ – war auch ausschlaggebend dafür, dass ich Teil dieser Branche werden wollte.

Sie haben Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Klagenfurt studiert. Mit welchen Erwartungen sind Sie damals in das Studium gestartet?

Ich bin mit der Erwartung ins Studium gestartet, ein solides Fundament für eine Karriere in der Medienbranche zu bekommen – und gleichzeitig Kommunikation in all ihren Facetten besser zu verstehen. Denn Kommunikation ist letztlich in jedem Berufsfeld zentral, genau dieses Grundverständnis hat mich gereizt. Ursprünglich hatte ich geplant, Betriebswirtschaft zu studieren. Erst durch den Studienführer bin ich auf Kommunikationswissenschaft aufmerksam geworden – und besonders die Ausrichtung in Klagenfurt mit Fokus auf Public Relations und Organisationskommunikation hat mich überzeugt, diesen Weg einzuschlagen.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Studienzeit an der Universität Klagenfurt?

Ich blicke sehr gerne auf meine Studienzeit in Klagenfurt zurück. Die Universität bietet mit ihrem Campus in unmittelbarer Nähe zum Wörthersee eine außergewöhnlich hohe Lebensqualität. Gleichzeitig ist sie überschaubar und familiär, was den Austausch mit Lehrenden erleichtert und eine persönliche Betreuung ermöglicht. Neben dem Studium gab es auch viele Möglichkeiten, sich einzubringen – etwa bei studentischen Projekten oder Veranstaltungen. Insgesamt war es eine sehr prägende Zeit, die nicht nur fachlich, sondern auch persönlich bereichernd war.

Gibt es Inhalte oder Erfahrungen aus Ihrem Studium, die Ihnen in Ihrer heutigen Arbeit besonders zugutekommen?

Rückblickend war für mich weniger ein einzelner Inhalt entscheidend als vielmehr die gesamte Erfahrung des Studiums. Ein Studium formt den Charakter: Man lernt, sich selbst zu organisieren, Verantwortung zu übernehmen und eigenständig Ziele zu verfolgen. Diese Selbstdisziplin und intrinsische Motivation sind im Berufsleben essenziell. Darüber hinaus hat mir das Studium ein grundlegendes Verständnis für Kommunikationsprozesse vermittelt – inhaltlich als auch persönlich. Gerade in meiner heutigen Rolle, in der ich häufig öffentlich auftrete und auf unterschiedlichen Ebenen kommuniziere, ist dieses Bewusstsein für Wirkung und Selbstreflexion wertvoll.

Seit Ihrer Studienzeit hat sich die Medienbranche stark verändert – ebenso wie Studieninhalte und Ausbildungswege. Welche Kompetenzen oder Praxiserfahrungen sind aus Ihrer Sicht besonders wertvoll, um auf die heutige Medienwelt vorbereitet zu sein?

Die Medienbranche ist heute dynamischer denn je – deshalb sind vor allem persönliche Kompetenzen entscheidend. Dazu zählen Resilienz, Leistungsbereitschaft und die Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen. Man muss bereit sein, die berühmte „Extra-Meile“ zu gehen und kontinuierlich dazuzulernen. Die einzige Konstante in dieser Branche ist der Wandel – vom klassischen Print über die Digitalisierung bis hin zu aktuellen Entwicklungen wie KI. Ebenso wichtig ist ein gutes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge. Wer langfristig erfolgreich sein möchte – insbesondere in leitenden Funktionen –, sollte auch die kommerzielle Seite des Mediengeschäfts kennen.

Ihr Karriereweg führte Sie vom Radio über den Agenturbereich bis in leitende Funktionen eines großen Medienhauses in Wien. Welche Stationen oder Entscheidungen waren dabei besonders prägend?

Mein Karriereweg war geprägt von bewusst gewählten Perspektivenwechseln: vom Radio über den Agenturbereich hin zu einem Medienhaus – zunächst bei der Kleinen Zeitung und später bei der VGN Medien Holding, dem größten Magazinverlag Österreichs. Diese unterschiedlichen Stationen haben mir ein ganzheitliches Verständnis der Branche vermittelt – von redaktionellen bis zu wirtschaftlichen Aspekten. Gleichzeitig war es später wichtig, Kontinuität zu schaffen: In den letzten Jahren konnte ich mich innerhalb des Unternehmens sukzessive weiterentwickeln und Verantwortung übernehmen.

