Buch mit Lichterkette | Foto: Yuliya/adobestock.com

Leseempfehlungen für die Advent- und Weihnachtszeit

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität Klagenfurt empfehlen folgende Bücher für die (Vor-)Weihnachtszeit – entweder, um sie selbst zu lesen oder um sie zu verschenken. An jedem Adventsonntag gibt es an dieser Stelle zusätzlich eine kleine Video-Lesung aus einem empfohlenen Buch. Wir wünschen: Schöne Lektüre! 


Andreas Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten. Suhrkamp, 2019.

Das Besondere ist Trumpf, das Einzigartige wird prämiert, eher reizlos ist das Allgemeine und Standardisierte. Der Durchschnittsmensch mit seinem Durchschnittsleben steht unter Konformitätsverdacht. Das neue Maß der Dinge sind die authentischen Subjekte mit originellen Interessen und kuratierter Biografie, aber auch die unverwechselbaren Güter und Events, Communities und Städte. Spätmoderne Gesellschaften feiern das Singuläre.

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Eine Empfehlung von Max-Peter Menzel (Institut für Geographie und Regionalforschung)


Robert Seethaler: Der Trafikant. Kein & Aber, 2017.

Der Roman „Der Trafikant“ handelt von einem jungen Mann, der 1937 von einem kleinen Örtchen am Attersee nach Wien geht, um dort den Beruf des Trafikanten zu erlernen. Lebendig wird das Leben und Lieben des jungen Mannes am Vorabend des zweiten Weltkrieges beschrieben. Er erlebt den politischen Wandel und den damit verbundenen Wandel der Menschen. Als Vertrauensperson erwählt er sich niemand geringeren, als des Trafikanten treuen Kunden Sigmund Freud. Und wieder ein Fall von: Das Buch ist besser, als der Film.

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Eine Empfehlung von Michaela Szölgyenyi (Institut für Statistik)


Manfred Prisching und Franz Yang-Močnik: Verrückt. Verspielt. Verschroben. Styria Verlag, 2014.

Manfred Prisching, ein Grazer Soziologe und Franz Yang-Močnik, ein bildender Künstler mit Kärntner Wurzeln, interpretieren die Phänomene und Trends der spätmodernen Gesellschaft mit Texten und Bildern.

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Eine Empfehlung von Christa Herzog (Universitätsbibliothek Klagenfurt)

Ian Stewart: Seventeen Equations that Changed the World. Profile Books, 2013.

Eine kurzweilige und beinahe „formellose“ Beschreibung fundamentaler Gesetzmäßigkeiten der Geometrie, Mathematik, Physik, Informationstheorie und Finanzwelt sowie ihrer Auswirkungen auf unser Alltagsleben.

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Eine Empfehlung von Bernhard Rinner (Institut für Vernetzte und Eingebettete Systeme)

Matthias Brandt: Raumpatrouille. Geschichten. Kiepenheuer & Witsch, 2019.

Die Geschichten in Matthias Brandts erstem Buch sind literarische Reisen in einen Kosmos, den jeder kennt, der aber hier mit einem ganz besonderen Blick untersucht wird: der Kosmos der Kindheit. In diesem Fall einer Kindheit in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts in einer kleinen Stadt am Rhein, die damals Bundeshauptstadt war.

Kurzweilige Erinnerungen des Schauspielers Matthias Brandt, die eine Zeitreise durch die frühen 70er Jahre sind und die dem Leser zugleich den Politiker und Vater Willy Brandt in privatem Licht erscheinen lassen.

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Eine Empfehlung von Dieter Bögenhold (Institut für Soziologie)

Bernd Stauss: Optimiert Weihnachten. Eine Anleitung zur Besinnlichkeits-Maximierung. Gabler Verlag, 2009.

Ein humorvolles, witziges Buch, welches mit einer Portion Ironie daherkommt. Vielleicht hilft es für die doch so schnell dahinschwindende eigene Gelassenheit in der Vorweihnachtszeit, zumindest aber auf der Suche nach einer Idee für ein Lesegeschenk. Viel Freude bei der Lektüre oder beim Schenken.

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Eine Empfehlung von Holger Roschk (Abteilung für Dienstleistungsmanagement)

Johannes Krause: Die Reise unserer Gene. Eine Geschichte über uns und unsere Vorfahren. Propyläen Verlag, 2019.

