Universität Klagenfurt demonstriert geschlossen gegen Kürzungen ohne Weitblick

Rund 1.200 Studierende, Wissenschaftler:innen und Mitarbeiter:innen der Universität Klagenfurt haben heute am Vorplatz der Universität ein deutliches Zeichen gegen die angekündigten Kürzungen bei der Universitätenfinanzierung gesetzt. Mit Trillerpfeifen, Transparenten und Plakaten wie „Demokratie braucht Wissenschaft“, „Spitzenforschung statt Provinzpolitik“, „Geld für die Lehre, statt leere Versprechen“, „Ihr nehmt uns die Zukunft“ oder „Bildung statt Kürzungspolitik“ demonstrierten die Teilnehmer:innen in ruhiger, aber entschlossener Atmosphäre für den Erhalt eines starken Bildungs-, Forschungs- und Wissenschaftsstandorts Österreich.

Die Protestkundgebung machte deutlich: Die Universität Klagenfurt steht geschlossen gegen einseitige Sparmaßnahmen auf Kosten der Zukunft des Landes. Universitätsleitung, Betriebsräte und die Österreichische Hochschüler:innenschaft Klagenfurt/Celovec traten dabei mit einer gemeinsamen Botschaft auf: Investitionen in Universitäten sind Investitionen in Demokratie, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Auslöser der Proteste sind die von der Bundesregierung angekündigten Budgetkürzungen für Österreichs öffentliche Universitäten in der Leistungsvereinbarungsperiode 2028 bis 2030. Laut Universitätenkonferenz (uniko) sollen den 22 öffentlichen Universitäten künftig nur noch 15,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen – obwohl allein zur Abdeckung der Inflation rund 18 Milliarden Euro notwendig wären. Die Universitäten sprechen daher von einer faktischen Kürzung um 2,5 Milliarden Euro beziehungsweise rund 14 Prozent.

Die Folgen dieser Kürzungen wären gravierend: Österreichs Universitäten warnen vor massivem Personalabbau, schlechteren Betreuungsverhältnissen, längeren Studienzeiten, sinkender Forschungsleistung und nachhaltigen Schäden für den Innovations- und Wirtschaftsstandort Österreich. Laut uniko könnten österreichweit bis zu 10.000 Stellen betroffen sein.

Mit Nachdruck appellierten die Redner:innen an die Bundesregierung, Entscheidungen mit Weitblick zu treffen und die langfristigen Folgen der geplanten Einschnitte ernst zu nehmen. Wer heute an Universitäten spare, gefährde die Ausbildung zukünftiger Generationen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs und die Fähigkeit des Landes, Antworten auf zentrale Herausforderungen wie Digitalisierung, Klimawandel oder gesellschaftlichen Wandel zu entwickeln.

Die heutige Kundgebung in Klagenfurt reiht sich in eine österreichweite Protestbewegung ein. Bereits am 27. Mai mobilisierten die Universitätenkonferenz (uniko) und die Österreichische Hochschüler:innenschaft (ÖH) zu einer Großdemonstration in Wien, an der laut Veranstalter:innen rund 28.000 Menschen teilnahmen.

Die Universität Klagenfurt sendet damit ein klares Signal an die Politik: Österreich braucht starke Universitäten – nicht Kürzungen ohne Perspektive.

Statements aus der Kundgebung:

Ada Pellert
Rektorin

„Die Universität Klagenfurt ist weit mehr als eine Bildungsinstitution – sie ist einer der zentralen Zukunfts- und Innovationstreiber Kärntens. Massive Budgetkürzungen würden daher nicht nur unsere Universität treffen, sondern den gesamten Standort nachhaltig schwächen. Gefährdet wären hunderte Arbeitsplätze, internationale Forschungsprojekte, die Qualität der Lehre sowie die Innovationskraft einer ganzen Region. Gerade Kärnten braucht eine starke Universität, um junge Talente im Land zu halten, qualifizierte Fachkräfte auszubilden und neue wirtschaftliche Perspektiven zu schaffen. Wer heute bei Wissenschaft, Forschung und Bildung spart, riskiert morgen den Verlust von Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und gesellschaftlicher Stabilität. Universitäten sind keine Kostenfaktoren – sie sind Investitionen in die Zukunft unseres Landes.
Ich appelliere daher eindringlich an das Bundesministerium, diese angekündigten Kürzungen zu überdenken und im Herbst eine Entscheidung im Sinne der Zukunftsfähigkeit unseres Landes zu treffen!  Österreich kann es sich nicht leisten, bei Bildung, Forschung und Innovation weiter zurückzufallen.“

Doris Hattenberger
Vizerektorin für Lehre & Diversität

Diese Bundesregierung hat vor etwas mehr als einem Jahr in Ihrem Regierungsprogramm versprochen: „Jetzt das Richtige zu tun. Für Österreich“, und für „Beste Bildung und gerechte Chancen“ zu stehen. Das sind offensichtlich leere Worte – die zuletzt angekündigten drastischen Budgetkürzungen im Universitätsbereich zeigen das. Dieses Sparpaket wird Einschränkungen im Lehrebereich und Studienverzögerungen zur Folge haben. Es wird die vielbeklagte Bildungs- und Chancenungleichheit verstärken. Gerade die Universität Klagenfurt steht für Chancengleichheit – sie hat schon in der Vergangenheit Menschen den Zugang zu höherer Bildung verschafft, die diese Chance andernfalls nicht gehabt hätten. Sie hat den mit Abstand höchsten Anteil an First Academics Studierenden und Studierenden mit Care-Verpflichtungen. Nehmen Sie diesen Menschen nicht die „Chance Bildung“. Ich appelliere an diese Bundesregierung – Tun Sie jetzt das Richtige und sparen Sie nicht bei der Bildung!

Pucher Victoria
Vorsitzende der ÖH Klagenfurt/Celovec

„Dass dieses Thema bundesweit Schlagzeilen gemacht hat, kommt nicht von ungefähr. Wer ausgerechnet bei Wissenschaft und Forschung sparen will, hat eine zentrale Erkenntnis verpasst: Investitionen in Bildung sind Investitionen in unsere Zukunft. Budgetkürzungen an Universitäten treffen uns alle, besonders aber die junge Generation, die diese Gesellschaft künftig tragen wird. Als Studentin und angehende Lehrkraft kann ich nicht nachvollziehen, wie man in Zeiten von KI-Transformation, gesellschaftlichen Krisen und wachsender Unsicherheit gerade dort kürzen möchte, wo Innovation, kritisches Denken und Fortschritt entstehen und gefördert werden. Wissenschaft und Forschung sind kein Luxus, sondern die Grundlage für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Genau deshalb ist dieser Weg der falsche.“

Guido Offermanns und Peter König
Betriebsräte für das wissenschaftliche und allgemeine Universitätspersonal

„Die Betriebsräte für das allgemeine und wissenschaftliche Personal werden sich dafür einsetzen, dass es zu keinen Kündigungen, Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen sowie gravierenden Einschnitten in der Organisation kommen wird. Die aktuellen Entwicklungen führen dazu, dass kleine Unis wie Klagenfurt besonders stark unter Druck kommen werden. Zu möglichen Konsequenzen der Kürzungen werden die Betriebsräte auf gemeinsamen Betriebsversammlungen über den aktuellen Stand der Dinge informieren. Zudem appellieren wir an das Rektorat und den Universitätsrat ihre Verantwortung für das Personal der Universität entsprechend wahrzunehmen“.