Martin Schaffer

Martin Schaffer, Head of Security Maturity & Certification, NXP Semiconductors

Martin Schaffer studierte Angewandte Informatik an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Anschließend widmete er sich dem Doktoratsstudium der Technischen Wissenschaften zum Thema „Collision-Free Number Generation: Efficient Constructions, Privacy Issues, and Cryptographic Aspects“. Zwischenzeitlich war er an der ETH Zürich, im IBM Forschungszentrum Rüschlikon, an der Fachhochschule Trier und an der Fachhochschule Joanneum Kapfenberg tätig. Nach seiner Zeit als Universitätsassistent an der AAU, begann er 2008 zunächst als Firmware Engineer bei NXP Semiconductors zu arbeiten. In den folgenden Jahren durchlief Herr Schaffer verschiedenste Positionen bei NXP, wie etwa Security Certification Engineer, Cryptographer und Security Architect für Chipkarten. Seit 2014 ist Herr Schaffer Director, Head of Security Maturity & Certification, dabei verantworlich für das gesamte Produktportfolio von NXP Semiconductors im Zusammenhang mit Sicherheitszertifizierungen. Mit uns hat Martin Schaffer über sein Studium, seinen Werdegang und die Herausforderungen dabei gesprochen.

Können Sie sich noch an Ihre ersten Studientage erinnern?

Der Start 1997 war sehr amüsant, denn ich zog in das Nautilus-Studentenheim, welches sich aber noch im Bau befand. Der Studienbeginn war ein ziemliche Schock im Vergleich zum Bundesrealgymnasium: sehr viel Selbständigkeit und ein sehr hohes Tempo in der Vorlesungen.

 

Was sind Ihre Arbeitsaufgaben? Wie sieht Ihr beruflicher Alltag aus und was ist es, das Ihnen in Ihrem Job besonders gefällt?

Ich leite ein Team von ca. 40 Sicherheitsexperten in den USA, Europa und China, verteilt auf mehr als 8 Standorte. Mein Team stellt sicher, dass in sicherheitsrelevanten Mikrokontrollern Sicherheitsmaßnahmen mit einer sehr hohen Qualität eingebaut wird, um so aktuellen und zukünftigen Cyberangriffen standzuhalten. Unsere Produkte umfassen beispielsweise Bankomatkarten, Kreditkarten, Bezahlsysteme in Smartphones, elektronische Reisepässe oder Tickets für den öffentlichen Verkehr. Jüngst geht es vermehrt um Chips für das Internet der Dinge (IoT) und um Chips im Automobilbereich. Um Kunden davon zu überzeugen, dass wir die besten auf diesem Gebiet sind, durchlaufen unsere Produkte sowie die gesamte Entwicklungs- und Produktionsumgebung eine gründliche Sicherheitsprüfung und Zertifizierung durch unabhängige Dritte, z. B. durch das BSI in Deutschland (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik), welche am Ende ein Zertifikat ausstellen. Hierbei kann ich stolz sagen, dass wir die meisten Zertifikate weltweit besitzen. Besonders mag ich an meinem Job, die Mischung aus Hard- und Soft Skills, die erforderlich sind, um die technische Arbeit von internen und externen Parteien zu steuern, z. B. internes Engineering, Vertrieb, Produktmanagement, externe Sicherheitsprüflabore, Kunden, Regierungen und Mitbewerb. Vor allem letzterer ist relevant für die gemeinsame Arbeit an Sicherheitsstandards.

 

War Ihr Studium für Ihre heutige Tätigkeit hilfreich und welchen Einfluss hatte Ihr Studium auf Ihre berufliche Tätigkeit(en)?

Mein Studium bestand aus einem guten Mix aus technischen Themen, Wirtschaft und Verständnis für Entwicklungsprozesse. Vor allem letzteres hat sehr geholfen bei meinem Einstieg bei NXP, da andere Studien dies noch nicht abdeckten; da hatte ich einiges meiner Kollegen voraus. Mein Fokus auf Kryptographie und Sicherheit brachte mich schließlich zu meiner heutigen Tätigkeit. Die Doktorarbeit hat zudem geholfen, einen „scharfes Auge“ bei der Entwicklung sicherer Produkte zu bekommen, das von entscheidender Bedeutung ist. Schon der winzigste Fehler kann zu einem komplett unsicheren Produkt führen, welches dann aus dem Markt genommen werden muss. Das wiederum kann zu einem Verlust von mehreren hundert Millionen US-Dollar an Einnahmen führen, oder im schlimmsten Falls sogar das Aus für ein Unternehmen bedeutet. Man denke beispielweise an einen Sicherheitschip in Smartphones: wenn ein Chip auf einem Smartphone eine Sicherheitslücke auf Hardware-Ebene aufweist, dann müsste man alle betroffenen Mobiltelefone rückholen und komplett ersetzen (der Chip kann in der Regel nicht getauscht werden).

 

Fällt Ihnen eine nette Anekdote aus Ihrer Studienzeit ein?

Ich kann mich noch an eine lustige Situation erinnern, als eines Tages, während einer Pause, ein Professor auf die Toilette ging und vergaß das Mikrofon abzuschalten 😀

 

Würden Sie heute nochmal dasselbe studieren?

Ohne meinem Studium in Klagenfurt, hätte ich meine Frau nicht kennengelernt. Aufgrund dieser Tatsache ist die Antwort bereits eindeutig, nämlich JA :-). Abgesehen davon, war Klagenfurt als Studienstandort großartig, weil alles sehr persönlich war und der See in der Nähe einem immer das Gefühl von Urlaub gab. Die Lebensqualität war fantastisch. Alternativ würde ich heute vielleicht Telematik studieren, aber das liegt daran, dass ich zu Beginn bei NXP zu kämpfen hatte: die meisten Leute hatten Telematik oder Elektronik studiert. Vor allem Analog-Design war für mich eine doch komplett andere Welt. Für das Verständnis rund um Digital Design hat der Unterricht von Prof. Hellwagner geholfen, aber auch meine Studienzeit an der ETH Zürich.

 

Was würden Sie heutigen Studierenden mit auf den Weg geben?

Never give up. Mit einem starken Willen und jeder Menge harter Arbeit ist alles möglich. Ich hätte nie gedacht, dass ich so weit komme.

 

Was vermissen Sie aus Ihrer Studienzeit (an der AAU)?

Den See, die Campus-Atmosphäre, die Studentenpartys 🙂. Die Studienzeit war wirklich eine wunderbare und aufregende Zeit in meinem Leben.

Wort-Rap:

  1. Ein glücklicher AAU-Moment war… als ich das Rigorosum bestanden hatte.
  2. Aus Ihrer Studienzeit besitzen Sie noch… einige Bücher.
  3. Wer hat Sie inspiriert? Meine Kollegen Dieter Sommer, Markus Kohlweiss und Stefan Rass.
  4. Wenn Sie noch einmal studieren würden, würden Sie… alles noch einmal genau so machen wie ich es gemacht habe inklusive aller Fehler, denn nur aus Fehlern lernt man. Vielleicht würde ich ein bisschen mehr die Freizeitaktivitäten genießen. Ich war doch zu sehr auf das Studium fokussiert.
  5. Ihr Studium in 4 Worten: persönlich, aufregend, inspirierend, anstrengend