IfEB Spotlight April 2025: Anna Krivograd „Das Phänomen ‚RückfluterInnen'“

„Das Phänomen ‚RückfluterInnen‘ – Herausforderungen, Chancen und Gelingensbedingungen einer erfolgreichen Transition von Volkschule in die erste Sekundarstufe“

Welches Thema bearbeitest Du und was bedeutet es für Dich?
In meiner Masterarbeit habe ich mich mit den Themen schulische Transitionsprozesse und Bildungsentscheidungsprozesse auseinandergesetzt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Wirkungsweisen von Schulformwechseln außerhalb der im Bildungssystem vorgesehenen Übergangspunkte. In Österreich werden Schüler:innen, die innerhalb der Sekundarstufe I von einer allgemein höher bildenden Schulform in eine Pflichtschule wechseln als ‚Rückfluter:innen‘ bezeichnet. Dem liegt meist eine falsche Schulentscheidung zugrunde, die nachträglich durch die Maßnahme des Schulformwechsels korrigiert wurde. Dies geht jedoch mit vielfältigen personellen, sozialen und umweltlichen Veränderungen einher, die sich nicht zuletzt auch in unterschiedlicher Weise auf die Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung und infolgedessen auch auf das (schulische) Selbstkonzept oder den Attributionsmustern von Erfolg und Misserfolg auswirken können. Daher habe ich in meiner Arbeit Herausforderungen, Chancen und Gelingensbedingungen erfolgreicher Übergänge sowie diverse Einflussfaktoren auf Bildungsentscheidungsprozesse und Wirkungsweisen eines Schulformwechsels in Kärnten untersucht.

Ich empfinde dieses Thema vor dem Hintergrund der steigenden Übergangszahlen auf höherbildende Schulen in der Sekundarstufe I von besonderer Relevanz, da insbesondere das österreichische Schulsystem mit seiner vergleichsweise frühen Selektion in eine dichotome Sekundarstufe in vielen Fällen den weiteren Bildungs- und Lebensweg der Schüler:innen maßgeblich mitbestimmt. Durch die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Schulform wird gleichzeitig der Weg zu einem bestimmten Abschlusszertifikat eröffnet, was infolgedessen auch den Zugang zu postsekundären Bildungsbereichen ge- oder auch verwehrt. Grundsätzlich gibt es in Österreich jedoch keine formalen Barrieren im Bildungssystem, das bedeutet, ein höherer Bildungsabschluss steht im Prinzip allen Menschen offen. Aufgrund sozialer Herkunftsmerkmale (Sprache, Bildungshintergrund und Berufsstatus der Eltern, usw.) und den daraus resultierenden (Bildungs-)Ungleichheiten kann die dem Bildungssystem vermeintlich zugrunde liegende Chancengleichheit jedoch kritisch hinterfragt werden.

Wie ist dieses Thema mit Deinem Studium verbunden?
Die Themen soziale Ungleichheit, Bildungsungleichheit und Chancengerechtigkeit begleiten mich bereits seit längerer Zeit im Studium. Während meines Studiums der Diversitätspädagogik habe ich unterschiedliche Facetten der Diversität in Schule und Gesellschaft kennengelernt.

Besonders interessiert haben mich schlussendlich Formen der sozialen (Bildungs-)Ungleichheit im Zusammenhang mit schulischen Bildungserfolg sowie deren Bedingungen und Auswirkungen auf unterschiedliche Bereiche der persönlichen und bildungsbezogenen Entwicklung. Speziell letztere wurden im Studium nur punktuell behandelt, weswegen ich mich dazu entschieden habe, meine Kompetenzen in diesem Bereich im Rahmen der Masterarbeit zu vertiefen. Darüber hinaus plane ich auch dieses Thema weiterhin für meine Dissertation beizubehalten und mithilfe einer interdisziplinären Betrachtungs- und Herangehensweise das Forschungsfeld in Österreich zu ergänzen und erweitern.

Wie gehst Du im Forschungsprozess vor?
Im theoretischen Teil meiner Arbeit habe ich mich intensiv mit bereits vorhandener Literatur und Forschung zu schulischen Transitionsprozessen, Bildungswegentscheidungen und Schulformwechsel beschäftigt. Darüber hinaus wurden auch einige psychologische und psycho-soziale Aspekte, die in einem Zusammenhang mit schulischen Transitionsprozessen sowie Bildungserfolg stehen, in die Arbeit miteinbezogen. Dazu zählen beispielsweise das (schulische) Selbstkonzept oder unterschiedliche Erklärungsmuster bei erlebtem (Miss-)Erfolg.

