Lesebühne Kreatives Schreiben – Von Stille und Raum: Wenn eine studentische Lesung bewegt

Die Wirkung von Literatur – so meint man – zeigt sich im Applaus. Manchmal aber wird sie noch deutlicher, wenn ein Raum innehält. Was passiert, wenn junge Stimmen nicht überhört werden? Wenn Texte Raum bekommen? Wenn Stille nicht Leere, sondern Aufmerksamkeit bedeutet? Die studentische Lesebühne, die am 26. Januar im Musil-Haus stattfand, gab darauf eine eindrucksvolle Antwort.

Studierende der Studiengänge Kreatives Schreiben und Schreibkulturen und Germanistik haben diesen literarischen Abend nicht nur bravourös gemeistert, sondern von Grund auf selbst konzipiert: von der ersten Idee über die Organisation bis zur medialen Begleitung. Im Zentrum des Abends standen aber die eigenen Schreibprojekte, die nun erstmals vor großem Publikum präsentiert wurden.

Während der Vorträge war es so still im Raum, dass man das Knarren eines Stuhls im Hintergrund hören konnte. Das war sehr motivierend – als Lesende hatte ich das Gefühl, dass die Texte wirklich geschätzt wurden. – Anna Fischinger

Junge Literatur sichtbar machen
Die Lesung war das fulminante Finale der Lehrveranstaltung „Literatur im Museum – Sind Literaturausstellungen unmöglich?“. Unter der Leitung von Dr. Heimo Strempfl, Germanist, Chef des Robert-Musil-Literatur-Museums und geschätzter Alumnus der Universität Klagenfurt, beschäftigten sich die Studierenden mit einer scheinbar einfachen, tatsächlich aber komplexen und zugleich hochaktuellen Frage: Wie lässt sich Literatur zeigen, wenn man sie doch eigentlich liest? Und was passiert, wenn Autor:innenschaft, Text und Öffentlichkeit neu zusammengedacht werden?

Nachdem wir in der LV das Interesse bekundet hatten, unsere eigene Literatur ins Museum zu bringen, war Dr. Strempfl sofort offen für unseren Wunsch, bot seine Unterstützung an und animierte uns, diese Chance zu nutzen. – Malin Poehls

Statt Literatur auszustellen, wurde sie an diesem Abend ereignishaft: live gelesen, gehört, geteilt – vor Ort und im Nachhall auch online. Die positive Resonanz auf die studentische Lesebühne hat gezeigt, welches Potenzial in der Verbindung von universitärer Lehre, kulturellen Institutionen und Öffentlichkeit liegt und wie stark solche vernetzenden Formate wirken können.

Was man als Student:in lernt – und wofür
Die Studierenden übernahmen sämtliche Aufgaben selbst: Programmgestaltung, Ablaufplanung, Kooperation mit dem Musil-Haus, Werbemaßnahmen, Öffentlichkeitsarbeit und Social Media. So wurde sichtbar und erfahrbar, was ein zeitgemäßes Germanistikstudium heute vermitteln soll und muss: analytisches Denken, Organisationstalent, Teamarbeit und die Fähigkeit, kulturelle Projekte professionell umzusetzen – Kompetenzen, die weit über den universitären Kontext hinausreichen.

Die Organisation hat uns als Gruppe sehr verbunden. Literarische Kreativität, Mut zum Vorlesen und Wertschätzung der Texte haben diesen Abend zu etwas Besonderem gemacht – ein Event, das nach Wiederholung verlangt. – Ute Beiglböck und Anna-Lena Stolz

Ein Raum für Literatur – und für Gemeinschaft
Möglich wurde der Abend durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Musil-Haus, das den Studierenden nicht nur den Raum öffnete, sondern Literatur als lebendige Praxis in die Öffentlichkeit brachte. Für einige war es der erste öffentliche Leseauftritt – und ein prägender Moment ihres Studiums.

Zum Jahresbeginn: frische Texte von jungen Autor:innen im bis auf den letzten Platz besetzten Robert Musil Literatur Museum – was will man mehr? Ein starkes Signal für Kreatives Schreiben in Klagenfurt! – Dr. Heimo Strempfl, Leiter des Robert Musil Literatur Museums

Vielleicht haltet ihr uns gar nicht klein, weil euch egal ist, was wir zu sagen haben. Vielleicht haltet ihr uns klein, weil ihr Angst habt, was passiert, wenn wir beginnen zu reden. – Auszug aus der Lesung von Juditha Lehmkuhl

Hier geht es zum Video auf Instagram: Lesebühne Kreatives Schreiben.

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