„Das Leben besteht aus Vielseitigkeit“

Stefan Torker ist Sales-Leiter bei der fivemedia GmbH (5min.at) und hat im Februar 2024 das Masterstudium Wirtschaftsrecht abgeschlossen. Im Alumni-Interview spricht er über die Vielseitigkeit seines Studiums, seine beruflichen Erfahrungen in der Medienbranche und das Studierendenleben an der Universität Klagenfurt – zwischen City und See.

 

Können Sie sich noch an Ihre erste Woche an der Universität Klagenfurt erinnern? Was war besonders, neu, auffällig, amüsant…?

Schon in der Einführungsvorlesung „Grundlagen des öffentlichen und privaten Rechts“ wurde mir klar, dass mich die Rechtswissenschaft fasziniert und dass ich den Weg eines Juristen einschlagen möchte. Auch die Lage der Universität, so nah am Wörthersee, hat mich begeistert. In den Pausen zwischen den Lehrveranstaltungen mit meinen Kommilitonen Volleyball zu spielen und nebenbei über das gerade Erlernte zu diskutieren, war herrlich. Die Universität Klagenfurt bietet eine tolle Balance zwischen akademischer Bildung und Freizeitgestaltung.

Nach Ihrem Bachelorstudium Wirtschaft und Recht haben Sie heuer Ihr Wirtschaftsrecht-Studium bravourös absolviert, herzliche Gratulation! Warum haben Sie sich für das Masterstudium an der Universität Klagenfurt entschieden?

Zum einen engagierte ich mich damals sehr intensiv rund um die Onlineplattform 5min.at, andererseits hatte ich schon immer Interesse am Jus-Studium, war jedoch auch an den Lehrinhalten der Wirtschaftswissenschaften interessiert. Die Kombination beider Fächer war aus meiner Sicht vielversprechend für eine gute akademische Ausbildung. Auch in der Praxis merkte ich, dass Jus und Wirtschaft eng miteinander verbunden sind. Als die Universität Klagenfurt dann das neue Masterstudium Wirtschaftsrecht vorstellte, war für mich klar, dass ich diesen Weg einschlagen möchte. Die Universität Klagenfurt überzeugte mich nicht nur durch ihre Lage und Top-Rankings in internationalen Vergleichen, sondern auch durch ihr breites Studienangebot. Als gebürtiger Kärntner schätze ich die Nähe zu den Nachbarländern, die netten Menschen und die naturgeprägte Umgebung. Hier ein Studium zu absolvieren, das mir alle Wege in die verschiedenen Rechtsberufe eröffnet, war ausschlaggebend für meine Entscheidung. Meine Begeisterung für die Rechtswissenschaften ist bis heute ungebrochen. So habe ich nebenbei einen Master of Business Administration (MBA) in Wirtschaftsrecht an der Fachhochschule Burgenland studiert und hege den Gedanken, auch noch ein Doktorat an der Universität Klagenfurt zu absolvieren.

Konnten Sie durch die Aufteilung auf zwei Standorte, also Wien und Klagenfurt, besondere Erfahrungen sammeln oder Kontakte knüpfen?

Ich muss ehrlich zugeben, dass mein Studienweg nicht dem traditionellen Studienverlauf entspricht. Grundsätzlich ist es geplant, jeweils zwei Semester an der Universität Klagenfurt und an der Universität Wien zu studieren. Allerdings war ich zu dieser Zeit in einer verantwortungsvollen Position bei 5min.at tätig, die meine Präsenz erforderte. Meinen Lebensmittelpunkt für ein Jahr nach Wien zu verlagern, war nicht möglich. Dies zwang mich dazu, mir den gesamten Lehrstoff im Selbststudium zu erarbeiten. Das war hart – der Einsatz hat sich aber gelohnt. Über Umwege war es auch möglich, Kontakte mit Kolleg:innen aus Wien zu knüpfen. Daraus sind intensive Freundschaften entstanden, für die ich sehr dankbar bin.

Gab es Momente oder Personen in Ihrem Studium, die Sie besonders geprägt haben?

Während meiner Studienzeit hatte ich das Privileg, als Studienassistent und Tutor im Lehrbereich von Univ.-Prof. Dr. Olaf Riss, LL.M. an der Universität Klagenfurt tätig zu sein. Diese Erfahrung ermöglichte es mir, wertvolle Einblicke in das Wirtschaftsprivatrecht und die Lehre zu gewinnen. Es war besonders zu erleben, wie ich aktiv mitwirken konnte und dort gefördert wurde, um mich fachlich weiterzuentwickeln. Ein prägender Moment für mich war der erste Termin des Tutoriums „Unternehmens- und Gesellschaftsrecht“, das ich als Vortragender halten durfte. Der Nervenkitzel und die Aufregung, vor einem vollbesetzten Hörsaal zu stehen, sind unvergleichlich. Die folgenden Semester in der Lehre waren eine wertvolle Ergänzung zu meinem Studium.

