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Einblick in die Lehre… 3 Fragen an Stefanie Mayer: Immer Ärger mit dem Gender

Das Wahlfachstudium Feministische Wissenschaft / Gender Studies ermöglicht Studierenden durch den Besuch einzelner Lehrveranstaltungen oder gesamter Module ihr Wissen zu erweitern und ihr Fachgebiet zu vergrößern. Der interdisziplinäre Zugang und die Öffnung für alle Studierende schafft ein offenes, durch Diversität geprägtes Lehr- und Lernklima. Stefanie Mayer beschäftigt sich in ihrer LV „Immer Ärger mit dem Gender“ mit sozialen Bewegungen als wesentliche, gesellschaftliche Akteurinnen und lehrt Studierenden Kämpfe um Geschlecht und Sexualität erklären und analysieren zu können.

Können Sie uns etwas Näheres zu Ihrer LV „Immer Ärger mit dem Gender“ erzählen? Worum geht es dabei genau?

Die LV ist im Bereich Gender Studies angesiedelt. Konkret geht es um Antifeminismus als politische Ideologie und Diskurs sowie um antifeministische Bewegungen, die in den letzten Jahren auf der ganzen Welt verstärkt sichtbar geworden sind. Aktueller Antifeminismus ist ein komplexes Phänomen, in dem sich politisch rechtsgerichtete bis hin zu rechtsextremen, religiösen – vor allem christlichen – Fundamentalismen und extremer Konservativismus überlagern und verschränken. Wir wollen uns gemeinsam einige Aspekte dieses Phänomens näher ansehen.

Was wollen Sie Ihren Studierenden mitgeben?

Natürlich Wissen über Antifeminismus als politisches Phänomen. Ich sehe das als Bedrohung für die in den letzten Jahrzehnten erreichten Fortschritte im Kampf um Emanzipation, um Gleichberechtigung aller Geschlechter und um die Anerkennung von Sexualitäten und Beziehungsformen abseits des heterosexuellen und patriarchalen Modells. Vor allem aber geht es mir um analytisches Handwerkszeug, das es uns erlaubt, politische Programme kritisch zu hinterfragen und zum Beispiel die impliziten Voraussetzungen und möglichen Effekte von politischen Positionen und Forderungen zu erkennen. Dazu gehört dann auch viel Wissen über feministische und queer-feministische Konzepte, die wir uns gemeinsam erarbeiten. Abstrakt formuliert ist es für mich ganz wichtig die ‚Gewordenheit‘ unserer scheinbaren Selbstverständlichkeiten und damit auch die Veränderbarkeit der Welt aufzuzeigen.

Warum ist Ihre Lehrveranstaltung gerade heute relevant?

Erstens, weil wir uns mit einem aktuellen, gesellschaftlich sehr relevanten Thema befassen, das uns mit ziemlicher Sicherheit noch lange begleiten wird. Zweitens, weil Antifeminismus in mancher Hinsicht wie ein Brennglas wirkt, in dem viele gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar werden. Autoritäre und illiberale Tendenzen, der Verlust von Vertrauen in politische Eliten, die zunehmende Spaltung von Gesellschaften unter anderem in Europa, der scheinbare Gegensatz von Sozial- und Identitätspolitiken beziehungsweise die intersektionalen Überlagerungen von Differenzen und Ungleichheiten – das alles sind Phänomene, die sich im Antifeminismus bündeln. Und drittens, weil uns nicht zuletzt die Maßnahmen im Zuge der COVID-Krise deutlich vor Augen geführt haben, was für ein mächtiger sozialer ‚Platzanweiser‘ Geschlecht ist. Ganz im Gegensatz zu den Behauptungen antifeministischer Akteur*innen sind wir von wirklicher Gleichberechtigung aller Geschlechter weit entfernt.

Zur Person

Stefanie Mayer studierte Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie war danach sowohl im universitären als auch im außeruniversitären Bereich tätig bevor sie 2016 mit ihrer Dissertation zur „Politik der Differenzen: Ethnisierung, Rassismen und Antirassismus im weißen feministischen Aktivismus in Wien“ promovierte. Ihre Schwerpunkte sind feministische Theorien und Politiken, Rassismus und Rechtsextremismus und -populismus. Sie lehrt an der Universität Klagenfurt und forscht am Universitätszentrum für Frauen- und Geschlechterstudien (UZFG).

Stefanie Mayer