IfEB-Spotlight Mai 2026: Julia Krassnitzer „Hochschulische Bildungswirklichkeiten in (Re)Konstruktion“

Welches Thema bearbeitest Du und was bedeutet es für Dich?

In meiner Forschungsarbeit beschäftige ich mich – aus einer erwachsenenbildungswissenschaftlichen Perspektive – mit den Bildungswirklichkeiten studierender Erwerbstätiger. Mich interessiert dabei besonders, welche beruflichen und lebensweltlichen (Vor-)Erfahrungen diese Studierenden mitbringen und wie genau diese in ihr Studium einfließen (können) bzw. welche Erkenntnisse sich daraus für den hochschulischen Lehr- und Lernbetrieb gewinnen lassen.

Mit Bildungswirklichkeiten meine ich die Art und Weise, wie Studierende ihre Erfahrungen deuten: Welche alltagstheoretischen Erklärungen entwickeln sie? Und wie fügen sich diese in ihr Selbst- und Weltverständnis ein? Es geht also nicht nur darum, was Studierende erleben, sondern vor allem darum, wie sie diese Erfahrungen erleben.

Mein Forschungsinteresse ist dabei nicht rein theoretisch entstanden. Es speist sich aus meiner eigenen beruflichen Tätigkeit in der Bildungs- und Berufsorientierung sowie aus einer erwachsenenbildungswissenschaftlichen und volkswirtschaftlichen Vorstudie zum Thema „Beruf und Studium“. Beide Kontexte haben deutlich gemacht, dass berufliche und lebensweltliche (Vor-)Erfahrungen mehr als Begleiterscheinungen im Bildungsprozess sind, sie können einen Einfluss darauf nehmen, wie das Studium wahrgenommen wird.

Wie ist dieses Thema mit Deinem Studium verbunden?

Mein Studienschwerpunkt der Bildungsforschung zeigt sich durch einen qualitativ-rekonstruktiven Zugang zur hochschulische Lehr- und Lernsituation. Im Fokus stehen dabei die Orientierungen, Deutungsmuster und Erfahrungszusammenhänge der erwerbstätigen Studierenden selbst.

Wie gehst Du im Forschungsprozess vor?

Die Datenerhebung im Rahmen der Dissertation erfolgte in einem mehrstufigen qualitativen Design. Zunächst wurden narrative Interviews mit Studierenden geführt, die sich selbst primär als Erwerbstätige neben dem Studium positionieren. Darauf aufbauend wurden zwei Gruppendiskussionen durchgeführt, die bewusst heterogen zusammengesetzt waren und neben erwerbstätigen auch sogenannte traditionelle Studierende einbezogen. Die Auswertung erfolgte mittels der dokumentarischen Methode, die es erlaubt, über explizite Aussagen hinaus kollektive und implizite Orientierungen zu rekonstruieren.

Was möchtest Du anderen Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?

Ich möchte anderen Schreibenden mitgeben, dass wissenschaftliches Arbeiten vor allem eines erfordert: Zeit. Es sollte also genug Zeit für den Schreibprozess eingeplant werden – und zwar nicht nur fürs eigentliche Schreiben, sondern auch für das Sortieren von Gedanken, das Strukturieren und das wiederholte Überarbeiten.

Zugleich ist es entscheidend, den prozesshaften Charakter von Forschung anzuerkennen. Phasen der Irritation, Unschärfe oder Neuorientierung sind keine Hürden, sondern konstitutiver Bestandteil des Erkenntnisprozesses. Gerade diese Phasen sind oft entscheidend, um die eigene Arbeit weiterzuentwickeln und am Ende zu einem stimmigen Ergebnis zu kommen.

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IfEB-Spotlight April 26: Jasmina Deljanin-Hudelist „Von Doing Difference zu Practicing Solidarity „

Welches Thema bearbeitest Du und was bedeutet das für Dich?

Von Doing Difference zu Practicing Solidarity – bildungspolitische Praktiken aus herrschaftskritischer Perspektive an exemplarischen Beispielen aus (non-)formalen Bildungskontexten

Ich untersuche in meiner Dissertation, wie Ungleichheiten in formalen und non-formalen Bildungskontexten entstehen und reproduziert werden. Dabei nutze ich das Konzept des Doing Difference. Es beschreibt, wie Unterschiede in Interaktionen hergestellt und stabilisiert werden. Gleichzeitig frage ich, wie ein Practicing Solidarity dazu beitragen kann, diese Unterschiede bewusst wahrzunehmen und anzuerkennen. Dazu gehört auch, die soziale Position von Lernenden zu berücksichtigen. So können Verbindungen zwischen Lernenden entstehen, die Lernprozesse fördern und Ungleichheiten zumindest teilweise verringern.

