Der Körper des Kaisers: Identität der sterblichen Überreste aus dem Sarkophag Ottos des Großen bestätigt
Seit Jänner 2025 steht das Grabmal Kaiser Ottos des Großen im Magdeburger Dom im Mittelpunkt eines umfangreichen Projekts zur Dokumentation und Konservierung dieses bedeutenden Denkmals. Nachdem der steinerne Sarkophag sowie der darin aufgefundene, ebenfalls stark konservierungsbedürftige Holzsarg im letzten Jahr geöffnet worden waren, wurde der Grabinhalt mit großem Aufwand in den letzten Monaten dokumentiert und zur Sicherung, Erhaltung und Untersuchung entnommen. Anfang 2026 bildete sich eine multidisziplinäre Forschungsgruppe, der auch Thomas Wozniak, Professor für Mittelalterliche Geschichte und Historische Grundwissenschaften am Institut für Geschichte der Universität Klagenfurt angehört. Das Team widmet sich der grundlegenden anthropologischen, medizinischen und naturwissenschaftlichen Untersuchung der sterblichen Überreste aus der Grablege. Die bisherigen Erkenntnisse wurden am 18. März im Rahmen eines Pressetermins in Magdeburg vorgestellt.
Otto I., der durch die Wiederbelebung des römischen Kaisertums den Grundstein für das spätere Heilige Römische Reich legte, ist eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Sein Grabmal im Magdeburger Dom ist daher ein Denkmal von erheblichem kulturhistorischen Wert. Im Zuge des Monitorings wurden 2024 besorgniserregende Schäden beobachtet, die dazu führten, Maßnahmen zur Konservierung in die Wege zu leiten. Die dadurch notwendig gewordene Öffnung des Grabs erlaubte eine umfassende Untersuchung der Grabstätte und der Gebeine von Otto des Großen (gestorben 973). Gleichzeitig erfolgten Analysen der sterblichen Überreste von Kaiser Heinrichs II. (gestorben 1024), die im Bamberger Dom liegen.
Die archäogenetischen Untersuchungen brachten wichtige Erkenntnisse: Sie belegen, dass es sich bei den sterblichen Überresten aus dem Grabmal im Magdeburger Dom mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um die Gebeine Kaiser Ottos I. handelt. Außerdem konnte das interdisziplinäre Forschungsteam nachweisen, dass auch die Gebeine Heinrich II., die in Bamberg liegen, echt und ihm zuzuordnen sind. Darüber hinaus konnte die Verwandtschaft zwischen Otto und Heinrich nachgewiesen werden. Dies passt schlüssig zur historischen Überlieferung, der zufolge Kaiser Heinrich II. als Enkel von Ottos Bruder Herzog Heinrich von Bayern der Großneffe des in Magdeburg bestatteten Kaisers war.
Thomas Wozniak, nunmehr Leiter der Abteilung für Mittelalterliche Geschichte und historische Hilfswissenschaften am Institut für Geschichte der Universität Klagenfurt, führt dazu aus: „Heinrich II. ging als letzter Ottone in die Geschichte ein, mit seinem Tod im Jahr 1024 endete die Herrschaft dieser Dynastie, die die Geschichte Europas nachhaltig beeinflusste. Zugleich ist Heinrich II. der Gründer und Patron des Bistums Bamberg, wo er noch heute als Heiliger verehrt wird. Dass es mit Genehmigung des Domkapitels und des Erzbischofs von Bamberg möglich war, eine DNA-Beprobung seiner Gebeine vorzunehmen, ist für die wissenschaftliche Erforschung der Ottonenzeit ein großes Glück.“
Ausführliche Informationen finden Sie hier.










Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/Andrea Hörentrup

