Die Wasserflasche finden, die kleine Waffe aber nicht: Forschung zur Rolle des Arbeitsgedächtnisses bei der Handgepäckskontrolle am Flughafen

Mit Hilfe von visueller Suche kann der Mensch bestimmte Objekte identifizieren, zum Beispiel kann eine Ärztin gefährliche Anomalien auf Röntgenbildern erkennen bzw. kann das Flughafensicherheitspersonal Gegenstände über das Röntgenbild im Handgepäck erkennen. Anna Conci, ÖAW-DOC-Stipendiatin am Institut für Psychologie, erforscht, welchen Einfluss das Arbeitsgedächtnis auf die Suchleistung hat.

Professionelle „visuelle Sucherinnen und Sucher“, darunter auch das Sicherheitspersonal, das das Handgepäck auf gefährliche Gegenstände scannt, sind entsprechend ausgebildet. Die Forschung zeigt aber eine entscheidende Schwachstelle, die auch Expertinnen und Experten betrifft: Wenn es zwei Gegenstände zu finden gibt, wird oft nur eines aufgespürt. Dies ist ein dramatisches Problem, beispielsweise, wenn zwar eine Wasserflasche gesichtet wird, aber eine Waffe nicht. Die psychologische Forschung hat dieses Phänomen mehrfach nachgewiesen.

Besonders, wenn unklar ist, wie viele Objekte gefunden werden müssen, spielt dieser Effekt eine entscheidende Rolle. „Die Wissenschaft ist sich noch nicht ganz einig darüber, warum dieses Phänomen auftritt und welche dahinterliegenden kognitiven Mechanismen dafür verantwortlich sind“, erklärt uns Anna Conci, Doktorandin am Institut für Psychologie. Sie untersucht derzeit, welche Effekte das Arbeitsgedächtnis auf die visuelle Suche haben. Ihre Hypothese: Optimale Geschwindigkeit und Genauigkeit bei der visuellen Suche wird durch „Objekte“ im Arbeitsgedächtnis verhindert. Sie möchte außerdem wissen, inwiefern eine Ähnlichkeit des Objekts im Arbeitsgedächtnis bessere oder schlechtere Suchleistungen im Verhältnis zu gänzlich unähnlichen Objekten zu Tage bringt.

Anna Conci hat dafür bereits umfassende Experimente mit Studierenden – sowohl in Klagenfurt als auch an der Fernuniversität Hagen, an der sie zuletzt beschäftigt war – durchgeführt. Die Heterogenität der Studierendenpopulation in Hagen habe es ihr auch erlaubt, eine aussagekräftige Gruppe zusammenstellen zu können. Zum Einsatz kam dabei unter anderem ein Eyetracker, mit dem die Blickbewegungen während der Suche aufgezeichnet wurden. Diese Daten lassen Rückschlüsse auf die kognitiven Prozesse bei der visuellen Suche zu. In den Studien wurden echte Bilder aus der Flughafensicherheitskontrolle verwendet. Diese Daten gelte es nun auszuwerten und die Ergebnisse in einem nächsten Schritt in Journal-Beiträgen zusammenzuführen.

Wir fragen Anna Conci danach, ob man ein Talent zur „visuellen Suche“ haben könne bzw. ob man mit der Zeit besser werde. Dazu kann sie bereits aus bisher abgeschlossenen Untersuchungen berichten: „In Hagen haben sich Studierende über 20 Tage hinweg selbst getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass man jeden Tag besser wird. Außerdem kann man auch nach einer 9-tägigen Pause bei fast derselben Suchleistung anknüpfen und sich weiter verbessern.“

Anna Conci ist aus Südtirol zum Studium nach Klagenfurt gekommen. Zur Wissenschaft kam sie eher per Zufall: „Merim Bilalić, der meine Doktorarbeit betreut, hat mir nach meinem Masterstudium eine Projektanstellung angeboten. Daraus hat sich in der Folge dann die Forschungsstelle an der Fernuniversität Hagen ergeben.“ Wissenschaftliche Arbeit macht ihr große Freude: „Das ist eine kreative Tätigkeit, man muss lösungsorientiert denken und es ergeben sich immer wieder neue Fragen.“ In der Vergangenheit hat sich die Karriere bis jetzt immer gut gefügt. So war sie in den letzten Jahren stark mit dem Schreiben von Forschungsanträgen beschäftigt, die ihrer Arbeit eine gute finanzielle Grundlage geben sollten. Zuletzt war sie damit erfolgreich: Als Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (DOC) ist sie am Institut für Psychologie angegliedert und kann sich in den kommenden zwei Jahren voll ihrer Forschungsarbeit widmen.

 

Auf ein paar Worte mit … Anna Conci

Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Wissenschaftlerin geworden wären?
Darüber habe ich noch nie so richtig nachgedacht. Wahrscheinlich hätte ich die Ausbildung zur Neuropsychologin gemacht.

Verstehen Ihre Eltern, woran Sie arbeiten?
Ich glaube das Thema ist für sie greifbar. Ob sie verstehen warum und wie ich das mache, da bin ich mir oft nicht so sicher.

Was machen Sie im Büro morgens als erstes?
E-Mails beantworten

Machen Sie richtig Urlaub? Ohne an Ihre Arbeit zu denken?
Es kommt darauf an, in welcher Phase meiner Arbeit ich mich gerade befinde.

Was bringt Sie in Rage?
Dreistigkeit

Und was beruhigt Sie?
Ein Aufenthalt bei meiner Familie in Südtirol

Wer ist für Sie die/der größte WissenschaftlerIn der Geschichte und warum?
Es gab sehr viele beeindruckende Menschen in der Vergangenheit. Marie Curie ist dafür sicher ein gutes Beispiel. Trotz schwieriger Umstände hat sie unfassbar viel erreicht.

Wovor fürchten Sie sich?
Menschen die mir wichtig sind zu verlieren

Worauf freuen Sie sich?
Auf die kleinen und großen Dinge, die das Leben für mich bereithält.