Ich habe praktische Erfahrungen in der außerschulischen Bildungsarbeit und in der Schule gesammelt. In beiden Bereichen wurde deutlich, wie stark Ungleichheitsverhältnisse wirken. Deshalb verbinde ich Theorie und Praxis bewusst im Kontext von Ungleichheit in Bildung. Im Sinne von Girouxs „Allianz“ von Theorie und Praxis reflektiere ich meine pädagogischen Erfahrungen theoriegeleitet und unter Einbezug intersubjektiver Validierung. Dabei berücksichtige ich gesellschaftliche Machtverhältnisse sowie die Grenzen und Möglichkeiten pädagogischen Handelns innerhalb bestehender Strukturen. Eine solche Perspektive auf Lernprozesse eröffnet Möglichkeiten für Lernen und veränderungsorientiertes Handeln.

Wie ist dieses Thema mit deinem Studium verbunden?

Das Projekt ist in der empirischen Bildungsforschung verortet und fokussiert Lehr- und Lernprozesse in formalen wie non-formalen Settings unter Bedingungen sozialen Wandels. Theoretisch arbeite ich mit Bildungsbegriffen, Differenztheorien (Doing Difference) und Solidaritätskonzepten (Practicing Solidarity), die ich mit qualitativer Forschung, insbesondere der Vignettenforschung, verknüpfe. Die interdisziplinäre Ausrichtung sowie unterschiedliche qualitative Zugänge sind mir besonders wichtig, da sie helfen, komplexe gesellschaftliche Verschränkungen sichtbar zu machen und die Wirkung von Handeln in Bildungskontexten zu verstehen.

Wie gehst du im Forschungsprozess vor?

Im Forschungsprozess verbinde ich diese theoretischen Ansätze mit qualitativen Methoden, z.B. der Vignettenforschung oder Expert:innen-Interviews. Die Kombination verschiedener Zugänge ermöglicht es, komplexe soziale Zusammenhänge differenziert zu analysieren und sichtbar zu machen, welche Wirkung Handeln unter bestimmten Bedingungen entfaltet.

Was möchtest du anderen Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?

Anderen Studierenden möchte ich mitgeben, Breite und Tiefe miteinander zu verbinden. Das gelingt, indem man unterschiedliche Lehrveranstaltungen als Wahlfächer nutzt und keine Scheu vor Theorie und Schreibprozessen hat. Beides braucht Zeit und kann herausfordernd sein, schärft aber das Denken und verändert die eigene Wahrnehmung und das Handeln.

Die Verbindung von Theorie und Praxis hilft, das eigene Handeln zu reflektieren und fördert pädagogische Professionalität. Verschränktes Denken ist dabei eine wichtige Ressource – Es ermöglicht, Herausforderungen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und Zusammenhänge herzustellen.

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IfEB-Spotlight Dezember 25: Angelika Messner „Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus in Österreich“

Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus in Österreich. Historische Ereignisse, Kontinuitäten, Nachwirkungen, Erinnerungskultur

Welches Thema bearbeitest du und was bedeutet es für dich?

Meine Masterarbeit befasst sind mit der Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus in Österreich – ein Thema, das über Jahrzehnte hinweg in der Geschichtsschreibung marginalisiert, oder gar verschwiegen wurde. Ich rekonstruiere darin historische Ereignisse, rechtliche und gesellschaftliche Mechanismen der Diskriminierung und Verfolgung und analysiere die langfristigen Kontinuitäten von Stigmatisierung und Ausgrenzung, die bis in die Gegenwart wirken.

Für mich bedeutet dieses Thema weit mehr als ein wissenschaftliches Projekt. Es ist ein Beitrag zur Sichtbarmachung einer verdrängten Opfergruppe und eine kritische Auseinandersetzung mit Machtstrukturen, die Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung ermöglichen. Die Beschäftigung mit den Schicksalen homosexueller Menschen im NS-Regime ist auch eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Verantwortung, mit kollektivem Gedächtnis und mit Erinnerungsarbeit als Prävention. Es geht darum, das „Totgeschwiegene“ in Worte zu fassen und damit einen Beitrag zur Erinnerungskultur und Menschenrechtsbildung zu leisten.

Wie ist dieses Thema mit deinem Studium verbunden?

