Daniel Barben | Foto: aau/Waschnig (im Sonnenpark St. Veit/Glan)

74 Prozent der Deutschen sind nur dann für technische Neuerungen, wenn sie mit sozialen Werten wie Umweltschutz oder Gerechtigkeit harmonieren

Das ist nur eines der Ergebnisse, die das Projekt TechnikRadar hervorbrachte. Die Studie will ein langfristiges Monitoring darüber bieten, was die Deutschen über Technik denken. Das Projekt wird für die ersten drei Jahre von acatech (Deutsche Akademie für Technikwissenschaften) und der Körber-Stiftung gefördert. Der Projektgruppe gehört unter anderem Daniel Barben, Vorstand des Instituts für Technik- und Wissenschaftsforschung der AAU, an.

„Technischer Fortschritt ist immer wieder Gegenstand intensiver Kontroversen, zugleich aber auch als Motor von Innovation und Garant für Wohlstandssicherung anerkannt. Dies gilt für Deutschland wie auch Österreich“, so Daniel Barben. Technik habe das Potenzial zur Lösung globaler Herausforderungen beizutragen, verändere unsere Gesellschaft aber auch auf vielerlei Weise. „Dies ruft freilich auch Besorgnisse hervor, wie technische und gesellschaftliche Entwicklungen gestaltet werden sollen und können.“ Das TechnikRadar soll jährlich erheben, wie die Deutschen zum technologischen Wandel stehen. Erstellt und wissenschaftlich ausgewertet wurde die aktuelle Studie vom Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung der Universität Stuttgart.

„Die Ergebnisse zeigen einerseits Aufgeschlossenheit, andererseits aber auch eine gewisse Skepsis, kurz: ambivalente Haltungen“, fasst Daniel Barben zusammen. So halten sich beispielsweise 54 Prozent der Deutschen für sehr oder eher an Technik interessiert. 89 Prozent sind der Meinung, dass man den technischen Fortschritt nicht aufhalten kann, während 38 Prozent finden, dass man ihm Grenzen setzen sollte. 74 Prozent sind nur dann für technische Neuerungen, wenn sie im Einklang mit sozialen Werten wie Umweltschutz oder Gerechtigkeit stehen. Als sehr nützlich oder eher nützlich bewerten 83 Prozent den zunehmenden Einsatz erneuerbarer Energien zur Bekämpfung der Klimaerwärmung. Die Digitalisierung und ihre Folgen betrachten die Deutschen mit gemischten Gefühlen: Sie erwarten zum Beispiel mehrheitlich einen Komfortgewinn (54,5 %), befürchten jedoch ebenso, die Hoheit über ihre eigenen Daten zu verlieren (60,6 %). Dass die Digitalisierung Arbeitsplätze kosten werde, vermuten 47,2 Prozent der Befragten.

Fragen, die sich aus dem TechnikRadar 2018 zum Schwerpunkt Digitalisierung (mit den Themen autonomes Fahren, Smart Home, Gesundheit) ergeben haben, werden in diesem Jahr qualitativ vertiefend erforscht. 2019 wird wieder eine repräsentative Umfrage durchgeführt, voraussichtlich zum Schwerpunkt Bioökonomie.

Die Ergebnisse im Detail gibt es unter https://www.koerber-stiftung.de/technikradar bzw. unter http://www.acatech.de/de/projekte/projekte/technikradar.html.

Ein ausführliches Interview mit Daniel Barben zu Fragen der Technologieentwicklung gibt es hier.

Nachhaltigkeit studieren – Masterstudium „Science, Technology & Society Studies“

Das Masterstudium ist interdisziplinär ausgerichtet und stützt sich vor allem auf sozialwissenschaftliche Theorien und Methoden. Dem Studium liegt die Vorstellung zugrunde, dass für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen wissenschaftlich-technische Innovationen nötig sind, die zur allgemeinen und individuellen Wohlfahrt beitragen und damit nachhaltig und zukunftsfähig sind.

Studierende werden auf Tätigkeiten in unterschiedlichen institutionellen Kontexten und Organisationen vorbereitet. Sie erlangen ein fundiertes Wissen über die Hervorbringung, Regulierung und Nutzung neuer Felder und Anwendungen von Forschung und Innovation sowie Fertigkeiten, diesbezügliche Kontroversen in der Öffentlichkeit zu verstehen und für Entscheidungsprozesse in verschiedenen Bereichen demokratischer Gegenwartsgesellschaften zu berücksichtigen.

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