Von der Visuellen Kultur zur Ausstellungspraxis in der Kulturhauptstadt Europas: Absolventin Jolanda Inserra im Gespräch
Jolanda Inserra absolvierte das Studium Visuelle Kultur. Heute ist sie in Chemnitz tätig und organisierte sowie koordinierte Ausstellungen in der Kulturhauptstadt Europas 2025. Im Gespräch erzählt sie von ihren Erinnerungen an die Universität Klagenfurt und davon, welche Schlüsselqualifikationen aus dem Studium sie bis heute in ihrem Berufsalltag begleiten.
Was haben Sie studiert und was waren die ausschlaggebenden Gründe für das Studium?
Nach meinem Bachelorabschluss stand ich zwischen zwei Positionen. Ich interessierte mich für den Masterstudiengang Interkulturelle Wirtschaftskommunikation an der Universität Jena, wollte auf der anderen Seite aber auch stärker in den kunstwissenschaftlichen Bereich gehen. Durch den Umzug nach Österreich wurde mir die Entscheidung dann ein bisschen abgenommen. Als ich mir die Angebote an den nahen Universitäten angesehen habe, bin ich auf den Master Visuelle Kultur an der Universität Klagenfurt gestoßen. Dass dieses Studium in dieser Form in Europa einzigartig ist, hat mich ebenso angezogen wie die Ausrichtung des Studiums selbst. Es vereinte im Grunde alle meine Interessen und bot eine gute Grundlage, um daran anzuknüpfen.
An welche Lehrveranstaltung aus dem Masterstudium denken Sie heute noch gerne zurück?
Da gibt es einige! Ein Highlight war definitiv „Den Süden visualisieren“ mit der Exkursion nach Venedig oder ein Seminar zu den niederländischen Künsten mit Exkursion nach Amsterdam, geleitet von Frau Prof. Schober de Graaf. Oder ein Seminar, wo es darum ging, ein Filmfestival, das inklusiv ist, zu konzipieren. In vielen Lehrveranstaltungen wurde das theoretisch Hergeleitete praktisch angewendet. Diese Praxisnähe wusste ich sehr zu schätzen.
Welche Themen und Aspekte waren während des Studiums am interessantesten für Sie?
Für mich stand stets die Auseinandersetzung mit bildender Kunst im Mittelpunkt. Meine große Leidenschaft besteht darin, Ausstellungen und künstlerische Positionen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und nachzuforschen, woher bestimmte Bildmittel stammen. Auch das eigenständige Konzipieren von Ausstellungen gehörte für mich zu den spannendsten Themen meines Studiums.
Ein unvergessliches Erlebnis in meiner Studienzeit war …
Auf persönlicher Ebene hat mir das Studium wertvolle Freundschaften geschenkt. Wir waren eine Gruppe von Frauen, die sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort begegnet sind. Diese Verbindung wirkte beflügelnd und reichte weit über die Universität hinaus – unter anderem haben wir gemeinsam ein Techno-Kollektiv gegründet. Ein besonders unvergessliches universitäres Erlebnis war die Venedig-Exkursion unmittelbar nach dem Lockdown. Dadurch, dass man endlich wieder Museen besuchen konnte, wurden die Themen greifbarer. Für mich fühlte es sich wie ein richtiger Startschuss ins Studium an.
Denke ich an die Uni Klagenfurt, denke ich sofort an … den Glühwein- und Spritzerstand vor dem Haupteingang. Für mich ist er ein Sinnbild für die Geselligkeit der Universität und den offenen Umgang miteinander. Ein weiterer Ort, den ich untrennbar mit der Universität verbinde – besonders in den Sommermonaten – ist der Lernplatz am Wörthersee. Dort machten es sich zahlreiche Studierende gemütlich und kamen disziplinenübergreifend miteinander ins Gespräch.
Wo sind Sie nun tätig?