Methoden der Genanalyse erlauben heute eine Rekonstruktion der Besiedlung Eurasiens durch den aus Afrika kommenden, modernen Menschen, den späteren Einzug der Landwirtschaft in Europa, die Verbreitung bestimmter Formen von Pest schon in der Steinzeit. Das Buch bietet spannende Information aus erster Hand: Johannes Krause, derzeit Direktor des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena, war führend beteiligt an der Erforschung des bis vor wenigen Jahren unbekannten Denisova-Menschen.

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Eine Empfehlung von August Fenk

Steven Novella: Bedienungsanleitung für deinen Verstand. Kritisch denken in einer Welt voller Halbwissen. Riva, 2019.

Täglich werden wir von Informationen überflutet und wollen dabei irgendwie den Überblick behalten und verlässliche Botschaften von Unsinn trennen. Dieses Buch erklärt auf verständliche und unterhaltsame Weise, wie unser eigener Verstand uns ständig Streiche spielt, welche Konsequenzen dies haben kann, und wie wir uns davor schützen können.

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Eine Empfehlung von Heiko Breitsohl (Abteilung für Personal, Führung und Organisation)

Geoff Dyer: White Sands. Erlebnisse aus der Außenwelt. Dumont, 2017.

Ein Buch, das wunderbar anregend ist in Bezug auf ein Sich-Auseinandersetzen mit Fremd-Sein im Raum, Exotik, Reisen und Kunst.

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Eine Empfehlung von Anna Schober-de Graaf (Institut für Kulturanalyse)

Paulus Gerdes: Pfade von Leoparden, Antilopen und Jägern. Lebendige Mathematik in angolanischen Sandzeichnungen. Lulu, 2008.

Unter dem Titel „Pfade von Leoparden, Antilopen und Jägern“ würde man nicht unbedingt ein Mathematikbuch erwarten. Der in Mozambique tätige Ethnomathematiker Paulus Gerdes gibt unter diesem Titel einen Einblick in eine mit Sandzeichnungen kunstvoll bebilderte Erzählpraxis der Chokwe,  einer Bantu-Ethnie, die im Nordosten Angolas beheimatet ist. Mit dem Buch kann man (vermutlich nicht nur) mathematisch aufgeweckten Kindern ab 10 Jahren (und anderen junggebliebenen Menschen)  eine Freude machen. Gerdes lädt die Lesenden ein, in den Sandzeichnungen aus dem Mathematikunterricht Bekanntes (Symmetrie, Teilbarkeit) und weniger Bekanntes (Monolinearität, Elemente der Graphentheorie) zu entdecken. Das Buch ist neben einer günstigen Ausgabe in Schwarz-Weiß auch in einer kolorierten Fassung sowie in englischer, niederländischer und italienischer Sprache erhältlich.

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Eine Empfehlung von Andreas Vohns (Institut für Didaktik der Mathematik)

Marina Lewycka: A Short History of Tractors in Ukrainian. Penguin, 2005.

Dieser komische Roman – ein Fund aus der AAU-Buchhaltestelle – hat mir ein großes Lesevergnügen bereitet: Es geht um die Beziehung von zwei Schwestern zueinander und zu ihrem alten Vater, der sich frisch verliebt hat, und um die Familiengeschichte, die durch die Auswanderung aus der Sowjetukraine nach England geprägt ist – eine Reihe von skurrilen Szenen mit einem sehr ernsthaften Schluss über die Bedingungen in der Ukraine der 1930er Jahre.

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Eine Empfehlung von Ursula Doleschal (Institut für Slawistik und Leiterin des Schreibcenters)

Jackie Hardy: Haiku. Alte und moderne Meister. Patmos Verlag, 2004.

Haikus stehen für wundervoll präzise Kurzdichtung, die uns die Kostbarkeit des Augenblicks vor Augen führt. Die schönsten Haikus von modernen und alten Meistern aus aller Welt sind hier vereint.

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Eine Empfehlung von Alexander Onysko (Institut für Anglistik und Amerikanistik)

Sigmund Freud: Traumdeutung. Nikol Verlag, 2010.