Im empirischen Teil wurden auf Basis von Daten eines Kooperationsprojekts von der Bildungsdirektion Kärnten und der Pädagogischen Hochschule Kärnten acht vertiefende Leitfadeninterviews mit Mittelschullehrkräften aus Kärnten geführt, die anschließend mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet wurden. Zentral ging es dabei darum, wie der Transitionsprozess für Kinder von der Volksschule in die erste Sekundarstufe aus Perspektive von Mittelschullehrkräften gelingen kann und welche Aspekte und Herausforderungen dabei entscheidend sind. Vor diesem Hintergrund wurde in weiterer Folge die Rückfluter:innen-Problematik in Mittelschulen in Kärnten aufgegriffen und diverse Umgangsformen und Unterstützungsmöglichkeiten herausgearbeitet.

Was möchtest Du anderen Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?
Einerseits ist natürlich die Themenfindung von zentraler Bedeutung, da man sich doch über einen längeren Zeitraum intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt. Unabhängig davon, ob man bereits ein Thema gefunden hat, ist meiner Meinung nach auch das Lesen von möglichst viel Literatur und Studien besonders wichtig, um sich eine stabile theoretische Basis aufzubauen. Auch wenn man nicht alles in die Arbeit übernimmt, ist es dennoch wertvolles (Hintergrund-)Wissen, welches den Forschungs- und Schreibprozess (mit-)gestaltet. Des Weiteren kann es sehr sinnvoll sein – insbesondere bei Schreibblockaden oder Schwierigkeiten – die Angebote des Schreibcenters in Anspruch zu nehmen, egal in welcher Phase des Schreibprozesses man sich befindet.

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IfEB Spotlight März 2025: Diana Vogetseder „Pedal Power für Veränderung“

Welches Thema bearbeitest Du und was bedeutet es für Dich?

Meine Masterarbeit kann dem informellen Bereich des Lernens bzw. der selbstorganisierten-aktivistischen Weiterbildung Erwachsener zugeordnet werden. So beschäftige ich mich mit der Frage, inwiefern frauengeführte Radcommunities emanzipatorische Lernorte für eine sozial-ökologische Transformation sein können. Dabei interessiert mich, welche geteilten Erfahrungen und erzählten Erlebnisse die Teilnehmenden in den gemeinsamen Radaktivitäten machen, welche Bedeutung diese für sie haben und inwiefern sie diese lern- und bildungsbezogenen Erfahrungen auch in weitere Lebensbereiche kompetent transferieren. Aus diesen subjektwissenschaftlichen Erzählungen und rekonstruierten Wahrnehmungen von (veränderten) Selbst- und Weltverhältnissen der Teilnehmenden bezogen auf die Mensch-Umwelt-Relation (Cennamo & Vogetseder, 2024) lassen sich erwachsenenbildungswissenschaftliche Hinweise finden, die Aufschluss über individuell und kollektiv bedeutsame Lern- und Bildungsprozesse im Kontext des sozial-ökologisch gerechten Lebens, hier: gemeinsames Radfahren, geben können. Das Feld dabei ist ein selbstorganisiertes, in den Bereich der Selbstbildung verortbares, freizeitbezogenes Engagementfeld Erwachsener, das (vorerst) im Bildungsdiskurs nicht als Lernort erscheinen mag.

Ausgangspunkt für meine Forschung waren neben meinem persönlichen sozial-ökologischen (Lern)Interesse, der eigenen (Bildungs-)erfahrungen während (gemeinsamen) Ausfahrten und Radreisen sowie die allgemeine Verbundenheit mit dem Gegenstandsbereich auch eine vorangegangene erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema im Rahmen des Seminars „Praxen der am Gemeinwesen orientierten Erwachsenenbildung: Traditionen freier Bildungsarbeit mit/von Erwachsenen in Vergangenheit und Gegenwart“. Darin durfte ich in einem themenzentrierten Interview mit einer Organisatorin und Teilnehmerin eines frauengeführten Radclubs in Schottland über die Aktivitäten ihres Vereins sprechen. Die von ihr berichteten Erzählungen und die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit haben mein Interesse verstärkt, mich tiefergehend mit der community-basierten Erwachsenenbildung auseinanderzusetzen und der Forschungsfrage nachzugehen, nämlich inwiefern hier an einem sozialen und naturnahen – mobilen – Ort, der vorwiegend der Freizeit, der Erholung und Gesundheit zugeordnet wird, emanzipatorische Lernprozesse für eine sozial-ökologisch gerechte Gestaltung des Lebens stattfinden können. Derzeit befinde ich mich in der Auswertung der gesammelten Daten und schaue gespannt auf die Ergebnisse voraus.