Ich bin derzeit in Chemnitz tätig, der Kulturhauptstadt Europas. Dort hatte ich die Möglichkeit, am Kunst- und Skulpturenweg Purple Path mitzuwirken, der zeitgenössische Skulpturen präsentiert und sie mit den Geschichten der Stadt Chemnitz sowie den 38 Städten und Gemeinden der Region verbindet.
Wie sind Sie bei Ihrer heutigen Stelle gelandet?
Ich habe mich ganz klassisch beworben.
Von welchen Fähigkeiten und Kenntnissen aus dem Studium profitieren Sie in Ihrer Arbeit heute noch?
In erster Linie profitiere ich von dem Wissen, das ich mir im Studium angeeignet habe – insbesondere davon, wie man sich bildender Kunst analytisch nähert. Aber auch meine früheren Tätigkeiten im MMKK Klagenfurt sowie meine Stelle als Tutorin haben mich mit wichtigen Zusatzqualifikationen ausgestattet. Meine Arbeit in der Kulturhauptstadt war stark auf die Wirkung des Visuellen im öffentlichen Raum ausgerichtet, sodass ich vieles aus dem Studium unmittelbar und produktiv einbringen konnte.
Was sind Ihre Arbeitsaufgaben? Wie sieht Ihr beruflicher Alltag aus?
Zu den Arbeitsaufgaben zählten die Organisation und Koordination mit der Stadt sowie den umliegenden Gemeinden, die Kommunikation mit den Künstler:innen, die Organisation von Transporten, die Mitarbeit beim Aufbau der Kunstwerke, der enge Austausch und die Zusammenarbeit mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Pressereisen durch die Region sowie Tätigkeiten im Social-Media-Marketing. Konkret umfasste dies unter anderem das Fotografieren der Kunstwerke, das Verfassen von Objekttexten und Künstlerbiografien sowie das Stellen von Förderanträgen, um ein paar Beispiele zu nennen.
Was ist es, dass Ihnen in Ihrem Job besonders gefällt?
Definitiv das Kennenlernen vieler neuer, spannender Menschen. Es macht einfach Freude, wenn so viel Kreativität und Denkleistung an einem Ort zusammenkommt und man gemeinsam etwas Großes entstehen lässt. Besonders erfüllend war es, daran mitwirken zu können, dass die Stadt Chemnitz ins Rampenlicht rückt und für das gesehen wird, was sie ist und was sie zu bieten hat.
Haben Sie ein (Lebens-)Motto?
„Es geht immer weiter“, denn wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich die nächste.
Was würden Sie heutigen Studierenden mit auf den Weg geben?
Definitiv, dass man die Zeit an der Uni genießen soll. So viel Freiheiten und Möglichkeiten, sich den Dingen zu widmen, die einem wirklich interessieren, hat man später nie wieder – vorausgesetzt man hat das für sich passende Studium gewählt.
Was machen Sie zum beruflichen Ausgleich?
Neben meinen drei Kindern ist und war Musik immer mein Ausgleich. Zudem genieße ich als Ausgleich auch die Zeit mit meinen Freund:innen aus dem Studium. Trotz räumlicher Distanz verbindet uns noch ein enges Band und wir versuchen, uns zumindest einmal im Jahr in einer gemeinsamen Reise zu treffen und auszutauschen.
Auf ein paar Worte mit Jolanda Inserra
- Aus meiner Studienzeit besitze ich noch … mein Federmäppchen und meine ganzen tollen Bildbände und Bücher für die Masterarbeit.
- Wer hat Sie inspiriert? Meine Mitstudierenden, aber vor allem auch Frau Prof. Anna Schober de Graaf als Inspirationsquelle.
- Wenn ich noch einmal studieren würden, würde ich … zwei Masterstudiengänge parallel studieren. Einen fürs Herz und einen für die finanzielle Sicherheit.
- Mein Studium in 4 Worten: aufregend, abenteuerlich, interessant, praktisch.












