Den „Third Space“ zwischen Wissenschaft und Wirtschaft/Gesellschaft professionell ausfüllen
Die Professionalisierung des Forschungsmanagements hat an österreichischen Universitäten in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. „Third Space Professionals“ sind zwischen dem akademischem und administrativem Bereich angesiedelt und tragen maßgeblich zum Erfolg von Forschungsprojekten bei. In einem Bottom-up-Prozess hat die Forschungsgruppe Control of Networked Systems (finanziert durch Drittmittel) erstmals mit Barbara Pöcher eine Third Space Professional im Team. Das Tätigkeitsfeld hat sie nun gemeinsam mit Kolleg:innen in einer innovativen Fallstudie veröffentlicht.
Was macht denn ein Third Space Professional?
Kurz zusammengefasst: Ein Third Space Professional unterstützt eine Forschungsgruppe dabei, das Wissen in die Wirtschaft/Gesellschaft übersetzbar zu machen. In meinem Fall ist die Rolle auf das Forschungsmanagement fokussiert. Ich unterstütze also bei Projektanbahnungen mit der Industrie bzw. bei der Verwertung wie beispielsweise Spin-Off-Initiativen.
Woher stammt der Begriff?
Der Begriff wurde von Celia Whitchurch, einer britischen Hochschulforscherin, vor bald 20 Jahren eingeführt. Sie hat damit maßgeblich zur Diskussion über neue berufliche Rollen in Hochschulen beigetragen, insbesondere über solche, die zwischen akademischem und administrativem Bereich angesiedelt sind.
Inwiefern ist das neu?
Universitäten waren in ihrer Organisationsstruktur immer binär. Die Hauptbereiche sind Lehre und Forschung. In den letzten Jahrzehnten wurde die Förderung der dritten Mission, der Third Mission, auch auf Seiten der Betreiber und Förderer der Hochschulen immer wichtiger. Damit gewann der dritte Raum, der organisatorisch auch an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Administration liegt, an Bedeutung. Das traditionelle Verständnis der Binarität könnte so aufgehoben werden.
Wer profitiert von der Arbeit eines Third Space Professional?
Sowohl die Forschungsgruppe als auch die relevanten Umwelten wie Industrie- oder Wirtschaftspartner:innen profitieren. Wir haben in unserem Paper am Beispiel der Forschungsgruppe Control of Networked Systems gezeigt, wie der Output mit dieser Unterstützung gesteigert werden kann. In meiner Rolle habe ich Calls von Fördergebern im Auge, und ich betreibe viel Netzwerkpflege. So kann ich auf Ansprechpersonen für gemeinsame Förderanträge zukommen und kann alle relevanten Inhalte für Anträge recht rasch zusammenstellen. Die Rolle der Wissenschaftler:innen ist dann die inhaltliche Vertiefung. Auf diesem Weg konnten wir die Zahl der Projektanträge, in denen wir die koordinierende Rolle übernehmen, stark steigern. Außerdem kann ich auch meine Expertise zu Projektbudgets einbringen.
Welche Kompetenzen brauchen Third Space Professionals?
Sie sind in erster Linie Übersetzer:innen zwischen verschiedenen Welten. Da gibt es die Bedürfnisse der Industrie- und Wirtschaftspartner auf der einen Seite und die Erkenntnisinteressen der Wissenschaft auf der anderen Seite. Fördergeber:innen verfolgen Ziele genauso wie öffentliche Institutionen wie das Wissenschaftsministerium. Viele dieser Player sprechen unterschiedliche Sprachen. Der Third Space Professional spricht im Idealfall all diese Sprachen fließend und kann dabei unterstützen, dass sich diese Stakeholder gegenseitig verstehen und gemeinsam ins Handeln kommen. Hinzu kommen Kompetenzen in den Bereichen Projekt- und Budgetmanagement sowie Wissen über Verwertungsstrategien.
Verändert sich die Rolle von Wissenschaftler:innen auch, oder kommt mit den Third Space Professionals nur etwas dazu?
Mit unserer Arbeit professionalisieren wir junge Wissenschaftler:innen, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Diese entwickeln transferable skills, also Fähigkeiten, die sie inner- und außerhalb der akademischen Welt brauchen. Mit diesem methodischen und kommunikativen Rüstzeug, können Wissenschaftler:innen akademisches Wissen wirkungsvoll über Disziplingrenzen hinweg und in die Praxis hineintragen. Das ist ein zusätzlicher Bonus, von dem Forschungsgruppen profitieren.
Zur Person
Barbara Pöcher ist als Third Space Professional in der Arbeitsgruppe Control of Networked Systems sowie als Project Manager in einem EU Grant an der Abteilung für Gesundheitspsychologie tätig. Sie promovierte 2009 in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Klagenfurt und hat rund 15 Jahre Erfahrung im Forschungsmanagement von Drittmittelprojekten. Ihr Wissen gibt sie unter anderem als Lehrende an der Fachhochschule des BFI Wien weiter.
Aktuelle Publikation
Barbara Pöcher, David F. J. Campbell, Stephan Weiss & Jan Steinbrener (2025). „Third Space“ und „Third Mission“: Eine innovative Fallstudie der Universität Klagenfurt. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, https://doi.org/10.21240/zfhe/20-2/12.










aau/Pöcher

