Bienenstöcke, Bauprojekte, IT für Unternehmen, Aquakultur, Videostreaming und Serviceplattform: Vielfältige vor.GRÜNDEN-Innovationen auf dem Weg zur Umsetzung
Seit September 2025 arbeiten 13 Teilnehmer:innen im vor.GRÜNDEN-Programm in 8 Projekten an ihren Innovationen – und kommen dabei zügig voran. Hier sprechen sie über ihre Vorhaben, Herausforderungen und Meilensteine auf dem Weg in die Selbstständigkeit.
„Ich kenne Amir Kabirmanesh als Studenten im Masterstudium International Management. Er war immer schon an einem Karriereweg als Selbstständiger interessiert. Ich kann zwar wenig zur Branche einbringen, in der er tätig ist, aber bei der Entwicklung der Plattform und der Geschäftsmodellierung kann ich behilflich sein“, berichtet Patrick Gregori, Post-Doc-Forscher am aspire! Center for Entrepreneurship, Innovation & Social Competence. Er ist einer der Hosts, die die gründenden Studierenden auf ihrem Weg zur Umsetzung ihrer Geschäftsideen begleiten. Amir Kabirmanesh kam für das Masterstudium nach Klagenfurt. Nun entwickelt er eine intelligente Plattform mit dem Titel MidBit, die Generalunternehmer mit Subunternehmen in der Baubranche zusammenbringt. „Es gibt zwar bereits Lösungen in dem Feld, wir arbeiten aber an einem vollständig automatisierten Tool“, so Amir Kabirmanesh. Dabei setzt er auf ein Hook-and-Pay-Businessmodell: Die Plattform soll für die Anbieter kostenlos sein. Damit wird sie die einzige mit diesem Modell im DACH-Raum sein.
Ebenso im B2B-Bereich ist das Projekt von Sandro Mitterbacher angesiedelt, der das Masterstudium Information and Communications Engineering studiert. Er erklärt zu seiner Business-Idee mit dem Titel ZAPTOS: „KI-Agenten zeigen mit der Zeit eine immer schlechtere Performance. Außerdem sind sie zu einem gewissen Grad undurchsichtig; das heißt, wir wissen nicht, warum sie zu bestimmten Lösungen kommen. Viele Anbieter stammen außerdem aus den USA – und damit sind Konflikte mit dem AI-Act der Europäischen Union vorprogrammiert.“ Er möchte nun gemeinsam mit seinem Co-vor.GRÜNDER Philipp Arbeitstein eine Plattform für KI-Entwickler:innen, die vorwiegend in kleinen und mittleren Betrieben arbeiten, bauen. Ein Prototyp ist bereits fast fertiggestellt, in kurzer Zeit soll er vorgestellt werden. Begleitet wird er dabei von Peter Schartner, assoziierter Professor am Institut für Artificial Intelligence und Cybersecurity: „Ich bin überzeugt davon, dass es dafür einen Markt gibt. In den kleineren Betrieben kann man sich häufig die großen Lösungen nicht leisten – und die großen Anbieter interessieren sich oft nicht für die kleinen Unternehmen. Diese Lücke kann das Produkt schließen.“
In eine ähnliche Kerbe schlägt die geplante Innovation von Josef Hammer mit dem Titel „Local Private AI“. Er führt dazu aus: „Speziell für kleinere und mittlere Betriebe, die Datensouveränität behalten wollen und müssen, ist es herausfordernd, eine lokale und sichere KI zu haben, die Workflows im Unternehmen unterstützt. Ich nehme dem Kunden die Arbeit ab, nach passenden Lösungen zu suchen und stelle jeweils fertige Pakete bereit.“
Auch Samuel Ziegler von VETOSEC schnürt Angebote für solche Unternehmen: „Wir richten die gesamte IT-Infrastruktur für regulierte KMUs ein und übernehmen die laufende Überwachung von Security, Compliance und Infrastruktur. Als One-Stop-Shop begleiten wir zukünftige Kund:innen vom ersten Setup bis zum täglichen Betrieb.“ Für die Unternehmen ergebe sich daraus ein zentraler Vorteil: „Sie müssen sich weder mit fragmentierten Tools noch mit komplexen regulatorischen Anforderungen auseinandersetzen.“
Ganz ein anderes Problem möchten Björn Kemmsies und Borna Klečina lösen. Der Brasilianer und der Kroate lernten sich in Kursen für das Bachelorstudium Robotics and Artificial Intelligence and Cybersecurity kennen. Borna Klečina ist selbst ein begeisterter Hobbyimker – so kam er auch auf die Idee, eine Technologie mit dem Namen „Robees“ zu entwickeln, die mit AI-Unterstützung ermöglicht, das Innere des Bienenstocks jederzeit zu überwachen und so potenzielle Probleme frühzeitig aufzuspüren. „Bienen leben in ihrem eigenen Zyklus. Durch die Technologie könnte man die Honig-Produktion aber wesentlich effizienter gestalten“, so Borna Klečina. Björn Kemmsies ergänzt dazu: „Die Plattform soll für alle leicht zugänglich und für viele leistbar sein. Außerdem wollen wir mit neuartigen Funktionen punkten.“
Auch im Bereich der Landwirtschaft ist das Projekt von Martin Deixelberger mit dem Titel „Growsense“ angesiedelt, das er gemeinsam mit seinem Co-Vor.GRÜNDER Stephan Enzinger-Mühlbacher aufgesetzt hat. Die beiden entwickeln einen Wasserqualitätssensor, der in Aquakulturen eingesetzt werden kann, um automatisch Daten über die Nährstoffe im Wasser in Echtzeit zu erheben. Er weiß dabei, wovon er spricht: „Ich habe am Balkon eine kleine Hydrokultur – und konnte damit schon viele Erfahrungen sammeln.“ Mit der Technologie will er eine Lücke schließen, die bisher noch offen ist – und zu einer wesentlich besseren Automatisierung von Gewächshäusern und kleinen Landwirtschaften beitragen kann.
