Interkulturelle Kompetenzen bei Beschäftigten im Kulturtourismus gefragt

Nicoletta Apolito ist Kommunikationswissenschaftlerin und Doktorandin am Centro Studi Interculturali dell’Università di Verona – und damit im Zentrum einer der Region, in der knapp eine Million Menschen leben, und die gleichzeitig von jährlich rund drei Millionen Tourist:innen besucht wird. Für ihre Dissertation hat sie Beschäftigte im Kulturtourismus, beispielsweise touristische Guides in Verona, nach ihren interkulturellen Erfahrungen und Herausforderungen gefragt. Um daraus ein adäquates Angebot in der Erwachsenenbildung zu entwickeln, war Nicoletta Apolito nun in den vergangenen sieben Monaten als Gastwissenschaftlerin am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung tätig.

„Wenn Guides ihre Stadt und ihre Region Menschen aus vielen Ländern zeigen, mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen aber häufig vielen Erwartungen, offenbart sich, wie wichtig interkulturelle Kompetenz und ein professioneller Umgang mit Vielfalt sind“, erklärt Nicoletta Apolito. Sie hat in den vergangenen Jahren untersucht, wie Mitarbeitende im Kulturtourismus ihre Arbeit wahrnehmen. Zur Anwendung kamen eine umfassende Datenanalyse von allem, was online dazu verfügbar ist, sowie eine qualitative, digitale Erhebung kombiniert mit Interviews. Die Daten boten der Kommunikationswissenschaftlerin Einblicke in einen herausfordernden Alltag, wie sie erzählt: „Die Touristiker:innen müssen Vielfalt und Interkulturalität auf vielen verschiedenen Ebenen managen. Wir Italiener:innen sind es beispielsweise gewohnt, gestikulierend zu kommunizieren und dabei mitunter auch unser Gegenüber zu berühren – etwas, das in vielen Kulturen anders gehandhabt wird. In diesem Umfeld kann oft selbst ein Gesichtsausdruck Irritationen auslösen. An touristisch stark frequentierten Stellen kann es außerdem zu Herausforderungen für Menschen mit Rollstühlen oder blinden Menschen kommen; auch auf diesen Aspekt der Vielfalt müssen sie rasch und kompetent reagieren. Was wir aber auch sehen: Insbesondere Guides sind oft untereinander gut organisiert und stimmen sich ab; nur wenn auch illegale Anbieter unterwegs sind, kann es zu zusätzlichen Schwierigkeiten kommen.“ Ihnen allen sei gemeinsam, weiß Nicoletta Apolito zu berichten, dass sie freundlich, mitunter deeskalierend, und dabei stets flexibel auf neue Situationen reagieren müssen.

Beschäftigte im Kulturtourismus seien dabei häufig in vermittelnder und erklärender Rolle aktiv. „Nehmen wir das Beispiel des Balkons an der Casa di Giuletta in Verona. Obwohl die Geschichte von Romeo und Julia fiktiv ist, zieht der Ort täglich tausende Besucher:innen an.  Wenn Besucher:innen nun erwartungsvoll von weit her anreisen und dort erfahren, dass die Sehenswürdigkeit ein moderner Mythos ist, können Emotionen auch hochkochen. Manche fühlen sich gar betrogen. Mit diesen Gefühlen, die auf einem Missverständnis beruhen, müssen die Guides vor Ort professionell umgehen, obwohl sie dafür gar nicht ausgebildet sind“, nennt Nicoletta Apolito ein Beispiel. Daraus leiteten sich schließlich Aus- und Weiterbildungsbedürfnisse der Tourismusmitarbeitenden ab.

An dieser Stelle kamen für die Forschungsarbeit von Nicoletta Apolito die Kompetenzen am Fachbereich für Erwachsenenbildung an der Universität Klagenfurt ins Spiel. Daher kam sie im November 2025 für sieben Monate an das Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung nach Klagenfurt, um hier an einem Modell bzw. einem Rahmen für eine professionelle Aus- und Fortbildung für Beschäftigte im Kulturtourismus zu interkultureller Kompetenz zu arbeiten. Dabei stellen sich eine Reihe von Restriktionen: So hat die Zielgruppe in der Regel wenig Zeit, um zu fixen Zeiten Kurse zu besuchen. Nicoletta Apolito fasst zusammen: „Es stellte sich bald heraus, dass ein Buch oder Leitfaden ein gutes Mittel wären, um sie dabei zu unterstützen zu verstehen, wie sie vielfach schon jetzt erfolgreich handeln und welche weiteren Verbesserungspotenziale sie daraus abtleiten können. Die Entwicklung eines solchen Werkzeugs habe ich schon im Kopf, wobei mir die letzten Monate dabei geholfen haben, mit einem entsprechenden Modell die Basisarbeit zu leisten.“ Mitte Mai kehrt Nicoletta Apolito nun nach Verona zurück, wo sie ihre Arbeiten fortsetzt. Im Herbst 2026 möchte sie ihr Dissertationsprojekt abschließen.