Herr Torker, Sie scheinen ein sehr vielseitig interessierter Mensch zu sein. Wie kommt es, dass man nach einer höheren technischen Schule ein Wirtschaftsrecht-Studium absolviert und dann Karriere in der Medienbranche macht?

Eine technische Ausbildung bietet zahlreiche Möglichkeiten und legt einen soliden Grundstein für die berufliche Laufbahn. Allerdings wurde mir klar, dass mein Interesse eher im Bereich der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften liegt. Schon seit jeher haben mich diese Fachgebiete begeistert und mein Ziel war es, Jurist mit einer betriebswirtschaftlichen Ausrichtung zu werden. Der Einstieg in die Medienbranche erfolgte sehr zufällig: Ich stellte mir nach der Matura die einfache Frage, wie man sich überhaupt ein Studium finanziert? Auf der Suche nach einem Studentenjob bin ich so auf das Medienunternehmen 5min.at aufmerksam geworden. Dieses war zu diesem Zeitpunkt frisch gegründet und auf der Suche nach einer:m Online-Redakteur:in. Ich hatte damals mit Medien überhaupt nichts am Hut, trotzdem fand ich das Start-up spannend und habe mich beworben. „Reden können Sie“, sagte man zu mir im Vorstellungsgespräch. So bin ich nach der Jobzusage bald im Sales-Bereich gelandet, welchen ich sukzessive aufbauen durfte und – neben meiner redaktionellen Tätigkeit – nach wie vor leite. Aus einem 10-Stunden-Studentenjob ist so ein Vollzeit-Job neben einem Vollzeit-Studium geworden.

Das (Karriere-)Glück kommt manchmal unverhofft. Wie haben sich Ihr Job und Ihr Aufgabenbereich entwickelt?

Zu Beginn waren wir lediglich fünf Personen und standen vor den typischen Herausforderungen eines Start-ups. Heute besteht 5min.at aus einem wachsenden Team mit über 25 Mitarbeiter:innen und einer Berichterstattung, die ganz Österreich abdeckt. Im Laufe der Zeit wurde mir klar, dass sich die Medienbranche hervorragend mit den Rechtswissenschaften verknüpfen lässt. Meine Arbeit im Unternehmen brachte viele Fragestellungen aus verschiedenen Rechtsbereichen mit sich, sei es im Gesellschafts-, Zivil- oder Medienrecht. Als Leiter des Sales-Teams beschäftige ich mich täglich mit neuen spannenden Herausforderungen, Lösungs- und Werbestrategien. Zudem liegt mein Fokus im Unternehmen auch im Bereich digitaler Start-ups, die online verkaufen und monetarisieren wollen. Wir unterstützen Gründer:innen bei den ersten Schritten und fungieren, wenn gewünscht, auch aktiv als strategischer Partner. Dadurch kann ich in verschiedenen Unternehmen meine juristische und wirtschaftliche Ausbildung einbringen.

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht Vielseitigkeit für den Karriereweg?

Das Leben besteht aus Vielseitigkeit. Auch in der Ausbildung ist es meiner Meinung nach wichtig, sich vielseitig aufzustellen, da unterschiedliche Ausbildungen verschiedene berufliche Wege eröffnen können. Aus meiner Sichtweise ist dies von großer Bedeutung, um in Zukunft größtmögliche Autonomie zu erlangen. Für mich eröffnen sich zum Beispiel gute Möglichkeiten, um in Berufen an der Schnittstelle zwischen Technik, Rechtswissenschaft und Wirtschaft tätig zu sein. Gleichzeitig kann ich meine Erfahrungen aus der Medienbranche einbringen und dort erfolgreich Karriere machen. Durch meinen Masterabschluss in Wirtschaftsrecht ergeben sich weitere Optionen für die Zukunft, wie etwa eine Tätigkeit als Rechtsanwalt, Notar oder Richter. Sollte ich also einmal einen Branchenwechsel anstreben, steht eine Vielzahl an Möglichkeiten offen. Dies verdeutlicht, welches Potenzial eine breit gefächerte Ausbildung hat.

Tatsächlich bieten sich für Wirtschaftsrecht-Absolvent:innen viele interessante Einsatzmöglichkeiten. Können Sie Ihre juristischen Erfahrungen auch bei aktuellen branchenspezifischen Themen, wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz etc., einsetzen?

