Mehr Frauen und Mädchen in die Wissenschaft!

Rund 53 Prozent der Studierenden an öffentlichen Universitäten in Österreich sind Frauen, an der Universität Klagenfurt liegt der Anteil sogar bei 62 Prozent. Beim wissenschaftlichen Personal an Universitäten liegt der Frauenanteil laut Statistik Austria österreichweit nur mehr bei 41 Prozent, bei der Gruppe der Professorinnen und Professoren sind überhaupt nur ein Viertel Frauen. Der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Feber soll Frauen im Wissenschaftsbetrieb sichtbar machen, ihre Leistungen würdigen und Frauen ermutigen, eine Karriere in Forschung und Entwicklung anzustreben.

Wir haben Wissenschaftlerinnen der Universität Klagenfurt gefragt, warum sich so wenig Frauen für eine Karriere in der Wissenschaft entscheiden, und was es bräuchte, um dies zu ändern.

Laut dem UNESCO-Institut für Statistik liegt der weltweite Frauenanteil in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei unter 30 Prozent. Wie erklären Sie sich das?

Ich denke der geringe Frauenanteil in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit liegt an der schweren Vereinbarkeit zwischen der wissenschaftlichen Tätigkeit und der Familie. Ich beobachte allerdings, dass die Betreuungsangebote an Universitäten, aber auch bei wissenschaftlichen Tagungen immer besser und flexibler werden. Das ist ein wichtiger Beitrag, um für Frauen die Hürde einer wissenschaftlichen Karriere zu senken.

Welche Hürden haben Sie selbst bei Ihrer wissenschaftlichen Entwicklung erlebt? Welche Angebote waren hilfreich?

Mir persönlich hat mein starkes familiäres Netzwerk geholfen, diesen Weg gehen zu können.

Univ.-Prof. Mag. Dr. Margaretha Gansterer
  • Institutsvorständin des Instituts für Produktions-, Energie- und Umweltmanagement

Laut dem UNESCO-Institut für Statistik liegt der weltweite Frauenanteil in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei unter 30 Prozent. Wie erklären Sie sich das?

Eine wissenschaftlichen Karriere wird oft auch mit oftmaligem Umziehen und unsicheren Karriereverläufen assoziiert. Dies schreckt so manche junge Frauen ab.
In Entwicklungsberufen kommt wahrscheinlich eine Unterrepräsentierung von Frauen im MINT Bereich zum Tragen.

Welche Hürden haben Sie selbst bei Ihrer wissenschaftlichen Entwicklung erlebt? Welche Angebote waren hilfreich?

Ein wichtiger Faktor für mich, war jener der Dual Career: wenn man aufgrund eines Abgebotes einer Universität an einen Ort zieht, haben die Partner*innen dann auch die Möglichkeit, an diesem Ort eine angemessene Arbeit zu finden? Professionelle Dual Career Services sind hier essentiell.

Univ.-Prof. Dr. Michaela Szölgyenyi, Bakk. MSc
  • Institutsvorständin des Instituts für Statistik

Laut dem UNESCO-Institut für Statistik liegt der weltweite Frauenanteil in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei unter 30 Prozent. Wie erklären Sie sich das?

Ich habe mich als Frau in der Wissenschaft nie benachteiligt gefühlt. Wenn ich mir mein Kolleg*innenumfeld ansehe, trifft diese ernüchternde Statistik auch nicht zu. Auf weltweiter Ebene kann ich mir dies aber sehr wohl vorstellen. Ich glaube, in vielen Ländern erhalten Mädchen und Frauen nicht dieselben Chancen, den Weg in die Wissenschaft zu gehen bzw. in der Wissenschaft voranzukommen.

Welche Hürden haben Sie selbst bei Ihrer wissenschaftlichen Entwicklung erlebt? Welche Angebote waren hilfreich?

Ich selbst hatte Glück – von der Schulzeit bis heute habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Fleiß, Wissbegierde und Zielstrebigkeit bezahlt machen. Auf diesem Weg wurde ich auch durchwegs von meinem Umfeld gefördert. Vielleicht mangelt es manchen Mädchen und Frauen auch ein wenig an Selbstbewusstsein – man muss an sich selbst glauben und zu dem stehen, was man kann.

Univ.-Ass. Dr. Andrea Ettinger, Bakk.rer.soc.oec. BA MSc (WU)
  • Abteilung für Marketing und Internationales Management

Laut dem UNESCO-Institut für Statistik liegt der weltweite Frauenanteil in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei unter 30 Prozent. Wie erklären Sie sich das?