Heute verantworten Sie mit der VGN Medien Holding (früher Verlagsgruppe News) ein Portfolio starker Magazinmarken wie trend., News, GUSTO, woman oder Yachtrevue. Was macht diese Marken aus Ihrer Sicht besonders?

Unsere Stärke liegt in klar positionierten Marken mit eindeutig definierten Zielgruppen – wir sprechen von „Communities“. Entscheidend ist, dass wir Inhalte nicht mehr aus einer allgemeinen Perspektive heraus denken, sondern konsequent aus Sicht dieser Communities. Dadurch entsteht hohe Relevanz und Glaubwürdigkeit.

Am Beispiel von trend. bedeutet das: Wir richten uns gezielt an Unternehmer:innen und Manager:innen und liefern genau die Inhalte, die für diese Zielgruppe entscheidend sind. Gleichzeitig denken wir unsere Marken multimedial – von Print über Digital, Social Media bis hin zu Events. Dieses Zusammenspiel aus klarer Positionierung, starken Marken und einem vernetzten Ökosystem macht unser Portfolio besonders.

Die Medienbranche verändert sich rasant – Stichwort Digitalisierung, KI und neue Nutzungsgewohnheiten. Welche Entwicklungen prägen Ihre Arbeit aktuell am stärksten?

Zentral sind aktuell zwei Entwicklungen: die zunehmende Fragmentierung der Mediennutzung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Wir setzen daher stark auf unsere Community-basierte Strategie und bauen unsere Inhalte sowie Angebote gezielt aus. KI nutzen wir vor allem zur effizienteren Aufbereitung und Distribution von Inhalten über verschiedene Kanäle hinweg. Gleichzeitig bleibt hochwertiger, originärer Content – also Inhalte aus vertrauenswürdigen Quellen und persönlichen Netzwerken – unser zentraler USP. Gerade in Zeiten von Informationsflut und Unsicherheit wird Glaubwürdigkeit noch wichtiger.

Wenn Sie nach vorne blicken: Wohin entwickelt sich die Medienlandschaft in den kommenden Jahren?

Wir sehen drei zentrale Entwicklungen: Erstens wird es nur noch wenige große Player geben, die tagesaktuelle Nachrichten umfassend abdecken können. Zweitens gewinnen regionale Inhalte weiter an Bedeutung. Und drittens – und hier positionieren wir uns – werden Medien mit klar definierten Zielgruppen und hoher inhaltlicher Relevanz erfolgreich sein. Gerade im Zeitalter von KI und Informationsüberfluss werden sich Nutzer:innen verstärkt an starken Marken orientieren, denen sie vertrauen. Hier liegt die Zukunft von Qualitätsmedien.

Was möchten Sie heutigen Studierenden der Universität Klagenfurt mit auf den Weg geben, die sich für eine Karriere in der Medien- oder Kommunikationsbranche interessieren?

Die Medienbranche ist unglaublich spannend und bietet vielfältige Chancen. Sie lebt von Dynamik und Veränderung – deshalb sind Neugier, Lernbereitschaft und intrinsische Motivation besonders wichtig. Wer gerne Verantwortung übernimmt, offen für Neues sowie resilient ist, findet hier eine Branche mit großem Gestaltungsspielraum, spannenden Kontakten und Entwicklungsmöglichkeiten.

Welche Medien konsumieren Sie persönlich am liebsten – Print, Podcast, Newsletter oder etwas ganz anderes?

Sehr vielseitig – von Podcasts unterwegs bis zu digitalen Formaten im Alltag. Wenn ich aber bewusst abschalten möchte, greife ich am liebsten zum klassischen Print-Magazin.

Wenn Sie einen Tag lang noch einmal Student in Klagenfurt wären – was würden Sie unbedingt wieder machen?

Zeit am See verbringen, Sport machen – und natürlich wieder eine der legendären Uni-Partys mit organisieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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