Vom Geografie-Studium zur Industrie der Zukunft
Tim Singer hat an der Universität Klagenfurt Geografie studiert und ist heute Head of Communication bei der Alpacem Gruppe. Im Alumni-Porträt spricht er über seinen Weg von der Dekarbonisierung in die Unternehmenskommunikation, die Rolle von Innovation und Forschung in der Baustoffindustrie sowie darüber, warum Nachhaltigkeit für ihn immer auch Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Region bedeutet.
Sie haben Geografie an der Universität Klagenfurt studiert – was hat Sie ursprünglich an diesem Studium gereizt?
Mich hat an der Geografie vor allem die Vielseitigkeit fasziniert. Das Studium verbindet naturwissenschaftliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen – von Humangeografie über Wirtschaftsgeografie bis hin zu Themen wie Hydrologie oder Geomorphologie. Gleichzeitig war für mich klar, dass ich in Kärnten bleiben möchte: Die Kombination aus hoher Bildungsqualität, dem Lebensraum Alpe Adria und der Möglichkeit, neben dem Studium zu arbeiten, war für mich ideal.
Wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken: Welche Inhalte oder Erfahrungen haben Sie besonders geprägt?
Besonders geprägt haben mich die Freundschaften und der Austausch mit Menschen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen – die Internationalität der Universität Klagenfurt war etwas ganz Besonderes. Gleichzeitig habe ich die Studienzeit als sehr offen und flexibel erlebt: Neben dem Studium konnte ich arbeiten und bereits früh praktische Erfahrungen sammeln. Auch die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen aus anderen Bereichen wie Kommunikation oder Leadership zu besuchen, hat meinen Blick über das eigene Fach hinaus erweitert.
Mit welchem Wort würden Sie Ihre Studienzeit in Klagenfurt beschreiben – und warum?
Schön – weil die Studienzeit für mich mit großartigen Freundschaften, spannenden Begegnungen und einem einzigartigen Umfeld verbunden war. An einem Ort zu studieren, an dem andere Urlaub machen, direkt am Wörthersee und mitten im Alpe-Adria-Raum, war einfach etwas Besonderes.
Sie sind 2024 als Junior Decarbonisation Specialist bei der Alpacem Gruppe gestartet und seit März 2026 Head of Communication. Was waren für Sie die wichtigsten Learnings bei diesem Wechsel?
Für mich war der Wechsel eine große Chance zur persönlichen Weiterentwicklung. Besonders gelernt habe ich, wie viel man mit Einsatz, Neugier und Verantwortungsbewusstsein bewegen kann. Gerade die Arbeit an internationalen Projekten in Österreich, Italien und Slowenien hat mir gezeigt, wie wichtig Zusammenarbeit und ein gutes Verständnis für unterschiedliche Perspektiven sind. Gleichzeitig habe ich gelernt, mich auch in sehr technische Themen intensiv einzuarbeiten und Zusammenhänge zu verstehen.
Was reizt Sie an Ihrer aktuellen Position besonders?
Mich reizt vor allem die Dynamik der Kommunikation. Es entstehen laufend neue Themen, man arbeitet mit unterschiedlichsten Menschen zusammen und muss komplexe Inhalte verständlich vermitteln. Gleichzeitig kann ich meine Neugier und meinen Anspruch, Dinge wirklich verstehen zu wollen, ideal einbringen. Kommunikation passt deshalb sehr gut zu meinem Charakter.
Sie haben an der „Compass to Zero CO2“-Roadmap mitgearbeitet – was sind aus Ihrer Sicht die größten Hebel zur Dekarbonisierung in der Zement- und Betonindustrie?
Die größten Hebel liegen derzeit klar in der Vermeidung von CO2. Dazu gehören der verstärkte Einsatz von Ersatzrohstoffen und alternativen Brennstoffen sowie die Optimierung der Produkte selbst. Gleichzeitig spielt Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle – etwa durch die Wiederverwertung von Beton oder die Nutzung von Nebenprodukten anderer Industrien.
