Martin Wieser | Foto: aau/KK

Was Kinder und Jugendliche motiviert, ein Musikinstrument spielen zu lernen

Ein Musikinstrument ist schnell gekauft und die Anmeldung in der Musikschule ist unkompliziert. Doch nach den ersten Stunden stellen viele Kinder und Jugendliche fest: Ein Musikinstrument spielen zu lernen, bedeutet auch Arbeit. Um Hürden überwinden zu können, braucht es entsprechende Motivation. Martin Wieser hat dazu geforscht, was Kinder und Jugendliche antreibt, am Instrumentalunterricht dranzubleiben. Seine Ergebnisse liegen nun in Buchform vor.

Martin Wieser begann „seine“ Musikinstrumente Trompete und Klavier spielen zu lernen, weil schon seit Vater musikalisch engagiert war. Später träumte er davon, selbst Berufsmusiker zu werden, entsprechend intensiv fielen auch die Übungsstunden und Lehreinheiten aus. Heute spielt er noch immer gerne, betreibt die Musik aber als Hobby und genießt vor allem die Freude am gemeinsamen Musizieren mit anderen. Uns erzählt er im Interview, dass er damit alle Facetten von Motivation durchlebt hat, die die Theorie für seine 2018 publizierte Dissertation beinhaltet. In seiner Doktorarbeit hat sich Martin Wieser mit der Frage beschäftigt, warum Kinder und Jugendliche motiviert sind, ein Musikinstrument zu lernen und welche Faktoren dazu führen, dass die Motivation aufrechterhalten bleibt oder im schlimmsten Fall verloren geht.

Seiner wissenschaftlichen Arbeit liegt die Selbstbestimmungstheorie von Richard M. Ryan und Edward L. Deci zugrunde. Die Theorie besagt, dass die Motivation für eine Tätigkeit oder ein Verhalten immer davon abhängt, wie sehr die psychologischen Grundbedürfnisse nach Kompetenz, nach sozialer Eingebundenheit und nach Autonomie bedient werden. „Der Vorteil dieser Theorie ist, dass man nicht nur die Quantität der Motivation, sondern auch deren Qualität messen kann“, erklärt Wieser. Martin Wieser hat einen Fragebogen entwickelt, der von 856 Musikschülerinnen und Musikschülern in Kärnten ausgefüllt wurde. Dabei hat er sich besonders auf drei Bedingungsfaktoren von Motivation fokussiert, also die Erziehung der Eltern, der Instrumentalunterricht mit der entsprechenden Lehrperson sowie die Haltungen und Einstellungen der Peergroup.

Die Ergebnisse von Martin Wieser zeigen: Fast alle Musikschülerinnen und –schüler gehen freiwillig in den Unterricht.  Um Motivation langfristig aufrecht zu erhalten, sind nach der Theorie selbstbestimmte Formen der Motivation nötig, und diese werden vor allem von der Lehrperson bzw. vom Freundeskreis unterstützt. Eine eher kontrollierende Motivation entsteht dann, wenn die Eltern weniger Autonomie in ihrem Erziehungsverhalten zeigen. Doch was kann man tun, um Kinder und Jugendliche motiviert zu halten, auch wenn das Üben manchmal zäh wird? „Wichtig ist es, Erfolge zu feiern, nicht zu über- oder unterfordern, und gemeinsam in einer Gruppe zu musizieren, um den Spaßfaktor zu erhalten“, so Martin Wieser. Welche Unterstützung das einzelne lernende Individuum brauche, hänge auch von unterschiedlichen Typen ab, die er in seiner Clusteranalyse identifiziert hat: „Es gibt den Hobbymusiker, der hoch autonom motiviert ist und der auch eventuell gute Leistungen bringt. Zusätzlich ein wenig kontrolliert motiviert ist der Performer. Der Mischmotivierte weiß noch nicht, wohin die Reise geht und der wenig autonom Motivierte ist vielleicht nur gerne bei einem Musikverein dabei, der Leistungsgedanke spielt bei ihm aber keine entscheidende Rolle.“

Martin Wiesers Dissertation ist nun in Buchform publiziert worden. Er, der in seiner Erstausbildung Volksschullehrer war, ist derzeit als Senior Scientist an der School of Education tätig, wo er gerne weiter zu Motivation und Musik forschen möchte, vielleicht auch in Zusammenarbeit mit Spitzen- und ProfimusikerInnen. Martin Wieser „würde interessieren, was deren Interessensstruktur konkret ausmacht und welche Faktoren für langanhaltende Motivation entscheidend sind.“ Welche „erzieherischen“ Funktionen der Musikunterricht über die Kenntnisse eines Instrumentenspiels hinaus zu bieten hat, erklärt uns der Pädagoge auch: „Um ein Instrument spielen zu lernen, braucht es Selbstdisziplin, die in vielen Bereichen des Lebens – nicht zuletzt im schulischen Kontext – nötig ist. Außerdem lernt man, sich einzuschätzen und sich dementsprechend Ziele zu setzen.“

Auf ein paar Worte mit … Martin Wieser

Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftler geworden wären?
Schwierig zu sagen…auf alle Fälle ein Beruf, der, in welcher Form auch immer, mit Musik zu tun hat

Was machen Sie im Büro morgens als erstes?
Einen Kaffee holen und E-Mails lesen

Machen Sie richtig Urlaub? Ohne an die Arbeit zu denken?
Es gelingt mir immer besser.

Was bringt Sie in Rage?
Unpünktlichkeit

Und was beruhigt Sie?
Sport und Musik

Wer ist für Sie der „größte“ Wissenschaftler bzw. die größte Wissenschaftlerin der Geschichte und warum?
Für mich nicht zu beantworten. Jede Disziplin hat ihre Koryphäen.

Wovor fürchten Sie sich?
Krieg

Worauf freuen Sie sich?
Auf die Gruppenphase der Champions League 🙂

Zum Buch

Österreich ist als „Land der Musik“ bekannt und hat viele exzellente Musikerinnen und Musiker hervorgebracht, die seit ihrer Kindheit nahezu täglich an ihren Fähigkeiten am Instrument arbeiten und diese verbessern. Es wird in diesem Buch der Frage nachgegangen, warum Kinder und Jugendliche diese Motivation besitzen und welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass sich diese Motivation entwickelt, aufrechterhalten bleibt bzw. zurückgeht. Als Bedingungsfaktoren werden hierbei die Erziehung der Eltern, der Instrumentalunterricht sowie die Einstellungen und Haltungen der Peergroup herangezogen. Die theoretische Grundlage dieser quantitativen Studie, für die 856 Musikschülerinnen und Musikschüler befragt wurden, bildet die Selbstbestimmungstheorie nach E. Deci und R. Ryan. Ein aktuelles Buch für alle, die sich mit der Motivation in der Instrumentalmusik und deren Bedingungen und Wirkungen befassen möchten.

Wieser, M. (2018). Lust auf ein Musikinstrument? Was Kinder und Jugendliche motiviert, ein Musikinstrument zu lernen und zu spielen. ÖFEB Beiträge zur Bildungsforschung, Band 5. Münster: Waxmann.

Lust auf ein Musikinstrument? | Buchcover