Kinderpsychologie | Foto: Photographee.eu/Fotolia.com

Programm für psychische Gesundheit von Kindern in Südosteuropa

Fast die Hälfte aller psychischen Erkrankungen hat ihre Ursprünge im frühen Alter der Betroffenen, also vor ihrem 14. Lebensjahr. Daraus entstehen im Erwachsenenalter häufig chronische Krankheiten, die wiederum negative Auswirkungen auf Sozialleben, ökonomische Produktivität und Lebensqualität der Betroffenen haben. Ein von H2020 (Europäische Union) gefördertes Projekt bemüht sich nun um die Prävention solcher Erkrankungen im Kindesalter. Der Fokus liegt auf Südosteuropa. 

„Um Kinder zu schützen, sind Interventionen, die bei den Eltern ansetzen, ein wichtiger Ansatz“, erklärt Projektleiterin Heather Foran (Institut für Psychologie). Damit würden sich häufig psychische Krankheitsbilder, insbesondere Verhaltensauffälligkeiten, bei Kindern verhindern lassen. Insgesamt erhofft man sich, indem man bei Kindern ansetzt, generell eine Verringerung der psychischen Erkrankungen in den betroffenen LMIC-Ländern (low and middle income countries) zu erreichen.

Dem Forschungsteam geht es mit dem Projekt RISE (Prevention of child mental health problems in Southeastern Europe – Adapt, Optimize, Test, and Extend Parenting for Lifelong Health) nun darum, einen systematischen empirischen Prozess auf die Beine zu stellen, der die Implementierung, Verbreitung und Nachhaltigkeit des Elternberatungsprogramms untersucht. Heather Foran erläutert: „Wir werden Inhalte und Materialien für die Bedürfnisse von LMIC-Länder anpassen und verschiedene Programmversionen in Hinblick auf Effektivität und Kosteneffizienz testen. Eine optimierte Version wird dann in einer Studie evaluiert. Dabei interessieren wir uns nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die kontextuellen Einflüsse auf die psychische Gesundheit von Kindern und für die Nachhaltigkeit von Programmen.“

Basis ist ein Interventionsprogramm, das speziell für Rahmenbedingungen mit beschränkten Ressourcen entwickelt wurde und das bereits in anderen LMIC-Ländern getestet wurde. Unter dem Titel „Parenting for Lifelong Health“ (PLH) ist es eines der ersten Angebote, das frühe Präventionsmaßnahmen speziell für solche Länder entwickelte. Das Forschungsteam wird Forschungen dazu in drei der ärmsten Länder Europas in dessen Südosten durchführen.

Das Klagenfurter Team übernimmt dabei den Schwerpunkt „Assessment und Data Analysis“. Gemeinsam mit den Partnern der Technischen Universität Braunschweig und der Universität Oxford wird das Klagenfurter Team das Projektmanagement unterstützen. Das H2020-Projekt wird in Kooperation von 9 Institutionen (aus 8 verschiedenen Ländern) durchgeführt. Die Projektergebnisse werden laufend über die nächsten vier Jahre veröffentlicht, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Verbreitung und Kommunikation der Ergebnisse an die Öffentlichkeit liegt. Es gibt drei Phasen der Studie und die ersten Ergebnisse werden voraussichtlich Ende 2018 vorliegen. Das Projekt wird von der Global Alliance for Chronic Diseases unterstützt.