In der heutigen Zeit des gestiegenen Bewusstseins wird bei vielen Schülern und Studierenden eine oder mehrere sogenannter Spektrumstörungen diagnostiziert. Jüngste Studien zeigen, dass in Summe etwa 8–10 % an ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen und/oder Formen von Schizophrenie-Spektrum-Störungen leiden. Gemäß ICD-10/11 wird eine Diagnose gestellt, wenn mindestens zwei Lebensbereiche betroffen sind (z. B. „Beziehungen zu Gleichaltrigen pflegen” oder „Bildungsziele erreichen”).Für neurodivergente Personen ist es eine Herausforderung, in der Erst- oder Zweitsprache präzise und kohärent zu schreiben (z. B. Molitor et al. 2016, Breed Hanrahan 2019, Pallaoro Moojen et al. 2020). An der Universität sind die meisten der neurodivergenten Studierenden zwar in der Lage, einzelne Studienleistungen zu erbringen und mündliche Prüfungen zu bestehen, jedoch können nicht alle Studierenden ihren Abschluss machen, da gerade das Schreiben akademischer Langtexte für viele eine unüberwindbare Hürde darstellt - auch wenn KI-Tools nunmehr beim Formulieren unterstützen kann. Viele Betroffene nehmen regelmäßig an Schreibkursen teil oder Schreibberatung in Anspruch. Für andere Betroffene wiederum ist gerade das Schreiben eine Ressource, um mit dem Leben zurechtzukommen.In diesem Projekt werden eine Vielzahl an Daten zum Schreibverhalten, Schreibressourcen, -probleme und Lösungsstrategien für neurodivergente Personen gesammelt. So wurden in einem ersten Schritt ein explorativer Fragebogen entworfen; betroffene Studierenden wurden zu folgenden Themen befragt: (1) ihre Herangehensweise an das Schreiben im Allgemeinen, (2) Emotionen im Zusammenhang mit dem Schreiben, (3) persönliche Herausforderungen beim Verfassen akademischer Texte und (4) Ressourcen zur Überwindung von Problemen beim akademischen Schreiben. In einem weiteren Schritt werden den Diagnosen entsprechend Einzelfallanalysen untersucht.