Antrittsvorlesungen am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung

Am 16. Juni 2026 finden an der Universität Klagenfurt die Antrittsvorlesungen von Helena Kliche und Tamás Jules Fütty vom Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung statt. Gemeinsam geben sie Einblicke in ihre Forschungsfelder und zeigen aktuelle Entwicklungen und Perspektiven im Bereich der Schulpädagogik und Inklusionsforschung.

 

Das Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung lädt gemeinsam mit dem Rektorat und dem Dekan der Fakultät für Kultur- und Bildungswissenschaften am 16. Juni 2026 herzlich zu den öffentlichen Antrittsvorlesungen ein:

16. Juni 2026
um 17 Uhr
Z.1.09, Universität Klagenfurt


Univ.-Prof.in Dr.in Helena Kliche

Institut für Erziehungs- und Bildungsforschung

Vortragstitel:

(Re-)Produktion von Bildungsungleichheit in ,öffentlicher Verantwortung‘?!

 

Zum Inhalt des Vortrags

Bildungsungleichheit zählt zu den zentralen sozialen Herausforderungen moderner Gesellschaften. In der Auseinandersetzung mit ihrer (Re-)Produktion wird häufig ein enger Zusammenhang mit sozialer Herkunft betont, verbunden mit einem impliziten Normalitätsverständnis, das das Aufwachsen in der Herkunftsfamilie voraussetzt. Dabei geraten jene jungen Menschen aus dem Blick, die – etwa infolge von Kindeswohlgefährdung – (zeitweise) in stationären Erziehungshilfen leben. Die Antrittsvorlesung richtet den Fokus explizit auf diese Gruppe und fragt danach, welche Bedeutung das Aufwachsen in ,öffentlicher Verantwortung‘ für Schulbesuch und Bildungserfolg hat. Auf dieser Grundlage werden Implikationen für die sozialpädagogische Praxis sowie für eine sozialpädagogische Bildungsforschung abgeleitet.

Zur Person

Helena Kliche ist seit September 2025 Universitätsprofessorin für Sozialpädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung. Sie studierte die Unterrichtsfächer Pädagogik, Deutsch und Sozialwissenschaften für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen an der Universität Siegen.
Helena Kliche war an den Universitäten Siegen und Rostock als wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigt und promovierte 2020 an der Universität Siegen mit einer ethnografisch ausgerichteten Dissertation zu schulbezogenem Lernen und Üben in der Heimerziehung. Von 2021 bis 2025 war sie Juniorprofessorin für Sozialpädagogik an der Universität Trier.
In ihrer Forschung greift sie vor dem Hintergrund vielfältiger Ungleichheitskonstellationen aktuelle Debatten um Bildung und Bildungsungleichheit in Institutionen der Erziehung, Bildung und Betreuung auf. Ausgehend von genuin sozialpädagogischen Fragestellungen von Inklusion und Exklusion richten sich ihre Forschungsschwerpunkte dabei insbesondere auf das Aufwachsen in stationären Erziehungshilfen, Übergänge im Lebenslauf und in Institutionen, Armut und soziale Ausgrenzung sowie prekäre Lebenslagen.


Univ.-Prof. Dr. Tamás Jules Fütty

Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung

Vortragstitel:

Schule zwischen Diversität, Ungleichheit und Demokratie am Beispiel von Schulerfahrungen von LGBTIQ Jugendlichen

Zum Inhalt des Vortrags

Im Kontext von Diversität, Ungleichheit und Demokratie ist die Schule als zentrale Qualifikations-, Selektions-, Sozialisations- und Legitimationsinstanz ein umkämpftes Terrain. Einerseits ist die Heterogenität der Schüler:innen ein Kerncharakteristikum von Schule. Gleichzeitig wird der Umgang mit Diversität an Schulen weiterhin als Add-on betrachtet und die damit verbundenen strukturell verankerten Ungleichheitsverhältnisse im meritokratischen Bildungssystem individualisiert. In der Antrittsvorlesung werden gleichzeitige Ungleichzeitigkeiten zu Schule im Kontext von Diversität, Ungleichheit und Demokratie beleuchtet. Dafür werden exemplarisch Spannungsverhältnisse fokussiert, die die Schulerfahrungen von LGBTIQ-Schüler:innen prägen. Die Perspektive der Un-/Gleichzeitigkeit verweist auf simultane Beharrungs- und Transformationsprozesse, die – pädagogisch interpretiert – sowohl neue Befreiungspotenziale generieren als auch normierende Unterwerfungszwänge und intersektionale Ungleichheitsverhältnisse reproduzieren. Auf dieser Grundlage wird eine Fokusverlagerung vorgeschlagen: weg von der individualisierten Betrachtung von Mobbing und Viktimisierung von LGBTIQ-Schüler:innen, hin zu einer Thematisierung gleichwertiger Bildungsteilhabe als Teil einer demokratisch verfassten Gesellschaft.

Zur Person

Tamás Jules Fütty ist seit Oktober 2024 Universitätsprofessor für Schulpädagogik mit Schwerpunkt Diversität am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung. Er studierte Internationale Beziehungen an der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Potsdam.
Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Bayreuth, der Universität Kiel und promovierte 2016 an der Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2021 bis 2024 war er Juniorprofessor für Bildung und Diversität an der Europa-Universität Flensburg und leitete in der empirischen Bildungsforschung die vom BMBF geförderte Forschungsgruppe „Gender 3.0 in der Schule“. Zudem ist er seit 2023 als Honorarprofessor mit der Faculty of Education der Monash University Melbourne assoziiert.
Seine Forschung beschäftigt sich theoretisch und empirisch mit Fragen der Transformation von Bildung, Schule und Gesellschaft unter dem Vorzeichen einer zunehmenden Diversität u. a. aus Perspektiven der Geschlechterforschung, Queer Theory, Intersektionalität, Diskriminierungs-, Gewalt- und Ungleichheitsforschung und zukünftig vermehrt der Demokratiebildung.

Einladung zu den Antrittsvorlesungen von Helena Kliche und Tamas Fütty

Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung | Universität Klagenfurt