Das Thema ist inhaltlich und konzeptionell eng mit dem Masterstudium Diversitätspädagogik in Schule und Gesellschaft verknüpft. Dieses Studium zielt darauf ab, gesellschaftliche Diversität in ihren sozialen, kulturellen und historischen Dimensionen zu verstehen und pädagogisch-reflektierend mit ihr umzugehen.  Die Auseinandersetzung mit der Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus eröffnet dabei eine tiefgreifende, historische Perspektive auf Mechanismen von Diskriminierung, Macht, Normierung und Ausgrenzung, die auch in heutigen Bildungskontexten wirksam sein können.

Die Verbindung zwischen dem Thema meiner Masterarbeit und dem Masterstudium der Diversitätspädagogik liegt in der gemeinsamen Zielsetzung: Bewusstsein für Vielfalt zu fördern, Diskriminierungsmechanismen sichtbar zu machen und Bildung als Raum von Diversität und Emanzipation zu begreifen.

Wie gehst du im Forschungsprozess vor?

Der Forschungsprozess meiner Masterarbeit basiert auf einem interdisziplinären, qualitativen-empirischen Ansatz, der historische, rechtliche und pädagogische Perspektiven miteinander verknüpft. Ausgangsbasis ist eine umfassende theoretische und historische Analyse, bei der ich Archivmaterialien, juristische Quellen, wissenschaftliche Fachliteratur, sowie zeitgeschichtliche Dokumente untersucht habe. Ziel war es, die rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Mechanismen zu rekonstruieren, die die Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus ermöglichten. Von besonderer Relevanz für meine Forschung sind die zwischen 1945 und 1971 erfolgten juristischen Repressionen, die fortgesetzte gesellschaftliche Ausgrenzung, sowie die über Jahrzehnte andauernde Leugnung dieser Opfergruppe.

Um die historische Analyse zu vertiefen und die Perspektive gegenwärtiger Forschung zu integrieren, führte ich Expert*inneninterviews mit namhaften Historiker*innen durch. Diese Expert*innen sind in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der NS-Verfolgung homosexueller Menschen, wie auch in der pädagogischen Vermittlung tätig. Die Aussagen der Interviewpartner*innen wurden systematisch mit den historischen Befunden verglichen, um Übereinstimmungen, eventuelle Spannungen und neue Interpretationsansätze sichtbar zu machen. Auf diese Weise konnte ich nicht nur den aktuellen Stand der Geschichtsforschung einordnen, sondern auch die pädagogische Relevanz von Erinnerungskultur herausarbeiten.

Was möchtest du andern Studierenden an Erfahrung und Tipps mitgeben?

Ein für mich guter Rat ist: Wählt ein Thema, das euch emotional und intellektuell berührt. Forschung ist ein langwieriger, manchmal anstrengender Prozess, aber echte Motivation entsteht, wo wissenschaftliches Interesse und persönliche Relevanz zusammentreffen.

Ich möchte anderen Studierenden mitgeben, dass eine Masterarbeit nicht nur ein wissenschaftliches Projekt ist, sondern auch ein persönlicher Lernprozess.

Rückschläge und Schreibblockaden sind im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten unvermeidlich und sollten als Teil des Lernprozesses verstanden werden. In solchen Phasen ist es von Bedeutung, das Vertrauen in den eigenen Forschungsweg aufrechtzuerhalten, das Gespräch mit den Betreuer*innen zu suchen, den Austausch mit Mitstudierenden in Anspruch zu nehmen, sowie institutionelle Unterstützungsangebote, wie die des Schreibcenters zu nutzen.

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IfEB-Spotlight November 25: Adriana Nedwed „Montessori im digitalen Rampenlicht“

Welches Thema bearbeitest Du und was bedeutet es für Dich?

„Montessori im digitalen Rampenlicht: Eine visuelle Cross-Plattform-Analyse der Inszenierung der Montessori-Pädagogik zwischen Romantisierung und Realität aus erziehungswissenschaftlich-ratgeberforschungstheoretischer Perspektive“

In meiner Masterarbeit analysiere ich die Darstellung der Montessori-Pädagogik auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok und Pinterest. Im Zentrum steht die Frage, wie ein reformpädagogisches Konzept in den digitalen Raum übertragen und dort visuell romantisiert wird. Zahlreiche Beiträge konstruieren ein idealisiertes Bild von Erziehung: Kinder erscheinen in ruhiger Beschäftigung mit Montessori-Materialien, Räume sind minimalistisch und stilvoll gestaltet, und familiäre Situationen wirken harmonisch und konfliktfrei. Diese Darstellungen blenden jedoch die Komplexität und Widersprüchlichkeit pädagogischer Praxis häufig aus. Das Spannungsfeld zwischen romantisierender Inszenierung und gelebter Realität bildet daher den analytischen Fokus meiner Arbeit. Für mich ist das Thema bedeutsam, weil es zeigt, wie stark Medien unsere Vorstellungen von Kindheit, Elternschaft und „guter Erziehung“ prägen – und weil es wichtig ist, diese Diskrepanz zwischen digitaler Romantisierung und gelebter Realität sichtbar zu machen.