Weiters war es für die Masterarbeit wichtig, im Sinne der Chancengerechtigkeit auf Lerninteressen und Lernorte auch abseits organisierter bzw. außerhalb von akkreditierten Weiterbildungsmöglichkeiten zu blicken. Chancengerechtigkeit bezogen auf plurale Lebensformen und vielfältigem Engagement, das gleichzeitig in soziale und ökologische Systeme eingebettet sind, war mir dabei ein wichtiges Anliegen.

Wie ist dieses Thema mit Deinem Studium verbunden?

Wird die historische Entwicklung und Entstehung der Erwachsenenbildung betrachtet, so zeigt sich eine enge Verschränkung mit (sozialen), meist selbstorganisierten Lernmöglichkeiten in ihrer Entstehungsgeschichte. In Österreich beispielsweise lassen sich die Entwicklung der Fachgruppen für Fächer wie Photographie, Astronomie, Sprachen (Filla, 2001) nennen und auch international betrachtet lassen sich die Traditionen der Erwachsenenbildungspraxis entstehend aus Bewegungen der Arbeiterklasse-, feministischen Bewegungen und/oder Verschränkungen dieser bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts nachvollziehen (Cennamo & Vogetseder, 2024). Auch da ging es um ein breitenkulturelles, sozial gerechtes, nachhaltiges Leben im weiteren Sinne. Dabei handelt es sich nicht immer um große Bewegungen. Vielmehr entstanden und entstehen diese aus kleinen bottom-up Initiativen oder Vereinen, die im eigenen Lebensumfeld, in nachbarschaftlichen, geselligen und/oder interessegeleiteten Zusammenschlüssen auch zivilgesellschaftlich engagiert eigene Bildungsinitiativen gestalten und sich aktiv daran beteiligen (vgl. Cennamo, 2021, S. 214 f.; Finnegan, Fragoso, Merrill, 2023, S. 10 f.;  Grummell, 2023, S. 149 f.).

Weiters sind die Themenfelder rund um ein nachhaltiges Leben schon lange Gegenstand der Erwachsenenbildungspraxis und -wissenschaft (vgl. Lange, 2023, S. 30, vgl. Singer- Brodowski, 2016a, S. 14; Cennamo & Vogetseder, 2024). Im Kontext der Bildung für nachhaltigen Entwicklung (BNE) wird (bildungspolitisch) vorwiegend auf Angebote geblickt und befördert, die in Form von angeleiteten Lern- und Bildungsmöglichkeiten zur Entwicklung und Ausstattung von umweltbezogenen Skills abzielen. Diese Programme lassen jedoch etwaige Verflechtungen mit neoliberalen, neokolonialen und strukturellen Ursachen außen vor und befördern vielmehr die Individualisierung von gesamtökologischer, gesamtgesellschaftlichen und/oder global wirtschaftlicher Schieflagen. Hier setzt mein Forschungsinteresse an und fragt, inwiefern unter Umständen auch beispielsweise in nicht angeleiteten Orten für ein nachhaltiges Leben und eine breite Auffassung von sozial-ökologischer gerechter Transformation gelernt wird.

Wie gehst Du im Forschungsprozess vor?

