Mathematikerin Verena Schwarz wechselt mit Glasstone Research Fellowship an die University of Oxford

Mit dem renommierten Glasstone Research Fellowship wird die Mathematikerin Verena Schwarz ab Herbst drei Jahre lang an der University of Oxford forschen. Im Gespräch erzählt sie, warum sie sich schon früh für Mathematik begeistert hat, wie Forschung tatsächlich funktioniert und weshalb Rückschläge zum Erreichen solcher Erfolge dazugehören.

Frau Schwarz, was hat Sie zur Mathematik gebracht?

Mathematik hat mir schon in der Schule gelegen. Mich haben logische Zusammenhänge fasziniert, und ich habe schon damals gerne Knobelaufgaben gelöst. Deshalb war für mich relativ früh klar, dass ich in diese Richtung studieren möchte. Während des Studiums hat sich diese Begeisterung noch verstärkt.

Was gefällt Ihnen denn konkret an der Mathematik?

Mich interessiert vor allem das Abstrakte an der Mathematik.  Ich schätze diese Welt, in der Aussagen klar wahr oder falsch sind. Man arbeitet mit Annahmen und kann daraus eindeutige Resultate ableiten. Diese Klarheit gefällt mir sehr.

Ist Ihnen diese Eindeutigkeit auch im Alltag wichtig?

Im Alltag ist vieles natürlich vieldeutiger. Gerade in der Wissenschaft gibt es Projektanträge, Kooperationen oder organisatorische Fragen, die nicht nach mathematischen Regeln funktionieren. Aber in meiner Forschung genieße ich es, genau zu wissen, ob ein Problem gelöst ist oder eben noch nicht.

Wann war für Sie klar, dass Sie in der Wissenschaft bleiben möchten?

Während meines Masterstudiums hat sich herauskristallisiert, dass mir wissenschaftliches Arbeiten große Freude bereitet. Deshalb wollte ich promovieren. Nach meinem Master in Deutschland bin ich für das Doktorat nach Klagenfurt gekommen und anschließend als Postdoktorandin geblieben.

Wie sind Sie denn nach Klagenfurt gekommen?

Auf die Stelle in Klagenfurt wurde ich durch meinen damaligen Betreuer aufmerksam. Ich habe mich intensiv mit den Arbeiten meiner späteren Betreuerin beschäftigt und war sofort von ihren Forschungsthemen begeistert. Dass ich schließlich die Stelle bekommen habe, war ein großer Glücksfall.

Sie haben in kurzer Zeit bemerkenswerte Erfolge erzielt. Was braucht es dafür?

Natürlich gehören Fleiß und Disziplin dazu. Mindestens genauso wichtig sind aber gute Mentor:innen sowie Menschen, die einen fördern und Türen öffnen. Ich hatte das Glück, früh mit vielen Forschenden in Kontakt zu kommen und internationale Kontakte aufzubauen. Gerade der Austausch mit anderen Wissenschaftler:innen ist enorm wertvoll.

Haben Sie auch Rückschläge erlebt?

Ja, Rückschläge gehören in der Wissenschaft wie im Leben dazu. Zum Beispiel wurde mir auch schon ein Projektantrag abgelehnt und darin sollte man auch nicht nur Negatives sehen. Ich habe mich dann mit dem Feedback auseinandergesetzt und dann hat es beim zweiten Anlauf doch noch geklappt.

Welche Eigenschaften braucht erfolgreiche Forschung generell?

Neugier ist wahrscheinlich das Wichtigste. Man sollte den Fragen nachgehen, die einen wirklich interessieren. Gleichzeitig braucht man Struktur und Ausdauer. Manche Ideen führen schnell zum Ziel, andere beschäftigen einen über Monate oder sogar Jahre. Forschung verläuft selten geradlinig. Oft arbeitet man lange an einer Fragestellung, legt sie dann bewusst zur Seite und betrachtet sie später mit einem neuen Blick. Manchmal entsteht gerade dadurch die entscheidende Idee. Es gibt Projekte, die viel Geduld verlangen, und andere, bei denen plötzlich ein einfacher Gedanke den Durchbruch bringt.

Geduld bringen Sie also mit, oder?

Ja, und gewisse Erfahrungen lehren Gelassenheit. Ich habe erlebt, dass wir über zwei Jahre an einem Problem gearbeitet haben, ohne die gewünschte Lösung zu finden. Als wir die Fragestellung später noch einmal aufgegriffen haben, stellte sich heraus, dass die eigentliche Lösung überraschend einfach war.

Sie unterrichten auch Studierende. Wie erleben Sie die nächste Generation?

Ich erlebe viele engagierte junge Menschen, die mit großer Begeisterung Mathematik studieren. Gleichzeitig ist Mathematik ein Fach, das stark polarisiert. Wer den Zugang findet, entwickelt oft große Freude daran. Wer Schwierigkeiten hat, verliert hingegen schnell die Motivation. Die Mathematik im Studium unterscheidet sich stark von dem, was viele in der Schule erlebt haben: Hier geht es nicht darum, Rechenverfahren auswendig zu lernen. Viel wichtiger ist es zu verstehen, warum mathematische Aussagen gelten und welche Ideen dahinterstehen. Diese Art des Denkens muss man erst lernen – das war auch für mich eine Umstellung.

Merkt man Ihnen die Mathematikerin auch außerhalb der Universität an?

Beim ersten Kontakt vermutlich nicht, aber wenn man mich besser kennt auf jeden Fall. Die erlernte logische und strukturierte Denkweise lässt sich auch im Privaten nur schwer ablegen. Das ist aber nichts Negatives, sondern in vielen Situationen sehr hilfreich.

Im Herbst wechseln Sie nach Oxford. Worauf freuen Sie sich besonders?

Ich war bereits für einen Forschungsaufenthalt dort und kenne einige Kolleg:innen. Oxford bietet eine außergewöhnlich inspirierende Umgebung. Die Dimensionen sind anders, als ich sie bisher kannte: Es gibt viel mehr Forschende in der Mathematik und viele Möglichkeiten zum wissenschaftlichen Austausch und zur Zusammenarbeit. Darauf freue ich mich besonders.

Können Sie auch erklären, woran Sie inhaltlich arbeiten werden?

Inhaltlich beschäftige ich mich mit stochastischen Modellen. Ursprünglich standen Anwendungen in Finanz- und Energiemärkten im Vordergrund. Heute interessieren mich vor allem Modelle, in denen viele einzelne Akteure miteinander interagieren – etwa bei neuronalen Netzwerken im Gehirn. Mich beschäftigt die Frage, wie sich sehr große Systeme mathematisch beschreiben und effizient simulieren lassen. Das bedeutet Grundlagenforschung, deren Anwendungen oft erst viel später sichtbar werden.

Zur Person



Verena Schwarz absolvierte ihr Bachelor- und Masterstudium der Wirtschaftsmathematik an der Universität Ulm. 2020 wechselte sie für das Doktoratsstudium in der vom FWF geförderten doc.funds doctoral school „Modeling – Analysis – Optimization of discrete, continuous, and stochastic systems“ an die Universität Klagenfurt, wo sie von Michaela Hitz betreut wurde. Das Doktoratsstudium schloss sie im Jahr 2024 ab, seither ist sie als Postdoc-Forscherin am Institut für Statistik an der Universität Klagenfurt tätig.