Die ersten Gedanken, die mir dazu einfallen, sind die Themen der Vereinbarkeit – die Vereinbarkeit von Beruf/Karriere und Familie oder weiter gedacht, die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Pflege – Frauen sind aufgrund der immer noch vorherrschenden Rollenerwartungen besonders gefordert und entscheiden sich, um Familie leben zu können, oft gegen einen wissenschaftlichen Berufsweg. Manchmal scheint es auch so, dass sich Frauen in Zurückhaltung üben und sich gerade in Bezug auf gesellschaftspolitische Fragen, wie z.B. Väterkarenz, wenig Raum nehmen oder gezielte Forderungen nach Kinderbetreuungseinrichtungen stellen.

Welche Hürden haben Sie selbst bei Ihrer wissenschaftlichen Entwicklung erlebt? Welche Angebote waren hilfreich?

Den Weg in die Forschung einzuschlagen, erfordert meines Erachtens eine gehörige Portion Mut und Fleiß. Darüber hinaus ein soziales Netzwerk, das unterstützt und trägt. Es braucht aber auch Mentor*innen, die helfen, Selbstzweifel zu überwinden und in belastenden Alltagssituationen zur Seite stehen. Für mich war es besonders wichtig, für meine Tochter da zu sein und auf familiäre Unterstützung vertrauen zu können. Ich denke, dass sich in den letzten Jahren viel bewegt hat, aber dennoch viel zu tun bleibt.

Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr. Brigitte Jenull
  • Abteilung für Gesundheitspsychologie

Laut dem UNESCO-Institut für Statistik liegt der weltweite Frauenanteil in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei unter 30 Prozent. Wie erklären Sie sich das?

Die Gründe dafür sind vielschichtig. So sind die Wissenschaft und das damit verbundene Berufsbild traditionell männlich, elitär und westlich geprägt. An Wissenschafter*innen werden hohe Anforderungen, die v.a. männlichen Karriereverläufen und Eigenschaften entsprechen, gestellt (z.B. Überstunden, Mobilität). Da die Haus- und Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern immer noch ungleich verteilt ist, wird es für Frauen besonders schwierig Karriere und Familie zu vereinbaren. Darüber hinaus wird oft die wissenschaftliche Leistung von Frauen weniger gewürdigt (z.B. werden sie deutlich weniger zitiert) und sie müssen oft mehr als ihre Kollegen leisten (dieser Bias verstärkt sich, zwischen Disziplinen und wenn andere Diversitätsdimensionen hinzukommen z.B. zwischen Ländern des globalen Südens und Nordens oder in Hinblick auf Bildungsunterschiede der Eltern).

Welche Hürden haben Sie selbst bei Ihrer beruflichen Entwicklung erlebt? Welche Angebote waren hilfreich?

In beruflichen Gesprächen passiert es mir (als junge Frau) immer wieder, dass mir (von Kollegen) lang und ausgiebig Sachverhalte erklärt werden, zu denen ich Fachwissen habe – Stichwort „Mansplaining“. Dies ist sehr mühsam, da meine fachlichen Argumente nicht gehört werden und stellt eine Hürde dar, da ich als Frau oft mit solchen Nebenschauplätzen, die viel Energie kosten, beschäftigt bin, als mit der eigentlichen fachlichen Arbeit und Austausch. Unterstützend war es, mich mit Kolleginnen und weiblichen Führungspersonen über gemeinsame und/oder unterschiedliche Erfahrungen und Handlungsstrategien offen auszutauschen (sei es in Form von Netzwerken, Bündnissen oder Gesprächen). Dies hat mich sehr in meinen Karriereentscheidungen bestärkt.

Ich kann daher alle, die sich für die Wissenschaft interessieren, ermutigen mit (ihren) Lehrbeauftragten, Kolleg*innen oder Vorbildern, v.a. mit Wissenschaftler*innen, die nicht den „klassischen“ Karriereverlauf hatten, das Gespräch zu suchen und einmal zu fragen: „Wie habt ihr/Sie eigentlich Wissenschaft gemacht und warum?“ Solch eine Gelegenheit bietet sich zum Beispiel am 9. März beim uniweiten Frauen*Vernetzungstreffen.

Darüber hinaus ist die Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen und ihrem Fachwissen insbesondere zu nicht frauenspezifischen Themen im öffentlichen Raum, innerhalb der eigenen Universität, aber auch in den Medien, zentra, um zu sensibilisieren und damit Hürden abzubauen.

Mag. Maria Mucke
  • Vorsitzende des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen; stellvertretende Leiterin des Zentrums für Frauen- und Geschlechterstudien

Hör-Tipp: Mathematikerin Angelika Wiegele ist heute um 14 Uhr bei Radio Kärnten am Nachmittag zu Gast und spricht über Frauen in der Wissenschaft.

Frauenanteil an der Universität Klagenfurt

An der Universität Klagenfurt sind knapp 50 Prozent des wissenschaftlichen Personals (inklusive Lehrende) Frauen.

Bei den Professuren sind 22 von 77 von Frauen besetzt.