Die Forschung folgte einem qualitativ-interpretativen Zugang im Rahmen der (Reflexiven) Grounded Theory (Breuer& Muckel& Dieris, 2019). Diese methodologisch-interaktionistische, methodisch-rekonstruktive Vorgehensweise habe ich gewählt, da sie durch meine eigene Verwobenheit mit dem Forschungsfeld auch die Möglichkeit geboten hat, die eigene Verortung im Bereich der Fahrradcommunity miteinfließen zu lassen. In der (Reflexiven) Grounded Theory werden (Be)Deutungen, Erfahrungen, Erlebnisse der Forschenden und Teilnehmenden im gemeinsamen qualitativen Forschungsprozess als zentrale Erkenntnisquelle für ein tieferes Verständnis der (sozialen) Wirklichkeit zugesprochen. Ebenso war es wichtig, eine gewisse Offenheit im Forschungsprozess beizubehalten, um eventuell neu generierte oder veränderte Perspektiven aus der Forschung weiterhin entsprechend berücksichtigen zu können.

Die methodische Vorgehensweise umfasste zu Beginn der Forschung die Durchführung einer thematischen Analyse (Braun & Clarke, 2006) in community-spezifischen Foren und Social Media Kanälen, woraufhin mit den Erkenntnissen aus der Analyse der Leitfaden für die Durchführung der anschließenden Online-Fokusgruppe (Niederberger & Zwick, 2023) erstellt wurde. Der Austausch der Fokusgruppe wurde anschließend transkribiert und mittels Reflexiver Grounded Theory (Breuer& Muckel& Dieris, 2019) ausgewertet. Der gesamte Forschungsprozess wurde gleichfalls vom Schreiben von Memos und Notizen begleitet. Diese werden sodann ebenso mit in den Auswertungsprozess aufgenommen.

Was möchtest Du anderen Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?

Ich würde allen Personen empfehlen, sich im Vorfeld der Masterarbeit ausreichend Zeit für die Themenfindung zu nehmen, da mensch einiges an Zeit mit der Thematik verbringt. Ein persönliches Interesse an dem Forschungsfeld oder Gegenstand und auch eine pragmatische, professionsbezogene, oder lebens- und oder arbeitsnahe Neugierde für die Thematik kann besonders während herausfordernden Phasen der Forschungs- und Schreibarbeit ein wertvoller Anker sein, um die Motivation wiederzufinden.

Ein gut ausgearbeiteter Zeitplan ist meines Erachtens sehr wichtig. Es ermöglicht eine strukturierte Vorgehensweise, kann aber weiters auch wichtig sein, um in schwierigen (Schreib)phasen dranzubleiben und sehen zu können, was bereits geschafft wurde. Außerdem würde ich allen empfehlen, realistisch zu planen und auch Zeitpuffer zu berücksichtigen, damit auch reflektierende, besinnliche Zeiten, die angeblich weniger bereichernd für das Vorankommen scheinen, eine Daseinsberechtigung für den Forschungsprozess haben.

Ich kann dabei auch jeder*m empfehlen, für die wissenschaftliche Arbeit auf die eigenen, bewährten Arbeitsweisen zurückzugreifen. So habe ich beispielsweise zur Datenauswertung das Transkript der Fokusgruppe ausgedruckt, wenngleich ich ansonsten vorwiegend digital arbeite und Ausdrucke auf Papier vermeide. Das ausgedruckte Material und mein kunterbunter Farbenmix auf Papier half mir, mich intensiver und reflexiver – auch kreativ-spielerisch, wenn wohl immer forschungspraktisch und -theoretisch begründet, mit den (Roh)Daten zu beschäftigen und haptisch am Material zu arbeiten.

Abschließend möchte ich allen gegenwärtigen und zukünftigen IfEB Studierenden viel Erfolg und Durchhaltevermögen für die Masterarbeit wünschen. Es ist eine herausfordernde, aber bereichernde Aufgabe zugleich.


Literatur:

Braun,V. & Clarke, V. (2006): Using thematic analysis in psychology. In: Qualitative Research in Psychology, 3 (2). pp. 77-101. Retrieved online: http://eprints.uwe.ac.uk/11735

Breuer, F.&  Muckel, P. & Dieris, B. (2019): Reflexive Grounded Theory. Eine Einführung für die Forschungspraxis (4. Auflage). Wiesbaden: Springer VS.

Cennamo, I. (2021a): „Ka-an überseh’n!“ Von Phänomenen der (In-)Visibilisierung in der Weiterbildung am Beispiel entgrenzter Erwachsenenbildung in Kärnten. In: Lernweltforschung: Bildung für alle? Für ein offenes und chancengerechtes, effizientes und kooperatives System des lebenslangen Lernens in Österreich. Wiesbaden. (36) S. 299 – 329.