Die Medienlandschaft erlebt derzeit einen starken Wandel. Traditionelle Printmedien verlieren kontinuierlich an Relevanz, während Online-Medien immer mehr an Bedeutung gewinnen. Diese Veränderungen bringen völlig neue Chancen mit sich, die auch aus rechtlicher Sicht interessant sind. Die fortschreitende Digitalisierung ermöglicht es, die Leserschaft rund um die Uhr zu erreichen und eröffnet somit neue Wege für Werbung und die Verbreitung von Nachrichten. Dies bringt aber auch rechtliche Herausforderungen mit sich. Insbesondere beschäftige ich mich beispielsweise intensiv mit Themen wie Datenschutzrecht, Urheberrecht und Medienrecht. Medien haben die wichtige Funktion, objektiv zu berichten und als „Watchdog“ zu agieren, indem sie Informationen veröffentlichen und Missstände aufdecken, um einen Beitrag zur Funktionsfähigkeit einer Demokratie zu leisten. Dabei entsteht ein Spannungsfeld zwischen Persönlichkeitsrechten und dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit. Und es führt zu vielschichtigen Fragen im Medienrecht. Um diese rechtlichen Fragestellungen zu klären und so einen Beitrag zu einem hochwertigen Journalismus zu leisten, braucht es juristisches Know-how.

Was reizt Sie an der Medienbranche besonders?

Die Medienbranche bietet eine Gelegenheit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und täglich neue Erfahrungen zu sammeln. Einerseits finde ich es spannend, einen Beitrag zum Aufbau eines Unternehmens zu leisten, ein Medium in ganz Österreich zu etablieren und von der erfahrenen Geschäftsführung lernen zu können. Dabei schätze ich, dass ich meine juristische Ausbildung einsetzen kann. Andererseits ist der Medienbereich ein sehr dynamisches Umfeld, in dem Innovation und Kreativität eine große Rolle spielen und gleichzeitig die Verantwortung für rechtliche Belange eine wichtige Aufgabe darstellt.

Ein neuer Tag beginnt für Sie mit…?

In der Regel starte ich meinen Tag um 6 Uhr früh mit einer Tasse Espresso, gefolgt von einer Sporteinheit im Fitnessstudio. Der Kaffee hilft mir, energiegeladen in den Tag zu starten, während der Sport meinen Kopf frei macht und mich körperlich fit hält. Am Wochenende schaut die Welt natürlich anders aus.

In Ihrer Masterarbeit beschäftigen Sie sich mit Exit-Klauseln in Gesellschaftsverträgen, also mit dem „Ausstieg beim Einstieg“. Würden Sie Student:innen ebenso raten, Ihren Karriereweg bereits beim Studieneinstieg exakt zu planen?

Nein, das Sprichwort „Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt“ trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist wichtig, einen Plan für die Zukunft zu haben und zu wissen, wohin die eigenen Interessen und Ziele gehen. Entscheidend ist aber auch, offen für neue Herausforderungen zu sein und die Chancen zu nutzen, die das Leben bietet. Manchmal führen unerwartete Gelegenheiten zu den besten Erfahrungen und können zu einem Branchenwechsel führen, der neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnet. Flexibilität und Offenheit für Veränderungen sind Schlüsselqualitäten, die es ermöglichen, das Beste aus verschiedenen Situationen zu machen… und persönlich zu wachsen.

In Klagenfurt studiert man mit südlichem Flair an einem kleinen, aber umso feineren Campus. Was haben Sie an Ihrem Studentenleben besonders geschätzt?

Meine Studienzeit war insgesamt sehr bereichernd. Besonders geschätzt habe ich die stimmige Balance zwischen Arbeit, Universität und Freizeit. Die Lage der Universität bietet vielerlei Möglichkeiten, insbesondere für junge Menschen. An die Sommerfeste an der Universität kann ich mich zum Beispiel gut erinnern, auch an die eine oder andere Party. Darüber hinaus verfügt die Universität über herausragende Professorinnen und Professoren und über ein optimales Betreuungsverhältnis, was sie meiner Meinung nach zu einer ausgezeichneten Universität macht. Man ist hier keine Nummer, sondern wirklich eine Person.

Ihr Lieblingsplatz am Wörthersee ist…?

Die Hollywood-Schaukel an der Seepromenade in Reifnitz.

Würden Sie wieder an der Universität Klagenfurt studieren?

Ja! Das Jus-Studium in Klagenfurt ist einzigartig in Österreich und bietet eine herausragende juristische Ausbildung. Ich kann es nur empfehlen, Jus in Klagenfurt zu studieren – es wird sich definitiv lohnen!

In 10 Jahren sind Sie…?

Ich bin kein großer Fan davon, konkrete Pläne zu schmieden – wie bereits erwähnt. Daher halte ich mir alle Optionen offen. Es besteht die Möglichkeit, in der Medienbranche zu bleiben, da mich diese nach wie vor sehr reizt. Auf der anderen Seite finde ich das Berufsbild eines Rechtsanwalts äußerst interessant und könnte mir vorstellen, in diese Richtung zu gehen. Es kommt letztendlich darauf an, welche Möglichkeiten sich ergeben und welche Wege sich als die passendsten für meine Interessen und Fähigkeiten herausstellen.