Ein konkretes Beispiel ist das „On-Track“-Projekt in Wietersdorf, mit dem künftig rund 50.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden sollen. Zudem investiert Alpacem im Rahmen des ZEUS-Modernisierungsprogramms bis zu 50 Millionen Euro in eine energieeffizientere Zementmahlung und neue Produktionsprozesse, wodurch weitere rund 21.000 Tonnen CO2 jährlich reduziert werden können. Langfristig wird auch die CO2-Abscheidung eine wichtige Rolle spielen, um verbleibende Prozessemissionen weiter zu senken.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen, aber auch Chancen für die Industrie auf dem Weg zur Klimaneutralität?
Die Herausforderungen liegen vor allem darin, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen – von leistbarer Energie über langfristige Planungssicherheit bis hin zu fairen Wettbewerbsbedingungen gegenüber außereuropäischen Märkten. Gleichzeitig braucht es auch eine steigende Nachfrage nach CO2-reduzierten Produkten. Die große Chance liegt darin, dass Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit kein Widerspruch sind. Wer heute investiert und innovative Lösungen entwickelt, sichert langfristig seine Zukunftsfähigkeit. Unser Werk in Wietersdorf zeigt das bereits: Es zählt heute zu den saubersten und wettbewerbsfähigsten Zementwerken Europas.
Nachhaltigkeit ist in Ihrer bisherigen Laufbahn ein zentrales Thema – was bedeutet sie für Sie persönlich?
Für mich bedeutet Nachhaltigkeit vor allem bewusstes Handeln. Das beginnt im Alltag – etwa bei Regionalität und Saisonalität – und reicht bis zur Frage, wie wir als Gesellschaft wirtschaftliche, ökologische und soziale Verantwortung in Einklang bringen.
Wie haben frühere Herausforderungen, z.B. der HCB-Skandal, das Unternehmen geprägt – und wie zeigt sich das heute im Umgang mit Verantwortung, Transparenz und Vertrauen?
Solche Erfahrungen haben gezeigt, wie wichtig ein offener und ehrlicher Umgang mit Verantwortung ist. Transparenz ist deshalb fest in unserer Unternehmenskultur verankert: Emissionsdaten sind öffentlich einsehbar, mit den virtuellen Werken auf unserer Website kann man jederzeit Einblick in die Produktion erhalten, und unsere Standorte stehen regelmäßig für Besichtigungen offen. Gleichzeitig setzen wir stark auf den Dialog – sowohl intern, etwa durch bereichsübergreifende Workshops zu Nachhaltigkeitsthemen, als auch extern im Austausch mit der Region. Vertrauen entsteht nur durch Glaubwürdigkeit und konsequentes Handeln.
Welche Rolle spielen Kooperationen mit Universitäten für die Alpacem Gruppe – und wo sehen Sie Schnittstellen zwischen Forschung und Baustoffindustrie?
Kooperationen mit Universitäten und Forschungseinrichtungen sind für uns enorm wichtig. Innovation entsteht vor allem dort, wo Wissenschaft und Wirtschaft zusammenarbeiten. Wir kooperieren unter anderem mit der Universität Klagenfurt, der Universität Leoben, der FH Kärnten und Partnern im Alpe-Adria-Raum. Gerade in Bereichen wie Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung oder KI gibt es viele spannende Schnittstellen zur Baustoffindustrie. Gleichzeitig bringen junge Talente neue Perspektiven und theoretisches Wissen ins Unternehmen ein, das wir gemeinsam praktisch weiterentwickeln können.
Was können Studierende heute tun, wenn sie sich für eine Karriere in diesem Bereich interessieren?
Neugierig bleiben und die „Warum“-Frage stellen. Wer sich für Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit, Industrie, Kommunikation oder Innovation interessiert, sollte offen für interdisziplinäres Denken sein und praktische Erfahrungen sammeln. Wichtig ist aus meiner Sicht auch, Eigeninitiative zu zeigen und bereit zu sein, die berühmte „Extra-Meile“ zu gehen.
Wenn Sie noch einmal studieren würden – würden Sie etwas anders machen?
Nein, ich bin sehr dankbar für meinen bisherigen Weg und würde vieles wieder genauso machen. Die Studienzeit, die Erfahrungen und Begegnungen haben mich geprägt und letztlich dorthin gebracht, wo ich heute bin.
Alumni im Porträt
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