Landnutzung | Foto: Nmedia/Fotolia.com

Neues europäisches Trainingsnetzwerk erforscht Fernwirkungen in der globalen Landnutzung

Die weltweiten Muster der Landnutzungsintensität hängen ganz maßgeblich von den globalen Handelsströmen ab. In vielen Produkten stecken Rohstoffe aus Land- und Forstwirtschaft. Durch die weltweiten Handelsverflechtungen entstehen „Fernwirkungen“, über die entfernte Orte verbunden sind. Angesichts des exponentiell wachsenden Handels stellen diese Fernwirkungen eine zunehmend wichtigere Herausforderung für die nachhaltige Gestaltung der Landnutzung dar. Das Marie Skłodowska-Curie-Programm der Europäischen Union wird ab 2018 ein Trainingsnetzwerk fördern, in dem 15 DoktorandInnen verschiedene Fragen im Zusammenhang mit Fernwirkungen untersuchen werden. Ein Doktorand oder eine Doktorandin wird am Institut für Soziale Ökologie zu Indikatoren arbeiten, die Effekte der Verbindungen zwischen Landnutzungssystemen erforschen.

Sogenannte Teleconnections und Telecouplings bezeichnen Verbindungen zwischen Landnutzungssystemen an verschiedenen Orten. Helmut Haberl, der für das Projekt am Institut für Soziale Ökologie verantwortlich ist, erklärt dazu: „Die Biosphäre ist inzwischen kein natürlicher Prozess mehr, sondern vielmehr ein sozial-ökologisch determinierter. So hat etwa die Menschheit die Geschwindigkeit, mit der Kohlenstoff in der Biosphäre zirkuliert, verdoppelt. Der globale Handel mit Produkten aus Land- und Forstwirtschaft – und somit auch die Fernwirkungen – wachsen schneller als die Wirtschaft insgesamt, mit entsprechenden Auswirkungen auf Biodiversität und Klima.“

Die Forschung steht dabei vor vielen Herausforderungen: Einerseits ist mittlerweile eine detaillierte Analyse wichtiger Aspekte dieser Verflechtungen möglich, andererseits besteht nach wie vor eine Reihe von Methodenproblemen bei der Abbildung von Handelsströmen und Lieferketten. Die Doktorandin bzw. der Doktorand, die bzw. der ab Juli 2018 am Institut für Soziale Ökologie im Rahmen des Marie Skłodowska-Curie-Programms forschen wird, soll an einer globalen Datenbasis zu Telecouplings durch Biomasse-Handel arbeiten, Indikatoren entwickeln, die aufzeigen, wie sich Telecouplings auf Ressourceneffizienz und Umwelt auswirken und Einblicke dazu liefern, wie verschiedene Telecoupling-Strategien zu steuern sind.

Das Projekt ist in das European Training Network mit dem Titel COUPLED integriert, das ab Jänner 2018 für eine Laufzeit von vier Jahren gefördert wird. Es umfasst ein internationales Team von 15 Doktorandinnen und Doktoranden. Im Zentrum des Gesamtprojekts steht der Forschungsansatz der Telecouplings, der geographische Forschung, Netzwerkanalysen und Systemtheorie vereint. Der Zugang will dabei helfen, die Triebkräfte und Auswirkungen von Landnutzungswandel zu erklären, indem er untersucht, welche Akteure, Triebkräfte, Wechselwirkungen und Rückkopplungen über große Distanzen hinweg wirken. Dies ermöglicht es, Auswirkungen von Agrarproduktion in weit entfernten Gegenden mit Konsum vor Ort zu verknüpfen, und somit wissenschaftliche Grundlagen zu erarbeiten, die mithelfen können, negative Auswirkungen zu vermeiden und die Effizienz von Landnutzung – etwa durch strategische Steuerung des internationalen Handels – zu erhöhen.

Die Projektleitung liegt bei der Humboldt-Universität zu Berlin, weitere Partner sind neben der Alpen-Adria-Universität die Universität Bern, die Universitat Autònoma de Barcelona, die Universität Kopenhagen, die Vrije Universiteit Amsterdam, die Leuphana Universität Lüneburg, die Université Catholique de Louvain und The Forest Trust, Unilever.  Weitere Partner sind European Landowners’ Organization, Stockholm Environment Institute, Fairphone, Fairtrade International, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Nestlé, Roundtable on Sustainable Palm Oil, The World Bank, UNEP World Conservation Monitoring Centre.