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10. Oktober in Kärnten: FWF-Projekt stellt den Mythos auf den Prüfstand

Wie gehen die Kärntnerinnen und Kärntner mit den Erinnerungen und den Inszenierungen zum 10. Oktober um, dem Termin der Volksabstimmung 1920, bei der es in Südkärnten um den Verbleib bei Österreichs ging? 2020 jährt sich das Ereignis zum 100. Mal. Der Theatermacher Bernd Liepold-Mosser geht gemeinsam mit dem Institut für Kulturanalyse der Alpen-Adria-Universität dem Mythos auf den Grund.

„Performing Reality“ nennt sich das vom österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) finanzierte Forschungsprojekt am Institut für Kulturanalyse, das Theater und Wissenschaft auf ungewöhnliche Weise vereint.

„Wir sehen uns ganz genau an, wie in Kärnten mit dem 10. Oktober umgegangen wurde und wird“, erzählt Bernd Liepold-Mosser, künstlerischer Leiter des Projekts und international tätiger Theatermann. „Daraus entstehen Theaterproduktionen, Ausstellungen und Interventionen, die die Kärntner Befindlichkeiten einerseits analysieren, andererseits aber auch verändern helfen sollen.“

Die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler solle zu einem neuen und befreienden Blick auf die „bisherige Schützengraben-Mentalität“ beitragen. Der empirische Kulturwissenschaftler Klaus Schönberger führt dazu aus: „Es geht in dem Projekt darum, die bisherige Form der Erinnerung um den 10. Oktober einerseits kulturanalytisch zu untersuchen und andererseits mit künstlerischen Mitteln das bisherige ‚Kärntner Dispositiv‘ im Theater zu dekonstruieren. Anders gesagt: Wir möchten weg vom ‚Abwehrkampf‘ und hin zu einem demokratischen Verständnis der Kärntner Geschichte. Die Volksabstimmung war nämlich durchaus eine Einübung in eine demokratische Kultur, die Lesart ‚Abwehrkampf‘ demgegenüber ein Rückfall in anti-demokratische völkische Ausgrenzungen.“

Erste Ergebnisse dieser Kooperation von Kunst und Wissenschaft („art based research“) werden schon im kommenden Herbst präsentiert: Im Rahmen einer von Bernd Liepold-Mosser und Christine Wetzlinger-Grundig kuratierten Ausstellung im Museum Moderner Kunst Kärnten unter dem Titel „Das andere Land“ werden erste Beispiele zu begutachten sein. Die Vernissage findet am Mittwoch, dem 13. Juni statt. Zum Ende der Ausstellung am 6. Oktober  (Lange Nacht der Museen) treten auch die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts in Aktion. Ute Holfelder, Klaus Schönberger und Wilhelm Kuehs werden erste Kostproben dieser Ko-Produktion von Wissenschaft und Kunst präsentieren.

Weitere Theaterprojekte folgen im Jahrestakt. Für 2019 ist in Kooperation mit dem Landesmuseum eine neue Art des Kärntnerabends geplant, und 2020 folgt das große Finale auf der Bühne des Stadttheaters Klagenfurt.