Veranstaltungshinweis 23. Juni 2022: Prof. Daniel Barben über DIE ENERGIEVERSORGUNG DER ZUKUNFT

Institutsvorstand Prof. Dr. Daniel Barben spricht bei der Veranstaltung „Die Energieversorgung der Zukunft“ an der AAU (23. Juni 2022, ab 18 Uhr, Stiftungssaal) über „Politik und Ethik nachhaltiger Energiezukünfte: Konjunkturen evidenzbasierten (Nicht)Handelns“. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist auch online möglich.

Nähere Information zur Veranstaltung finden Sie hier.

STS auf der Langen Nacht der Forschung 2022

Das Institut für Technik- und Wissenschaftsforschung (STS) präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse zur Digitalisierung.

Wie verändert Digitalisierung Zusammenarbeit in der Medizinforschung? Wie macht Digitalisierung uns verwandt? Und überhaupt: Was haben Schweinsohren mit Digitalisierung zu tun?

Kinder, Jugendliche und Erwachsene probierten im Datenbankspiel wie die Suche nach den passenden Forschungsmaterialien mit dem Katalog des europäischen Netzwerks für Proben- und Datenbanken in der Medizinforschung (BBMRI-ERIC) funktioniert. Diese digitale Infrastruktur hat das Ziel, Qualität und Prozesse von Biobanken in Europa zu vereinheitlichen und Austausch zu vereinfachen.

Trotz großer Bemühungen der Besucher*innen der Langen Nacht der Forschung, ließ sich das Gesuchte analog manchmal aber nicht finden – ganz so wie in der digitalisierten Forschungspraxis, erklärte Erik Aarden.

Julia Malik führt in das Datenbankspiel ein. (Foto: Helene Sorgner)

Digitalisierte Verwandtschaftsmessungen, wie etwa Gentests, versprechen mit Wahrscheinlichkeiten von Vaterschaft oder Prozentsätzen von ethnischer Zugehörigkeit Präzision. Doch auch diese scheinbar objektiven Messergebnisse sind umkämpft: Welche Datenbanken wurden für die vergleichende Berechnung herangezogen? Anstatt eindeutige Ergebnisse zu liefern, fügen neue Messungen außerdem weitere Bedeutungsebenen durch zusätzliche Indikatoren hinzu.

Beim Stammbaumzeichnen mit Erik Aarden. (Foto: Helene Sorgner)

An den Tischen mit Genealogien, DNA-Analysen, Blutgruppentests, Fotos, Dokumenten, Anruflisten, Geldscheinen, Zahnbürsten und Hochzeitskleidung wunderten sich Jung und Alt über die Vielfalt der Indikatoren, mit denen weltweit Verwandtschaft gemessen wird, um über Zugehörigkeit und damit über Rechte, Pflichten und Zugang zu Ressourcen zu entscheiden.

Christof Lammer berichtet, dass sich in Ritualen im nördlichen Laos, in denen Geister über die Zugehörigkeit eines Kindes zum Haus der Mutter entscheiden, viele Gespräche um Quantitäten drehen: Wie viel ist das geopferte Schwein wert? Wurde von allen Teilen auch genug gegeben, vor allem vom zähen Schweinsohr, von dem es am schwierigsten ist, etwas herunterzureißen? Diese Diskussionen verweisen darauf, dass angenommen wird, dass die Geister auch Verwandtschaft messen, selbst wenn deren Messungen für die Menschen nicht direkt zugänglich sind – ähnlich wie für viele Nutzer*innen Gentests eine „Black Box“ bleiben. (Foto: Helene Sorgner)

Neuerscheinung! Sonderheft zu „Messungen von Verwandtschaft und Aushandlungen von Zugehörigkeit“

Messungen von Verwandtschaft strukturieren ökonomische und politische Ungleichheiten weltweit. Obwohl sie weit verbreitet sind, werden sie selten als solche wahrgenommen.

Hinter scheinbar eindeutigen Messergebnissen, beispielsweise aus genetischen Vaterschaftstests, stecken komplexe Prozesse und viele kleine Entscheidungen mit großen Auswirkungen. Indikatoren von Verwandtschaft als Nähe oder Ähnlichkeit werden erfunden und durch überzeugende Visualisierungen etabliert; Messeinheiten wie Verwandtschaftsgrade auf Genealogien werden unterschiedlich definiert; Beweise werden gesammelt, versteckt oder zerstört, für Entscheidungen zugelassen oder auch nicht; verschiedene Messungen werden miteinander kombiniert oder gegeneinander ausgespielt; Grenzwerte werden hinauf- oder herabgesetzt. All diese Praktiken haben Auswirkungen – teilweise tödliche – auf Aushandlungen von Zugehörigkeit: von der Familie, über Ethnizität, Nationalität und „Rasse“ bis hin zur Menschheit an sich.