Cennamo,I., Vogetseder D. (2024): Erwachsenenpädagogische Konzepte zur Reflexion über Bildung zur nachhaltigen Entwicklung, erwachsenenbildung.at Online:https://erwachsenenbildung.at/themen/klimaschutz-und-nachhaltigkeit/erwachsenenpaedagogische-konzepte.php#gemeinwesenorientierte-erwachsenenbildung

Filla, W. (2001): Wissenschaft für alle – ein Widerspruch? Bevölkerungsnaher Wissenstransfer in der Wiener Moderne. Ein historisches Volkshochschulmodell. Innsbruck – Wien – München: Studienverlag.

Finnegan, F., Fragoso, A., Merrill, B. (2023): Radical Popular Education Today: Prospects and Possibilities” In: European Journal for Research on the Education and Learning of Adults 14 (1):9-15. Online: https://doi.org/10.3384/rela.2000-7426.4691

Grummel, B. (2023): Maintaining deep roots: The transformative possibilities of adult literacy education. In: European Journal for Research on the Education and Learning of Adults 14 (1):145-162. Online: https://doi.org/10.3384/rela.2000-7426.4322

Lange, E. (2023): Transformative Sustainability Education: Reimagining our future. New York: Routledge.

Niederberger, M. & Zwick, M. (2023). Online Focus Groups: Opportunities and Challenges From the Perspective of Research Practice. Forum Qualitative Sozialforschung Forum: Qualitative Social Research, 24(3). DOI: 10.17169/fqs-24.3.3982

Singer-Brodowski, M. (2016a): Transformative Bildung durch transformatives Lernen. Zur Notwendigkeit der erziehungswissenschaftlichen Fundierung einer neuen Idee. Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik, 39 (1), S. 13–17.

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IfEB-Spotlight Feber 2025: Alina Pabi „Die Entwicklung der Sonderpädagogik: Einfluss bedeutender Theorien und Persönlichkeiten auf den inklusiven Grundgedanken“

Welches Thema bearbeitest Du und was bedeutet es für Dich?

Ich habe mich in meiner Bachelorarbeit mir dem Thema „Die Entwicklung der Sonderpädagogik: Einfluss bedeutender Theorien und Persönlichkeiten auf den inklusiven Grundgedanken“ auseinandergesetzt. Durch meine Hospitation in einer Förderschule für integrative Pädagogik, konnte ich ein Unterrichtssystem kennenlernen, in welchem Schülerinnen und Schüler mit körperlichen und geistigen Mehrfach- und Schwerstbehinderungen in kleinen Klassen separat von dem Regelschulalltag und nach den Vorgaben eines Lehrplans für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf unterrichtet werden. Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die im Jahr 2009 einen inklusiven Wandel im deutschsprachigen Bildungssystemen angestoßen hat und seitdem auf ein gemeinsames Lernen für alle Schülerinnen und Schüler abzielt, hat sich somit gegen diese Grundsätze der Sonderpädagogik gerichtet. Förderschulen wurden entweder geschlossen oder in sogenannte „Schulen ohne Schüler“ umgewandelt, und Sonderpädagoginnen und -pädagogen arbeiten zunehmend an Regelschulen. In meiner Arbeit setze ich mich mit dieser Entwicklung der Sonderpädagogik auseinander und möchte mithilfe ausgewählter Theorien die positiven Aspekte der je spezifischen Pädagogik(en) hervorheben. Zusätzlich stelle ich mir die Frage, inwiefern die Sonderpädagogik immer noch den inklusiven Grundgedanken beeinflusst und ob ein separater Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit körperlichen und geistigen Mehrfach- und Schwerstbehinderungen nicht die Lernqualität der Beteiligten im gesamten Bildungssystem verbessern könnte.

Wie ist dieses Thema mit Deinem Studium verbunden?

Aufgrund von persönlichem Interesse habe ich im Laufe meines Bachelorstudiums verschiedene Lehrveranstaltungen besucht, welche sich mit dem Thema „Diversity & Disability“ beschäftigt haben. Im Zuge meines Studienprojekts habe ich mich ebenfalls mit der Unterrichtsgestaltung und den Methoden in integrativen Förderschulen auseinandergesetzt. Da mir die Arbeitsweise in diesen Schulen so gut gefallen hat, habe ich mich schlussendlich dazu entschlossen auch meine Bachelorarbeit in diesem Bereich zu verfassen. Mit dieser Arbeit möchte ich die allgemeine Sichtweise und die bestehenden Vorurteile bezüglich der Sonderpädagogik positiv beeinflussen.

