Kulturmanagerin Alina Zeichen mit Kärntner Kulturvogel 2026 ausgezeichnet

Der undotierte Preis wird seit 2017 vergeben und geht an Menschen, die sich unermüdlich für die Verbreitung von Kunst und Kultur engagieren. Ausgelobt wird die Ehrung von der Kulturinitiative VADA und dem Künstler Gernot Fischer-Kondratovich. 2026 ging der Preis an Alina Zeichen, Ko-Geschäftsführerin des Universitätskulturzentrums UNIKUM / Kulturni center univerze und Lehrende am Institut für Kulturanalyse. Im Interview erzählt sie davon, welchen „Vogel“ sie mit den anderen Kulturvogel-Preisträger:innen teilt.

Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung mit dem Kulturvogel?

Die Menschen, die in den letzten Jahren mit dem Kulturvogel ausgezeichnet wurden, eint eines: Sie setzen sich unermüdlich – auch mit einem gewissen „Vogel“ – für Kultur ein. Viele von ihnen tun das aus prekären Verhältnissen heraus. Uns eint außerdem ein unermüdlicher Glauben daran, dass man gemeinsame Visionen und Utopien schaffen kann, und dass man relevante Themen mit verschiedenen künstlerischen Mitteln behandeln kann. Wir sehen, dass dies einen enorm großen Wert für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie hat. Der Kulturvogel ist einer der schönsten Preise, die man in Kärnten/Koroška bekommen kann, weil er aus der Szene selbst kommt: Damit machen sich Künstler:innen gegenseitig sichtbar. Wir sind keine Einzelkämpfer:innen, sondern unterstützen einander solidarisch. Wir sind viele und machen mit unserer Arbeit das Leben von anderen reicher.

Wie kam es, dass Sie zur Kulturmanagerin wurden?

Für mich war schon früh klar, dass ich mich beruflich mit Kunst und Kultur auseinandersetzen möchte. Theater, Ausstellungen, Konzerte – all das hat mich schon immer fasziniert und angezogen. Nach meiner Schulzeit habe ich an der FH Kufstein Sport, Kultur und Veranstaltungsmanagement studiert. In dieser Zeit und darüber hinaus war ich viel im Ausland unterwegs. Schließlich kam ich nach Kärnten zurück, wo ich auch bald im Theaterbereich zu arbeiten begann. Gleichzeitig habe ich das Studium Angewandte Kulturwissenschaft hier absolviert. Daraufhin war ich einige Jahre als Regieassistentin und Produktionsleiterin tätig, unter anderem in Berlin, in München und in Wien. Seit fünf Jahren bin ich wieder ganz zurück in Kärnten.

Warum sind Sie nach Kärnten zurückgekehrt?

Ich hatte das Gefühl, hier mehr Aufgaben zu erfüllen zu haben, als anderswo.

Warum? Weil es hier so viele Aufgaben gibt?

Weil ich an dieses Land glaube. Noch vor 20 Jahren hätte ich diese Frage anders beantwortet. Aber im vergangenen Jahrzehnt hat sich dieses Land in eine Richtung entwickelt, die sehr positiv ist. Hierher kann man zurückkehren, mitgestalten und etwas voranbringen.

Wie nehmen Sie das Kulturprogramm in Kärnten heute wahr?

Es gibt ein unglaublich buntes, vielfältiges, sehr interessantes Programm. Ich sehe für mich sogar eine tägliche zu große Auswahl: Es ist gar nicht so leicht, sich zu entscheiden. Damit ich alles, was mich interessiert, auch sehen kann, muss ich gut planen und Prioritäten setzen. Was uns hier natürlich von den Metropolen unterscheidet, ist die Anbindung: Während man beispielsweise in Wien schon mal 50 Minuten mit den Öffis zu einer Ausstellung fährt, fährt man bei uns ebenso lang – aber leider mit dem Auto.

Die von Ihnen angesprochene Vielfalt ist nicht für alle gleichermaßen sichtbar. Wie halten Sie sich informiert?

Die Informationen über diese Angebote bekomme ich vor allem über die Social-Media-Kanäle und Newsletter meiner Kolleg:innen aus der Kunst- und Kulturszene. Die Sichtbarkeitsfrage ist sehr komplex. Wenn man sich die klassischen Printmedien ansieht, merkt man, dass die Kulturberichterstattung durch die jüngsten Einsparungen leider eingeschränkt wurde.

Gibt es in Kärnten genügend Publikum für diese Kulturveranstaltungen und Angebote?

Ja, der größte Teil der Veranstaltungen ist sehr gut ausgelastet. Ich finde unser Publikum wahnsinnig toll und mag auch die Menschen, denen ich auf Veranstaltungen von Kolleg:innen begegne. Gleichzeitig ist aber die Frage sehr interessant, wie man neue Leute erreichen kann. Wie kann ich Interesse wecken? Mir gibt Kunst und Kultur so viel Freude, so viel Kraft, so viel Energie. Ich finde es spannend, daran zu arbeiten, wie ich das auch anderen vermitteln und zugänglich machen kann.

 

Zur Person



Alina Zeichen ist in Kärnten/Koroška geboren und aufgewachsen. Seit 2008 ist sie im Bereich Produktion / Dramaturgie in Theater-, Tanz- und Filmproduktionen tätig und realisiert Kunstprojekte für Kulturvereine. Gemeinsam mit Nikolaus Meixner hat sie seit 2023 die Geschäftsführung des Universitätskulturzentrums UNIKUM / Kulturni center univerze inne. Am Institut für Kulturanalyse der Universität Klagenfurt bietet sie regelmäßig Lehrveranstaltungen zu „Kulturmarketing“ an.