Viele Universitäten richten ihre Third Mission zunehmend auf Nachhaltigkeit aus. Doch was, wenn ein transformativer Impact weniger davon abhängt, was Universitäten tun, als vielmehr davon, wie sie es tun?
Ein Artikel von Max-Peter Menzel, zusammen mit Gesa Pflitsch (BOKU) in Research Policy veröffentlicht, argumentiert, dass die Bewältigung sogenannter „wicked problems“, also komplexer Probleme, die durch widersprüchliche Wertesysteme geprägt sind, eine grundlegende Veränderung der Wissensprozesse der Third Mission (TM) erfordert: Weg von Äquivalenz (Effizienz und Fokussierung auf reine Problemlösung) hin zu Dissonanz (dem bewussten Einbeziehen unterschiedlicher Werte). Anders gesagt: Das „Wie“ besteht darin, Dissonanz nicht als Hindernis zu betrachten, das möglichst früh beseitigt werden muss. Dissonanz ist vielmehr ein generativer Treiber von Transformation, wenn sie organisiert und produktiv genutzt wird.
Das Papier visualisiert dies als einen zyklischen Prozess: Dissonanz ermöglicht wirkungsvolle Problemlösungen, wodurch wieder neue Dissonanz als Basis für weitere kreative Ideen erzeugt wird. Der visualisierte Prozess beschreibt auch Pfade, die nicht zu einer produktiven Nutzung von Dissonanz führen.

Was bedeutet das für die Praxis?
- Die Schaffung eines „Intermediate Space“ zwischen Universität und Gesellschaft, welcher durch überlappende Bewertungsprinzipien geprägt ist und fortlaufende Neu-Interpretationen, Ko-Kreationen und weiteres Experimentieren ermöglicht.
- Investition von Zeit und Ressourcen, um „deep dialogue“ zu ermöglichen. Dies ist die Grundlage, um aus unterschiedlichen Wertsystemen die Basis für die Schaffung von Neuheit zu bilden.
- Die Einbettung einer transformativen Third Mission in unterstützende „Policy-Mixes“, da Transformation keine rein universitäre, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe ist.
Wenn Universitäten transformativ wirken wollen, wird die „Organisation von Dissonanz“ zu einer Kernaufgabe der transformativen Third Mission.
Der vollständige Artikel „Rethinking the Third Mission: Organizing Dissonance in transformative universities” ist zugänglich unter: https://doi.org/10.1016/j.respol.2025.105394
















