Forschungsprojekt vergleicht die Inflation in den 1920er Jahren und 2020er Jahren

Im Anschluss an die COVID-19-Pandemie und insbesondere nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine stieg die Inflationsrate in Österreich und Deutschland in den zweistelligen Bereich. Reinhard Neck, emeritierter Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre, Analytics und Operations Research an der Universität Klagenfurt, wird nun gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Frage nach den Ursachen der Inflation und nach wirksamen Mitteln zu ihrer Bekämpfung nachgehen. Das Projekt wird vom Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank gefördert.

Vieles von dem, was wir heute in Form eines dauerhaft stark steigenden Preisniveaus erleben, kommt Wirtschaftswissenschafterinnen und -wissenschaftern, mehr als 100 Jahre zurückblickend, bekannt vor. Beide Zeiträume, die 1920er Jahre und die 2020er Jahre, weisen gewisse makroökonomische und geopolitische Ähnlichkeiten auf, wie Projektleiter Reinhard Neck ausführt: „Der globale Handel und die Kapitalströme gehen zurück, es gibt Verwerfungen aufgrund von Pandemien und wir haben es mit geopolitischen Fragmentierungen zu tun. Es gibt Störungen der Lieferketten, hohe Staatsausgaben und gleichzeitig eine hohe Staatsverschuldung.“ Das Ausmaß der Inflation sowie die Reaktionen der politisch Verantwortlichen unterscheiden sich jedoch aufgrund unterschiedlicher Wirtschaftsstrukturen und der Entwicklung der geldpolitischen Instrumente erheblich zwischen diesen beiden Zeiträumen.

Gemeinsam mit Friedrich Schneider (Universität Linz), Klaus Weyerstraß (IHS Wien), Dmitri Blüschke und Ksenija Popovic (Universität Klagenfurt) wird Reinhard Neck nun in einem dreijährigen Projekt an diesem hoch aktuellen Thema arbeiten: „Seit Mitte der 1980er-Jahre stellte die Inflation zumindest in Österreich und Deutschland kein größeres Problem dar. Nach der Pandemie und dem Krieg Russlands gegen die Ukraine haben wir es nun mit einem neuerlichen Krieg im Iran zu tun, der voraussichtlich ebenfalls zu einer höheren Inflationsrate in den europäischen Ländern und weltweit führen wird. Viele stellen sich also zu Recht die Frage: Woher rührt die Inflation und was kann man wirksam gegen sie tun?“

Der Fokus der Forschungsarbeiten wird dabei auf Österreich und Deutschland liegen. Die Erfahrungen, die man dort auf dem Weg von wirtschaftlichen Instabilitäten hin zu Inflationsphasen gemacht hat, werden denen der Tschechoslowakei und ihrer Nachfolgestaaten, der Tschechischen Republik und der Slowakei, gegenübergestellt.

Dem Forschungsteam geht es darum, inflationäre Episoden aus der Vergangenheit mit Hilfe von ökonomischen Theorien zu analysieren, um daraus für die Zukunft zu lernen. „Welche Konsequenzen ergeben sich für die Gestaltung der Budgetpolitik, insbesondere in Hinblick auf Zielkonflikte zwischen Inflationsbekämpfung und anderen gesamtwirtschaftlichen Zielen, wie Beschäftigungs-, Wachstums- und Verteilungspolitik?“ oder „Wie wirken sich die Entwicklung von Geldangebot und Geldnachfrage sowie der Leitzinsen der Zentralbanken auf die Inflationsrate aus? Kann man daraus etwas zur – idealerweise optimalen – Gestaltung der Geldpolitik lernen?“ sind neben vielen weiteren wichtige Forschungsfragen im Projekt.