Wie gehst Du im Forschungsprozess vor?

Grundsätzlich basiert meine Arbeit in erster Linie auf einer umfangreichen Literaturrecherche, die aufgrund einer reichhaltigen geschichtlichen Entwicklung der Sonderpädagogik ein sehr breites Feld darstellt. Im weiteren Verlauf werde ich mich genauer mit den pädagogischen Konzepten und Grundsätzen von Johann Friedrich Herbart, beispielsweise der (allgemeinen) Bildsamkeit des Menschen auseinandersetzen. Im letzten Teil meiner Arbeit werde ich durch meine zuvor betriebene Recherche den Versuch wagen, die bestehenden Vorurteile gegenüber einer separierten Unterrichtsweise beeinträchtigter Kinder und der Sonderpädagogik im Allgemeinen, zu entkräften. Zusätzlich möchte ich darauf hinweisen, dass der inklusive Grundgedanke aus der Sonderpädagogik entstanden ist und sich ihr Wirken auch heute noch durch die gesamte Praxis zieht.

Was möchtest Du anderen Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?

Die Studierenden sollten sich bei ihrer Arbeit für ein Thema entscheiden, für welches sie sich wirklich interessieren, da man sich über einen längeren Zeitraum damit beschäftigt. Während des Schreibprozesses werden auch einmal Phasen eintreten, in welchem das Schreiben nicht so leicht von der Hand geht. Dann hilft es auch, eine kurze Pause zu machen und sich an einem anderen Tag wieder mit der Bachelorarbeit zu befassen. Durch etwas Abstand lösen sich manchmal ganz plötzlich Schwierigkeiten auf.

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IfEB-Spotlight Jänner 2025: Sarah Buxbaum „Organisationales Lernen über partizipative Strategieentwicklung im Unternehmen“

Welches Thema bearbeitest Du und was bedeutet es für Dich?

In meiner Masterarbeit befasse ich mich mit dem Thema des organisationalen Lernens über partizipative Strategieentwicklung in einem Unternehmen und frage, wie nachhaltige Unternehmensführung in einem landwirtschaftlichen Unternehmen gelingen kann. Das Thema wählte ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit, durch die ich Zugang zu dem Strategieprojekt eines landwirtschaftlichen Unternehmens erhielt, das ich im Rahmen meiner Masterarbeit wissenschaftlich begleiten durfte.

Im Strategieprojekt wurden Mitarbeitende und Führungskräfte aktiv in Lernprozesse einbezogen, um demokratische und widerstandsarme Veränderungsprozesse zu fördern. Da die Umsetzung solcher Lernprozesse für Unternehmen oft herausfordernd sein kann, widmete ich mich insbesondere der Frage, wie organisationales Lernen über partizipative Strategieentwicklung gestaltet werden kann, um zur Entwicklung einer nachhaltigen Unternehmensstrategie beizutragen.

Wie ist dieses Thema mit Deinem Studium verbunden?

In meiner Masterarbeit setzte ich mich intensiv mit verschiedenen (erwachsenen-)pädagogischen Lerntheorien auseinander, die ich bereits in einer Lehrveranstaltung meines Masterstudiums „Erwachsenenbildung und berufliche Bildung“ behandelt habe. Für meine Masterarbeit legte ich den Fokus auf Theorien des organisationalen und transformativen Lernens sowie auf das Konzept der Communities of Practice. Diese Ansätze boten mir eine wertvolle Grundlage, um die unterschiedlichen Lernsituationen und die komplexen Dynamiken partizipativer Lernprozesse im Strategieentwicklungsprojekt und im Rahmen der Begleitforschung eingehend zu analysieren.

Wie gehst Du im Forschungsprozess vor?

Zu Beginn meines Forschungsprozesses habe ich mich ausführlich mit den theoretischen Grundlagen der Themenbereiche bzw. der Phänomene befasst, die in meiner Masterarbeit eine zentrale Rolle spielen, um ein Verständnis für das organisationale und transformative Lernen sowie für Communities of Practice in organisationalen Kontexten zu entwickeln. Auch mit Fragen der Partizipation im betrieblichen Kontext und mit Strategieentwicklung in Unternehmen habe ich mich vertieft beschäftigt.