Das Sonderheft „Measuring Kinship“ (Social Analysis 65:4), herausgegeben von Christof Lammer (Klagenfurt) und Tatjana Thelen (Wien), untersucht diese Produktivität von Verwandtschaftsmessungen anhand von sieben Beiträgen aus Afrika, Asien, Europa und Nordamerika. Diese beleuchten Messungen hinter Einwanderungsbeschränkungen und Zwangssterilisation, inklusiven Neudefinitionen von Nationalität, Versicherungsleistungen für Opfer von Verkehrsunfällen, Bewertungen von Gesundheitsrisiken sowie Entscheidungen über Erbschaften und Pflegeleistungen. Die Vielfalt der Messungen in Bürokratie, Recht, Medizin und Ritual zeigen, dass letztlich fast alles zu Indikatoren von Verwandtschaft gemacht wurde bzw. werden könnte: von der Ähnlichkeit von Namen, über Blutgruppen und DNA bis hin zur Anzahl von Zahnbürsten im Badezimmer oder im Körper abgelagerten toxischen Chemikalien.

Das gesamte Sonderheft ist hier frei zugänglich.

Christof Lammer ist Postdoc-Assistent am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung der AAU.

Neuerscheinung! Wie entstehen individuelle Doktorarbeiten in kollaborativen Forschungsprojekten?

In ihrer Studie „Constructing Doable Dissertations in Collaborative Research: Alignment Work and Distinction in High-Energy Physics Settings” untersucht Helene Sorgner die „Machbarkeit“ individueller Doktorarbeiten in einer Forschungskollaboration mit mehreren tausend Mitgliedern.

Link zur Publikation: https://sciencetechnologystudies.journal.fi/article/view/109709

Neuerscheinung! “Samples Are Precious”: Value Formations in the Potentiality and Practices of Biobanking in Singapore (Erik Aarden)

Biobanking in Singapore is characterized by contested relations between funding ambitions and research practices, and different notions of what the (potential) value of storing samples and data for medical research is. Different biobanking efforts anticipate the production of public goods from stored materials in specifically situated ways. These efforts to produce public goods in the form of scientific and economic value can be fruitfully understood in terms of extraction, a complex sociotechnical process of retrieving (potential) value from raw materials, which both informs and is informed by specific social values. In exploring the extraction of potential value in relation to practice values, I propose the notion of value formations to account for the coproduction of and intersections between different forms of value(s) in scientific practices situated in particular social contexts. I trace value formations across the life span of biobanking collections, which range from recruitment, collection, and processing of samples to their storage, retrieval, and use. Observations along this life span show the social and temporal complexity of value-making in biobanking in Singapore, pointing to the contextual specificity of how biobanking is understood as a public good.

weitere Info: https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/01622439211069129

 

Neuerscheinung! Jenseits von Wahrheitsmaschinen: Computermodelle in der Politik (Webinar) am 20.12.2021, 19:00 – 20:30 Uhr

Ob Klimawandel, Pandemie oder Energiewende – Computermodelle geben wichtiges Entscheidungswissen für Politik und Gesellschaft. Anhand aktueller Beispiele zeigt der Vortrag die unterschiedlichen Rollen und Funktionen von Modellen in der politischen und öffentlichen Debatte auf und fragt, welche Chancen und Herausforderungen mit dem zunehmenden Einsatz von Modellen in der Politik(beratung) verbunden sind.

  • Veranstalter:  Planetarium
  • 20.12.2021, 19:00 – 20:30 Uhr
  • Kursleitung: Dr. Anja Bauer MA

Anja Bauer ist Politikwissenschaftlerin und derzeit Assistenzprofessorin am Institut für Technik- und Wissenschaftsforschung der Universität Klagenfurt. Sie forscht und lehrt insbesondere zum Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit.

mehr Information unter: https://www.vhs.at/de/k/292582811

 

Verantwortungsvolle Forschung und Innovation: (Neue) Anforderungen und Herausforderungen für gesellschaftliche Beteiligung.