Wer es noch nicht gelesen hat, sollte das rasch nachholen: Sigmund Freuds Traumdeutung aus dem Jahr 1900 ist eines der wichtigsten, einflussreichsten Bücher des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts, und wahrscheinlich noch lange darüber hinaus. Freud begründet darin die Psychoanalyse über die „via Regia (Königsweg) zum Unbewussten“. Die Träume sind weder Schäume noch rein absurde psychische Manifestationen physiologischer Prozesse. Beeindruckend ist Freuds Mut in der Diskussion der vorangegangenen Traumtheorien und vor allem in der Erschließung eines völlig neuen Feldes, nämlich jenes des „Unbewussten“. Das Unbewusste ist weder bewusst-intentionales Vorstellen, Wünschen und Denken, noch ist es bloß nicht-bewusstes, habituelles Verhalten, Tun, Vorstellen und Denken. Das Unbewusste ist vielmehr das, was verdrängt oder abgespalten ist, d.h. dass seine Vorstellungs-Wunsch-Affektinhalte der Zensur (durch moralische Verurteilung und Strenge) schon seit früher Kindheit zum Opfer gefallen und in diesem abgedrängten psychischen „Raum“ eingesperrt sind. Dieser Prozess ist Teil der Sozialisation jedes Menschen, gleichsam unvermeidlich, d.h. die Erziehung ist zwangsläufig neurotisierend, aber das Träumen entschädigt uns ein wenig: In der Nacht, wenn diese „Zensur“ schläft, kommen alte aber auch ganz rezente „verpönte“ – oder einfach nur unerfüllt gebliebene – Wünsche im Traum zu ihrem Recht. Sie tun das nicht unverhohlen, denn die Zensur schläft nicht sehr tief, ist gleichsam auf der Lauer, weshalb die Traumarbeit die Wunschvorstellungen entstellt. Das Buch besticht durch seine begriffliche und gedankliche Originalität und zugleich Systematizität an der Schnittstelle von Leib und Seele, von physiologischer und geisteswissenschaftlicher Forschung: Das konnte nur ein physiologisch-medizinisch geschulter Forscher (Freud war studierter Mediziner und habilitierter Neurophysiologe), der zugleich eine humanistische Ausbildung genossen hatte, also mit Sprache umzugehen wusste (Kapitel 6 zur „Traumarbeit“ ist aus sprachphilosophischer Sicht bis heute von größter Brisanz). Freuds Genialität gründet u.a. in diesem seinem interdisziplinären Interesse, das methodologisch auch Anleihen in der Archäologie macht; „metapsychologisch“, also die Grundbegriffe der Seelentheorie betreffend, übernimmt er einiges aus der von Aristoteles geprägten Philosophie und philosophischen Psychologie, der er aber zurecht ihre Fixierung auf das Bewusst-Intentionale vorwirft.

Das Buch ist zwar lange und streckenweise zu ausführlich, und manchmal wünscht man sich, dass grundlegende metapsychologische, also seelentheoretische Begriffe, die im 7. Kapitel ausgeführt werden, bereits in einer Einleitung erörtert worden wären (diese Begriffe, insbesondere was man die erste Topik nennt, sind gleichsam das theoretische Resultat dieser langjährigen Erforschung der Träume und ihres Sinns, ihrer Motive etc.). Dennoch, die Sprache ist zugänglich und das Lesen dieses Buches eröffnet einen neuen Zugang zu unseren Träumen, bereichert dadurch unser Leben, verändert es auf spannende Weise, vorausgesetzt wir interessieren uns für unser Traumleben und damit für unser Unbewusstes.

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Eine Empfehlung von Alice Pechriggl (Institut für Philosophie)

Martin Seger: Österreich. Raum und Gesellschaft. Vermessung der Landschaft. Porträts der Bundesländer. 2019.

Das neue Österreich-Buch von Em. Univ.-Prof. Martin Seger (Geograph und Biologe, Univ. Klagenfurt) im Großformat umfasst 648 Seiten, 450 Graphiken und Diagramme, 30 doppelseitige Karten zur Landesstruktur Österreichs sowie eine sehr umfangreiche Fotodokumentaiton regionaler Lebensräume.

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Eine Empfehlung von Peter Mandl (Institut für Geographie und Regionalforschung)

Die Reading List zu Weihnachten 2019 wird unterstützt von der Buchhandlung Heyn. Hier finden Sie alle erhältlichen Buchtitel auf einer Überblicksseite für Ihre Online-Bestellung. An den Adventsonntagen verlosen wir Büchergutscheine von Heyn auf der Instagram-Seite der Universität Klagenfurt.