Im Anschluss an die theoretische Auseinandersetzung führte ich eine empirische Untersuchung durch, in der ich mehrere Forschungsmethoden kombinierte, um herauszufinden, wie sich der Strategieentwicklungsprozess und das organisationale Lernen im Strategieprojekt gestalten und auf welche Weise partizipative Zugänge im Prozess ermöglicht werden. Zudem wurden die zugrundeliegenden Ziele des Strategieprojekts, die Motivation der Beteiligten sowie förderliche und hemmende Faktoren im Strategieprozess untersucht, da auch diese Aspekte den Lernprozess beeinflussen und somit zu einem ganzheitlichen Verständnis des organisationalen Lernens im Strategieprojekt beitragen. Zu den angewandten Forschungsmethoden zählten ein Leitfadeninterview mit der Unternehmensleitung, zwei Gruppendiskussionen mit Führungskräften und Mitarbeitenden sowie eine Photovoice-Aktivität, um die unterschiedlichen Erfahrungen und Blickwinkel der am Strategieprozess Beteiligten partizipativ zu erfassen. Außerdem habe ich den Strategie-Begleitbericht, der den Strategieentwicklungsprozess des Unternehmens dokumentiert, mittels Dokumentenanalyse untersucht. Mit diesen Forschungsmethoden wollte ich eine umfassende und zugleich tiefgreifende Analyse des organisationalen Lernens im Strategieprojekt erzielen, um die vielfältigen Perspektiven der Beteiligten einzuholen und sie dann auch darzustellen. Als zentrale bzw. übergreifende Auswertungsmethode habe ich die thematische Analyse gewählt, da sie qualitative Daten einzelner Fälle in ihrer Gesamtheit zugänglich macht und eine umfassende sowie detaillierte Darstellung der gesammelten Daten ermöglicht.

Die empirischen und theoretischen Ergebnisse zeigten, dass das organisationale Lernen im Rahmen des Strategieprojekts über „Double-loop-Learning“ und „Deutero-Learning“ verlief. Es traten auch transformative Lernprozesse deutlich hervor und Communities of Practice wurden sichtbar. Zudem konnten zahlreiche Schlüsselfaktoren identifiziert werden, die zur Gestaltung organisationalen Lernens über partizipative Strategieentwicklung und zur Förderung einer nachhaltigen Unternehmensstrategie beitragen.

Was möchtest Du anderen Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?

Zunächst ist es wichtig, sich bereits bei der Themensuche die Frage zu stellen, wie das Thema nicht nur theoretisch, sondern auch empirisch untersucht werden kann. Eine klare Vorstellung davon, wie sich der empirische Zugang zum Gegenstand gestalten kann, erleichtert den gesamten Forschungsprozess erheblich. Hat man das Thema erst einmal gefunden, ist es entscheidend, sich regelmäßig und intensiv mit relevanten Theoriebeständen auseinanderzusetzen. Oft ist es hilfreich, wenn man zu Beginn theoriegeleitet vorgeht und die relevanten Theoriebestände in die Masterarbeit einarbeitet. So kann eine solide theoretische Grundlage für die empirische Untersuchung geschaffen werden. Zudem können die empirischen Ergebnisse später besser eingeordnet und interpretiert werden.

Weiters sind Zeit und Raum für Reflexion sowie die kontinuierliche Überarbeitung der eigenen Entwürfe wesentlich, um das eigene Verständnis für die Thematik und das relevante Wissen weiterzuentwickeln. Besonders hilfreich ist auch, regelmäßig Feedback von Kommiliton:innen oder der Betreuungsperson einzuholen und das Thema aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. So kann man neue Denkanstöße finden und mögliche Schwachstellen oder Unklarheiten in der eigenen Masterarbeit erkennen.

Letztlich ist es auch wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen, wenn Schwierigkeiten auftreten. In der wissenschaftlichen Arbeit kann es immer Phasen geben, in denen man nicht weiterkommt oder mit Problemen konfrontiert wird. Ein klarer Fokus auf das Ziel, die regelmäßige Auseinandersetzung mit dem Thema und der Austausch mit anderen können dabei helfen, motiviert zu bleiben und die Arbeit erfolgreich abzuschließen.

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