Hitze, Sommer, Einsamkeit – Handlungsempfehlungen für eine zukunftsfitte Stadt
Die seit einigen Tagen anhaltende massive Hitzewelle stellt auch die Menschen in Klagenfurt vor eine Vielzahl von Herausforderungen. Drei Forschungsprojekte, die unter der Leitung von Alexandra Schwell am Institut für Kulturanalyse zum Thema Klimawandel und Klimagerechtigkeit arbeiten, haben gemeinsam eine Handreichung für den Umgang mit urbaner Hitze in Klagenfurt verfasst: „Hitze, Sommer, Einsamkeit – Handlungsempfehlungen für eine zukunftsfitte Stadt“.
„Die zunehmenden Hitzewellen sowie die verstärkt auftretende sommerliche Einsamkeit stellen Klagenfurt vor komplexe Herausforderungen, die nicht allein technische, sondern soziale und kulturelle Antworten erfordern. Hitze betrifft bestimmte Bevölkerungsgruppen unverhältnismäßig und verstärkt soziale Ungleichheit. Die Stadt als Ort des gesellschaftlichen Lebens und Austauschs steht bei Hitze vor großen Herausforderungen“, so das Projektteam.
Die Forscher:innen sind überzeugt, dass die aufgezeigten Maßnahmen, die in der Broschüre versammelt sind, einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung einer resilienten und gerechten Stadt Klagenfurt leisten können und laden zur Lektüre der Handlungsempfehlungen ein. Wer in Austausch mit dem Team treten möchte, findet die entsprechenden Informationen und Kontaktdaten auf den Projektwebsites:
- Competing Urgencies. Translating Climate Neutrality Policy in the European Union (WEAVE-FWF)
- Klagenfurt wird klimaneutral. Teilhabe und Gerechtigkeit in der Stadt der Zukunft (Sparkling Science)
- City Science Lab der Universität Klagenfurt (CSL-AAU)
Broschüre als PDF herunterladen (mit allen Links)
Hier die darin aufgezeigten Handlungsempfehlungen:
- Kühle Karte: Wege zur Abkühlung
Eine digitale Kühle Karte zeigt öffentlich zugängliche, konsumfreie Räume, in denen die Temperatur unter 25 Grad liegt. Dem Vorbild der Berliner Erfrischungskarte oder der Climate Shelters in Barcelona entsprechend, weist die interaktive Kühle Karte den Weg zu Räumen und Orten, die bei enormer Hitze Zuflucht bieten. Die Kühle Karte kann von der Stadt Klagenfurt in Zusammenarbeit mit Stakeholdern aus Wirtschaft, Universität und Zivilgesellschaft erarbeitet, finanziert und durchgeführt werden. Als Basis bietet sich der Digitale Zwilling an. Die erforderlichen Daten können kontinuierlich erweitert werden, in dem Bürger:innen dazu aufgefordert werden, per App Orte hinzuzufügen, zum Beispiel in Verbindung mit Citizen-Science-Projektförderungen. - Kühle Orte: Treffpunkte schaffen
In die Kühle Karte können kühle Orte integriert werden. Hierbei handelt es sich um öffentliche, schattige, gut belüftete und/oder klimatisierte Räume, die konkrete Hilfsangebote bereitstellen und zugleich als soziale Treffpunkte fungieren. Durch die Bereitstellung von Wasser und kühler Luft können sich Personen, zumindest für einige Stunden, vom Hitzestress erholen. Diese kühlen Orte können in Kooperation mit Sozial- und Bildungseinrichtungen, Einrichtungen der Gesundheit oder an kulturellen und öffentlichen Orten entstehen. So kann jeder Klagenfurter Bezirk kühle Treffpunkte bereit stellen, die an heißen Tagen für Abkühlung sorgen und das soziale Miteinander stärken. - Hitze-Buddies: Nachbarschaftlich füreinander da sein
Ehrenamtliche Hitze-Buddies in den Stadtteilen können Nachbar:innen gezielt unterstützen, damit sie in akuten Hitzephasen nicht allein gelassen werden. Hitze-Buddies machen im Bedarfsfall Besuche, helfen bei der Versorgung oder werfen einfach nur ein Auge auf gefährdete Personen in ihrer Umgebung. Auch hier gibt es Vorbilder: Das Österreichische Rote Kreuz schult seine Mitarbeiter:innen darin, Pensionist:innen und hitzeempfindliche Personen an heißen Tagen mit Tipps, Informationsmaterialien und praktischer Unterstützung zu begleiten. Zurückgreifen kann das Hitze-Buddies-Modell auf bestehende Strukturen, wie die städtische Pflegekoordination oder das Community Nursing. Wo bereits präventive Hausbesuche, Pflegestammtische oder Sprechstunden stattfinden, können Hitze-Buddies zusätzlich über Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln bei Hitze aufklären. - Sensibilität fördern und zielgruppengerecht informieren
Diverse unterschiedliche Bevölkerungsgruppen müssen gezielt und zielgruppengerecht angesprochen werden, um Berührungsängste oder Ablehnung gegenüber dem Thema Hitze zu reduzieren. Wer den Sommer liebt, fühlt sich durch Begriffe wie Hitzeinsel möglicherweise nicht angesprochen. Umso wichtiger ist es, einen Zugang zu wählen, der sensibilisiert und verbindet statt auszugrenzen. Informationen sollten in den in Klagenfurt gängigen Fremdsprachen auf liegen (Englisch, Slowenisch, Arabisch, Italienisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch). - Umgang mit Hitze spielerisch erlernen
Das Kids-Mobil der Wissens.wert.welt im Kärntner Landesmuseum kann das Thema Hitze kindgerecht in die Volksschulen bringen. Kinder fungieren als Multiplikator:innen, die das Thema in die Familien tragen. Ziel ist, die Handlungsfähigkeit, Achtsamkeit und Gemeinschaft im Umgang mit Hitze zu stärken und so langfristig eine resiliente, gerechte und lebenswerte Stadt für alle zu gestalten. - Partizipative Verantwortung als Zukunftsweiser
Neben institutionellen Maßnahmen bedarf es einer aktiven Mitverantwortung der Stadtgesellschaft. Jede:r Einzelne kann dazu bei tragen, das soziale Klima in Klagenfurt zu stärken: Wer regelmäßig bei älteren Nachbar:innen, Angehörigen oder alleinlebenden Personen im Umfeld nachfragt, zeigt nicht nur Mitgefühl, sondern übernimmt eine wichtige Funktion im sozialen Netz unserer Stadt. Ein kurzer Anruf, ein Gespräch im Stiegenhaus oder eine Flasche Wasser vor die Tür gestellt: Oft sind es die kleinen Gesten, die einen großen Unterschied machen. Damit sowohl bestehende als auch neue Maßnahmen gegen urbane Hitze ihre Wirkung entfalten können, sind ein Dialog auf Augenhöhe und eine sensibel abgestimmte Kommunikationsstrategie unabdingbar. Angebote sollen sichtbar, verständlich und eindeutig als Teil eines umfassenden Hitzeschutzes erkennbar sein. Der gelebte Zusammenhalt macht die Stadt Klagenfurt widerstandsfähig gegen die Herausforderungen des Klimawandels. Denn urbane Hitze ist kein rein meteorologisches oder stadtplanerisches Phänomen – sie ist ein sozialer Prüfstein. Wie wir als Stadtgesellschaft mit dieser Herausforderung umgehen, ist ein entscheidender Faktor für die Resilienz und Zukunftsfähigkeit unseres Zusammenlebens.










Stefan/Adobestock

