Eisenschrott zur Wiederverwertung | Foto: Lunghammer/Fotolia.com

Kreislaufwirtschaft in der EU: Maßnahmen und neues Monitoring

Kürzlich hat die EU ein „Circular Economy Package“ veröffentlicht, welches unterschiedliche Maßnahmen vorsieht, um die Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft zu forcieren. Dazu gehört auch ein Monitoringsystem zur Messung des Fortschritts in Richtung Kreislaufwirtschaft, dessen Grundlagen vom Wiener Institut für Soziale Ökologie gemeinsam mit dem Joint Research Centre der Europäischen Kommission in Ispra entwickelt wurden.

In einer Grafik lässt sich viel Arbeit zusammenfassen: Ein Team rund um Willi Haas (Institut für Soziale Ökologie) arbeitet seit mittlerweile acht Jahren an einer Quantifizierung und Darstellung, wie diverse materielle und energetische Flüsse von Gesellschaften umgesetzt werden, was durchfließt, was in den Aufbau von Beständen geht und was durch Recycling wieder zur Produktion neuer Güter verwendet werden kann. Der enorme Ressourcenverbrauch sowie die beträchtlichen Abfallmengen und Emissionen und die daraus resultierenden Umweltprobleme erfordern einen neuen Umgang mit Ressourcen. „Die Idee der Kreislaufwirtschaft ist, dass wir mit den Materialien möglichst gut haushalten, sie durch langlebige Produkte und Infrastrukturen sowie durch Wiederverwendung, Reparatur und Recycling lange in der Ökonomie behalten und dadurch der Natur viel weniger entnehmen und sie mit viel weniger Abfall und Emissionen belasten“, fasst Willi Haas zusammen. Mit dem Schema zum Monitoring sei es nun gelungen, einen ganzheitlichen Blick auf das Thema zu werfen, denn: „Wenn man beispielsweise nur eine Recyclingrate für Kunststoff vorgibt, kann man diese zwar unter bestimmten Umständen erfüllen; es kann aber auch sein, dass man für diesen Prozess so viel Energie verbraucht, dass der eigentliche Zweck der Wiederverwertung, die Ressourceneinsparung, verfehlt wird.“

Die Europäische Union hat sich nun in einer offiziellen und verbindlichen Kommunikation auf die Form des Monitorings für die Kreislaufwirtschaft geeinigt. Den Rahmen dafür bildet das am Wiener Institut für Soziale Ökologie entwickelte Schema zur Integration umweltstatistischer Daten und die daraus ableitbaren Indikatoren. In der Kommunikation sind weiters Recyclingziele für verschiedene Abfallflüsse definiert, die verfolgt werden.

Willi Haas nimmt in Anbetracht dieser Entwicklungen Rückenwind für eine Entwicklung in Richtung Kreislaufwirtschaft wahr, gibt aber zu bedenken: „Sollen Ideen der Kreislaufwirtschaft großflächig wirksam werden, müssen Maßnahmen gesetzt werden, die gegen die Interessen verschiedener Lobbys stehen. Beispielsweise haben wir in unserem Modell die gesamte Fossilenergie mitberücksichtigt. Fossilenergie kann nicht zirkulär genutzt werden; sie ist eine nicht erneuerbare Ressource. Einmal verbrannter Benzin ist verloren und ein Problem für die Umwelt. Auch eine auf Zirkularität ausgerichtete Ökonomie braucht den Ausstieg aus der Fossilenergie.“ Biophysisch betrachtet wäre es für Haas möglich, die globale Ökonomie auf Kreislaufwirtschaft auszurichten, dafür brauche es aber eine tiefgreifende Umstrukturierung unseres Wirtschaftens und Konsumierens, auch in Hinblick auf neue globale Verteilungen.