LehrerInnen | Foto: contrastwerkstatt/Fotolia.com

(Wie) Kann man Schulen erfolgreich führen?

In 25 Ländern auf fünf Kontinenten untersuchen BildungsforscherInnen, was „erfolgreiche“ Schulleiterinnen und Schulleiter auszeichnet. Nun läuft das Projekt auch in Österreich an.

„SchulleiterInnen stehen in einem komplexen Bildungssystem vor schwierigen Aufgaben. Manche lösen diese – ganz offensichtlich – effizienter als andere“, so Stefan Brauckmann (Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung), der nun dazu eingeladen wurde, das Projekt „ International Successful School Principal´s Project (ISSPP)“ auch in Österreich zu starten. Er wird in den nächsten Wochen besonders „erfolgreiche“ Schulen bzw. deren DirektorInnen ansprechen, um in der Folge mithilfe von Leitfadeninterviews den Hintergründen ihres Erfolgs auf die Spur zu kommen. Erfolgreiche Schulen sind dabei jene, die Schülerleistungen aufweisen, die in Tests über den Erwartungen lagen sowie deren SchulleiterInnen einen mustergültigen Ruf in ihrer Gemeinde und/oder im Schulsystem genießen.

Im Projekt will Brauckmann Daten aus verschiedenen Perspektiven erheben: SchulleiterInnen, Eltern, SchülerInnen, Assistenzpersonal und LehrerInnen werden dazu interviewt. Die Forscherinnen und Forscher vergleichen in der Folge effektive Schulleitungen in verschiedenen Kontexten – von kleinen Primarschulen bis hin zu großen städtischen Sekundarstufen. „Wir wollen langfristig Qualitäten, Werte und Fähigkeiten identifizieren, die effektive Schulleiterinnen und Schulleiter ganz generell auszeichnen“, erklärt Brauckmann.

In vorangegangenen Untersuchungen bzw. in der Literatur hat Brauckmann bereits vorläufige Anzeichen erfolgreichen Schulleitungshandelns geortet: „Erfolgreiche Schulleiterinnen und Schulleiter scheinen jene zu sein, deren pädagogische Agenda weit über die Ansprüche von externen leistungsbezogenen Systemen und strikter Rechenschaftspflicht hinausgeht. Vielmehr regen sie die Entwicklung von Lerngemeinschaften an und fördern auf diese Weise eine stark ausgeprägte, auf wechselseitiger Unterstützung beruhende kollektive Dienstleistungsethik. Für den Aufbau und die Aufrechterhaltung von Schulen als Lerngemeinschaften sind dabei folgende Elemente zentral, und zwar eine geteilte moralische Zielsetzung, kollegiale Normen und Werte, Fokussierung auf das Lernen der SchülerInnen, reflexiver Dialog, das Teilen von Praktiken, Kooperation und Eingebundenheit.“ All dies können kaum Einzelpersonen alleine leisten, wie Brauckmann feststellt: „Erfolgreiche Schulleiterinnen und Schulleiter erkennen, dass erfolgreiche Schulen mehrere Führungspersonen brauchen.“

Das „International Successful School Principal’s Project (ISSPP)“ wurde 2001 an der University of Nottingham ins Leben gerufen. Ziel ist es, allgemeine und kulturspezifische Faktoren für die erfolgreiche Schulführung sowie den Einfluss von Schulleitungen auf die Schulqualität zu identifizieren. Am Projekt sind unter anderem Australien, Kanada, England, Südafrika, USA, China, Israel, Dänemark, Zypern, Spanien, Schweden, Norwegen und die Schweiz beteiligt. Stefan Brauckmann hat in einem ersten Schritt gemeinsam mit den Kolleginnen Christine Bieri Buschor und Barbara Kohlstock der PH Zürich die Untersuchungsinstrumente übersetzt und wird ab Juli österreichische Schulen untersuchen.