Eine Plattform für Videostreamer:innen wird derzeit von den beiden Austrianstreamers Alexander Pichler und Daniel Assigal entwickelt: „Wir professionalisieren Gaming und Livestreaming in Österreich. Dazu bieten wir eigene Softwaretools und Eventumsetzungen an. Innerhalb Österreichs soll eine Community dafür aufgebaut werden, die die Streamer:innen dann nutzen können“, erklärt Daniel Assigal dazu. Konkret geht es darum, die Streamer:innen dabei zu unterstützen, ihre Streams professioneller zu gestalten. „Das eine ist die Gaming-Plattform wie beispielsweise Twitch. Das andere ist aber unser Service: Damit werden die Streams besser und unsere Nutzer:innen können so mehr Connections zu anderen aufbauen.“ Beide werden für ihre Vorhaben vom Institut für Vernetzte und Eingebettete Systeme gehostet.
Ein digitales Tool, das bei alltäglichen Herausforderungen der Nutzer:innen Mehrwert generieren soll, möchten Tapiwa Florence Mwenelupembe und Abdulrasheed Muhammad Tukur – beide studieren in Klagenfurt International Management – entwickeln. „Wir kommen aus Malawia bzw. Nigeria, und damit aus Kulturen, in denen es sehr ungewöhnlich ist, dass ältere, gebrechliche Personen selbst einkaufen gehen oder andere mühevolle Arbeiten verrichten müssen. Daraus ging die Idee hervor, eine Plattform zu entwickeln, die ältere Menschen oder Menschen mit Mobilitätseinschränkungen mit Studierenden, die ein Einkommen brauchen, in Verbindung bringt, die ihnen dann bei diesen Arbeiten behilflich sind“, erklärt Tapiwa Florence Mwenelupembe. Sie war es auch, die die Idee für den Namen des Tools „Habeschon“ hatte: „Ich arbeitete in einer Küche, wo ich Pommes zubereitete. Wann immer jemand einsprang und Aufgaben erledigte, rief er ‚Habeschon‘! Dieser deutschsprachige Ausdruck passt gut zu unserer Geschäftsidee.“ Ihr Co-Founder Abdulrasheed Muhammad Tukur erläutert dazu: „Mit Habeschon werden Aufgaben erledigt. Wir wollen der Mittelsmann sein, der von der Gebühr, die der Nutzer dem Studierenden bezahlt, einen kleinen Anteil bekommt.“
Peter Schlögl, Vizerektor für Transfer, Kooperationen und Weiterbildung, zeigt sich erfreut über den Erfolg des laufenden Programms und die hohe Zahl an Interessensbekundungen für den nächsten Durchlauf von vor.GRÜNDEN mit Start im Herbst 2026: „Mit vor.GRÜNDEN zeigen wir, wie Forschung, Lehre und gesellschaftliche Wirksamkeit einen gemeinsamen Entwicklungszusammenhang bilden. Das Programm verkörpert exemplarisch unseren Anspruch, wissenschaftliche Kompetenzen systematisch in gesellschaftliche und wirtschaftliche Kontexte einzubringen. Besonders freut mich, dass unsere Studierenden und Mitarbeiter:innen diese Möglichkeit nutzen, um aus ihren Studien und Forschung heraus innovative Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln. Gründungsunterstützung verstehen wir dabei aber auch als wechselseitigen Prozess: Die Impulse aus der Praxis und die Erfahrungen aus den Gründungsprojekten fließen wiederum in unsere Forschung und Lehre ein und tragen so zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der gesamten Universität bei.“
Das Programm vor.GRÜNDEN
Die Intention von „vor.GRÜNDEN“ ist es, Gründungsideen mit wirtschaftlichen Erfolgsaussichten aus dem wissenschaftlichen Umfeld heraus in Richtung Marktreife zu bringen. Im Rahmen dieses KWF-Produkts werden Personen aus Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in der Umsetzung ihrer Produkt- oder Dienstleistungsideen unterstützt. Die fachliche und gründungsthematische Begleitung ermöglicht, ein Gründungsprojekt vorzubereiten.
Es werden institutionelle Träger (z. B. Hochschulen, Forschungseinrichtungen) gefördert, die innovative und technologieorientierte Gründungsvorhaben innerhalb des Projektzeitraums in der Organisation verankern sowie fachlich unterstützen und damit das regionale Innovationsökosystem aufbauen.










KK