Anja Bauer, Alexander Bogner & Daniela Fuchs (2021): Rethinking societal engagement under the heading of Responsible Research and Innovation: (novel) requirements and challenges, Journal of Responsible Innovation, https://doi.org/10.1080/23299460.2021.1909812

Abstract:

Societal engagement is a key dimension of Responsible Research and Innovation (RRI), aiming at making science, technology and innovation more transparent, interactive and responsive. Within this article, we identify and discuss the specific requirements and challenges for societal engagement under the heading of RRI along five dimensions. First, engagement aims at shaping research and innovation in a socially robust manner. Second, RRI demands a balanced representation of and a balanced view by various actor groups. Third, RRI emphasises engagement moving upstream as well as continuous engagement. Fourth, RRI focusses on forms of invited participation and calls for two-way interactions. Fifth, with the emphasis on ethics as a driving force, RRI favours specific framings of research and innovation. In conclusion, two intertwined challenges arise for societal engagement under RRI: making the political character of science and technology explicit and therefore paying particular attention to framing in ‘invited participation’.

Bauer A, Bogner A. Let’s (not) talk about synthetic biology: Framing an emerging technology in public and stakeholder dialogues. Public Understanding of Science. 2020

Abstract

Synthetic biology is an emerging technoscience, which, so far, lacks a broader public debate. To foster early societal dialogue, a range of public engagement events have been initiated over the past decade. This article discusses the configurations of the emerging debate on synthetic biology in the context of the EU FP7 project SYNENERGENE. Drawing on notions of frames and framing in media studies and policy analysis, we ask which distinct frames are invoked and become dominant in current discussions about synthetic biology. Our analysis indicates significant reconfigurations in the framing of synthetic biology compared with previous biotechnology debates. Frames that traditionally served to problematize biotechnology, that is, ethics, risks, and economics, become less dominant. Instead, the potential to contribute to social progress is placed in the foreground. Moreover, discussions on ethics, risks, and governance frequently occur on an abstract level, invoking generic statements that could be made for any new technology.

https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0963662520907255

Vorausschauende Governance für Klimaexperimente

 

Paper: Anticipatory Governance of Climate EngineeringBarben, Daniel; Matzner, Nils (2020): Anticipatory Governance of Climate Engineering. In Hans von Storch (Ed.): Oxford Research Encyclopedia of Climate Science: Oxford University Press.

Abstract (DE)

„Antizipatorische Governance“ zielt darauf ab Forschung und Entwicklung in einem frühen Stadium, lange bevor soziale Impacts sichtbar werden. Der Artikel stellt Antizipatorischer Governance von Climate Engineering (CE) in den Zusammenhang von frühen Formen der Governance von Wissenschaft, im Entstehen begriffenen Technologien und vorausschauenden, inklusiven und deliberativen Maßnahmen. Der Artikel diskutiert, wie and warum CE als Möglichkeit in Betracht gezogen wird, nachdem das Abkommen von Paris 2015 zu einer fragmentierten Klimapolitik geführt hat. Angesichts der Wichtigkeit von Klimawandel, werden Ansätze von Antizipatorischer Governance notwendig, um Wissenschaft und Innovation als Möglichkeiten des globalen Wandels zu nutzen, welche eine verantwortliche Transformation zu einer kohlenstoffneutralen Gesellschaft ermöglichen sollen.

Abstract (EN)

„Anticipatory governance“ has gained recognition as an approach dedicated to shaping research and development early on, that is, long before technological applications become available or societal impacts visible. This article places debates about the anticipatory governance of climate engineering (CE) into the context of earlier efforts to render the governance of science, emerging technologies, and society more forward-looking, inclusive, and deliberative. The article discusses how and why CE has become subject to change in the aftermath of the Paris Agreement of 2015, leading to a more open and more fragmented situation. Considering the particular significance of climate change, approaches to anticipatory governance of CE need to be scaled up and reframed, from guiding research and innovation to meeting a global challenge, from creating capable ensembles in research and innovation to facilitating societal transformation toward carbon neutrality.

 

Daniel Barben ins Kuratorium des FWF gewählt

Daniel Barben, Professor für Technik- und Wissenschaftsforschung und Institutsvorstand des gleichnamigen Instituts an der Universität Klagenfurt, wurde ins Kuratorium des FWF gewählt. Für die Funktionsperiode 2020 bis 2023 wird er als stellvertretender Referent für das Wissenschaftsgebiet 3 – Soziologie und interdisziplinäre Sozialwissenschaften zuständig sein.

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