Wie ist dieses Thema mit Deinem Studium verbunden?

Ich studiere im Master Diversitätspädagogik in Schule und Gesellschaft an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. In meinem Studium beschäftigen mich vor allem Fragen zu Erziehungsvorstellungen, gesellschaftlichen Diskursen und Bildungszugängen. Mein Masterarbeitsthema verbindet dabei erziehungswissenschaftliche, medienpädagogische und ratgeberforschungstheoretische Perspektiven – ein Mix, der genau zu meinem Studienprofil passt.

So kann ich nicht nur analysieren, wie Montessori auf Social-Media-Plattformen dargestellt wird, sondern auch reflektieren, welche Orientierung diese Darstellungen Eltern bieten und welche Risiken – etwa Überforderung durch idealisierte Vorbilder – damit verbunden sein können. Mein Thema zeigt damit nicht nur die interdisziplinäre Offenheit meines Studiums, sondern macht auch deutlich, wie wichtig es ist, Erziehung in Zeiten digitaler Kulturen genau zu betrachten.

Wie gehst Du im Forschungsprozess vor?

Methodisch arbeite ich mit der Visual Cross-Platform Analysis (VCPA), einem qualitativ-interpretativen Ansatz, der den Vergleich visueller Inhalte über mehrere Plattformen hinweg ermöglicht.

  • Auf der Makro-Ebene untersuche ich plattformübergreifende Muster: Welche Bildsprachen, Farbcodes und Narrative tauchen auf?
  • Auf der Meso-Ebene arbeite ich mit Bildtypologien und Clustern, um wiederkehrende Ästhetiken – etwa bestimmte Inszenierungen von Kinderzimmern oder Spielsituationen – sichtbar zu machen.
  • Auf der Mikro-Ebene führe ich Close Readings einzelner Beiträge durch. Hier betrachte ich zum Beispiel die Komposition, den Einsatz von Hashtags, Emojis, Audioelementen (bei TikTok) und die narrative Rahmung.

Darüber hinaus reflektiere ich die „digitalen Verzerrungen“ (Digital Bias), also die Rolle von Algorithmen, Plattformlogiken und ästhetischen Selektionsmechanismen. Denn die Inhalte, die wir auf Social Media sehen, sind nicht neutral, sondern durch technische und ökonomische Logiken geprägt – und das beeinflusst, welche Erziehungsbilder überhaupt sichtbar werden.

Was möchtest Du anderen Studierenden an Erfahrungen und Tipps mitgeben?

Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass eine gute Planung unglaublich wichtig ist. Ein klar strukturierter Zeitplan gibt Halt und hilft dabei, den Überblick zu behalten – gerade, wenn die Menge an Literatur und Material zunächst überwältigend erscheint. Egal, ob man eher der Typ für konzentriertes Alleinarbeiten ist oder den Austausch sucht – beides ist möglich und wertvoll. Wer lieber für sich arbeitet, kann lernen, sich feste Routinen zu schaffen und konsequent daran festzuhalten. Wer sich gerne mit anderen vernetzt, profitiert oft von Gesprächen, die neue Perspektiven eröffnen oder motivieren. Wichtig ist, die eigene Arbeitsweise zu akzeptieren und zu nutzen. Gleichzeitig sollte man offen bleiben: Vieles entwickelt sich erst im Prozess, und neue Ideen entstehen oft direkt aus der Arbeit am Material. Mein wichtigster Tipp wäre: Dranbleiben! Auch wenn man an einem Tag „nur“ einen Absatz gelesen, einen Satz geschrieben oder neue Literatur gesucht hat – es ist ein Fortschritt, und all diese kleinen Schritte summieren sich. Und nicht zuletzt: Vergesst nicht die Freude am Thema. Die Arbeit an einer Masterarbeit ist anspruchsvoll, aber sie bietet auch die Möglichkeit, sich intensiv mit einem Bereich zu beschäftigen, der einem wirklich am Herzen liegt.

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