Studienbibliotheksstempel in der Nazizeit |Foto: AAU/Maier

Restitution von NS-Raubgut aus der Universitätsbibliothek Klagenfurt an die Eigentümer

Am 20. Jänner 2016 werden die als NS-Raubgut ausgeforschten Bände aus der Universitätsbibliothek Klagenfurt an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben. Ein Vortragsabend und eine Sonderausstellung begleiten den öffentlichen Akt der Restitution durch den Rektor der Alpen-Adria-Universität.

Achtzehn Bände, die in der Zeit des Nationalsozialismus kirchlichen Institutionen in Kärnten geraubt worden waren, konnten im Rahmen eines Forschungsprojekts noch in den Beständen der Universitätsbibliothek Klagenfurt (UB) ausfindig gemacht werden. Diese Bücher, darunter eine wertvolle Ausgabe einer „Technica Curiosa“ von Kaspar Schott von 1664 aus dem Benediktinerstift St. Paul, werden nun den rechtmäßigen Eigentümern bzw. deren Rechtsnachfolgern zurückgegeben.

Der Kernbestand der UB Klagenfurt setzt sich aus Bänden der „Klagenfurter Studienbibliothek“ zusammen, die über Jahrhunderte gesammelt wurden. Die Nazis hatten dieser Bibliothek in den Kriegsjahren einen Teil der von privaten und kirchlichen Institutionen in Kärnten geraubten Bände einverleibt. In einem Forschungsprojekt untersuchte die Historikerin und Bibliothekarin Alrun Benedikter insgesamt 6.390 Bände aus dem Eingangszeitraum 1938 bis 1953 Stück um Stück, gestützt von archivalischen Hinweisen, auf etwaige NS-Raubgutinfiltrate. Achtzehn eindeutige Zuordnungen zu Vorbesitzern anhand von Einträgen und Stempeln konnten ausgemacht werden. Die Bände erhielten im Online-Katalog den entsprechenden Hinweis „Provenienz NS-Raubgut“.

Ziel der aufwendigen Studie ist jedoch die Restitution in natura. Allen rechtmäßigen Eigentümern bzw. deren Rechtsnachfolgern wurde nun die Rückgabe an ihre Institution angeboten. Es handelt sich um die Klostergemeinschaften der Benediktiner in St. Paul, der Jesuiten in St. Andrä, der Ursulinen in Klagenfurt und der Barmherzigen Brüder in St. Veit sowie die Pfarre St. Margarethen ob Töllerberg. Wenn dies von den betreffenden Institutionen nicht erwünscht oder nicht durchführbar war, verbleiben die Bände mit der entsprechenden Kennzeichnung im Sinne einer öffentlichen Gedächtniskultur im Bestand der Universitätsbibliothek. Mit der Restitution an die wahren Eigentümer im Rahmen eines Vortragsabends und einer Sonderausstellung setzt die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt zumindest ein kleines Zeichen im Versuch einer Wiedergutmachung der NS-Verbrechen.

In Österreich sind seit dem Kunstrestitutionsgesetz 1998 Kunst- und Kultureinrichtungen zur Provenienzforschung verpflichtet. Wissenschaftliche Bibliotheken sind davon ausgenommen; die meisten betreiben aber freiwillig – und nach vorhandenen Ressourcen – die Sichtung und Rückgabe von NS-Raubgut, so wie dies auch die UB Klagenfurt seit 2008 betrieben hat.

 

EINLADUNG

NS-Raubgut in der Universitätsbibliothek Klagenfurt: Provenienzforschung und Restitution

Mittwoch, 20. Jänner 2016, 17:00 Uhr s.t.

Universitätsbibliothek, Monografien-Lesesaal (Ebene 3)

Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Universitätsstraße 65-67, 9020 Klagenfurt / Celovec

 

PROGRAMM

Oliver Vitouch, Rektor: Begrüßung

Lydia Zellacher, Bibliotheksdirektorin: Einbegleitung

Markus Stumpf, Bibliothekar, Universität Wien: Vortrag NS-Provenienzforschung an österreichischen Bibliotheken

Alrun Benedikter, Bibliothekarin, Universität Klagenfurt: Vortrag NS-Provenienzforschung an der Klagenfurter Universitätsbibliothek

Offizielle Übergabe der Restitutionsexemplare durch Rektor Oliver Vitouch

Im Anschluss fachlich begleitete Präsentation der Raubgut-Bände und eine kleine Labung.

Information und Anmeldung

www.aau.at/ub

Mag. Christa Herzog

UB Klagenfurt, Sondersammlungen

Christa.Herzog [at] aau.at

+43 463 2700 9562