Forschung
Am Institut für Gesellschaft, Wissen und Politik hinterfragen wir Selbstverständliches: seien es dominante Annahmen, politische Normativitäten oder wissenschaftliche Konzepte, einschließlich solcher aus den Sozialwissenschaften. Die Forschung am Institut betont die Situiertheit, Prozesshaftigkeit und Kontingenz soziotechnischer Konfigurationen sowie des Wissens, das durch und über diese erzeugt wird. Durch die kritische Auseinandersetzung mit den Friktionen, Praktiken und Werten in der Erzeugung von Kategorien, Fakten, Technologien und Infrastrukturen, verfolgen wir deren vielfältige gesellschaftliche und politische Auswirkungen.
Mit einem Team, das fachliche Hintergründe in Soziologie, Wissenschafts- und Technikforschung (STS), Sozialanthropologie, Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie bündelt, verfügt das Institut über vielfältige theoretische und methodische Kompetenzen für die Erforschung von Gesellschaft, Wissen und Politik: gesellschaftstheoretisch fundiertes Design komparativer Forschungsprojekte; ethnografische Theoretisierung basierend auf langfristiger teilnehmender Beobachtung; Interviews, Fallstudien, Diskursanalyse, Fragebogenerhebungen sowie Technikfolgenabschätzung.
Nachhaltigkeit hinterfragen:
Sozialökologische Gerechtigkeit fördern
Wissenschaft als Kultur & Praxis denken:
Interdisziplinären Dialog ermöglichen
Wissen & Demokratie erforschen:
Politiken der Expertise neu beleuchten
Infrastrukturen sichtbar machen:
Werte und Ungleichheiten aufdecken
Thematisch konzentriert sich die Forschung des Instituts besonders auf Nachhaltigkeit, Wissenschaft als Kultur und Praxis, Wissen und Demokratie sowie Infrastrukturen. Themenübergreifend ist dabei die Orientierung auf globale Herausforderungen menschlichen Lebens und Überlebens sowie auf die Aushandlung möglicher Zukünfte, wie sie aus wissenschaftlich-technischem und gesellschaftlichem Wandel resultieren können.
Nachhaltigkeit neu denken
Soziale und ökologische Gerechtigkeit fördern
Das heute scheinbar allgegenwärtige, aber umstrittene Konzept von Nachhaltigkeit bezieht sich häufig auf die Frage, wie aktuelle Umweltprobleme so bearbeitet werden können, dass ein „gutes Leben“ im ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Sinne in der Gegenwart und Zukunft gewährleistet wird. Forschung und Lehre am Institut hinterfragen die Ursprünge und Ausprägungen des Konzepts, seine Verbindung mit fortlaufendem Extraktivismus und seine Verstrickung in die Aufrechterhaltung ungleicher Beziehungen statt deren Transformation. Anstatt vorauszusetzen, was nachhaltig ist und was nicht, oder was Nachhaltigkeit bedeutet, untersuchen wir, was verschiedene Akteure als Nachhaltigkeit verstehen, praktizieren und wertschätzen: Wie werden verschiedene Arten von Daten und Wissen erzeugt, um Umweltbedrohungen zu verstehen? Wie werden bestimmte Bewältigungsstrategien und vereinfachende technologische „Schnelllösungen“ vorgeschlagen, entwickelt, eingesetzt und in Frage gestellt? Wie interagieren wissenschaftliche, politische und zivilgesellschaftliche Institutionen bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien? Und wie können diese Prozesse reflexiver, inklusiver und gerechter gestaltet werden? Unsere Forschungsinteressen umfassen eine Reihe von Nachhaltigkeitsprojekten wie den Übergang zu erneuerbaren Energien, den Schutz der Biodiversität, Climate Engineering sowie die städtische und regionale Entwicklung hin zur Klimaneutralität. Während wir an dieser kritischen, analytischen Haltung festhalten, treten wir angesichts der jüngsten politischen Gegenbewegungen, die Nachhaltigkeitsbemühungen in Frage stellen, für soziale und ökologische Gerechtigkeit ein.
Projekte
Drittmittelprojekte
Laufend
- Banking on zoos for conservation?
Finanzierung: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Forscher: Erik Aarden
Zeitraum: Mai 2025-April 2028
- Panda Belonging: Kinship Measurements and Life’s Value in Species Conservation
Finanzierung: Fellowship am Käte Hamburger Kolleg inherit – Heritage in Transformation, HU Berlin, 2024-2025
Forscher: Christof Lammer
Zeitraum: 2023-2026
Abgeschlossen
- Reflexive Governance in a Changing Climate: How to Address Uncertainties in Transformation Strategies?
Finanzierung: Austrian Climate Research Program, 8th Call
Forscher: Daniel Barben (PI); mit Christoph Görg (Soziale Ökologie AAU/BOKU)
Zeitraum: 2016-2020
- Responsible Research and Governance at the Science-Policy Nexus of Climate Change: New Discourses, Epistemic Communities and Climate Policy Regimes through Climate Engineering?
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): Priority Program 1689
Forscher:innen: Daniel Barben; mit Silke Beck (UFZ Leipzig)
Zeitraum: 2017-2019
- Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities?
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): Priority Program 1689
Forscher: Daniel Barben (Co-PI); Koordinator: Andreas Oschlies (GEOMAR Kiel)
Zeitraum: 2012-2019
- How to Meet a Global Challenge? Climate Engineering at the Science-Policy Nexus: Contested Understandings of Responsible Research and Governance
Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): Priority Program 1689
Forscher:innen: Daniel Barben; mit Nina Janich (TU Darmstadt)
Zeitraum: 2013-2016
Weitere Projekte
Laufend
- Making meanings of biodiversity: Species monitoring and science communication at two Austrian biosphere reserves
Forscher: Erik Aarden - Digitalization and Sustainability: Challenges, Potentials, Strategic Visions
Forscher:innen: Daniel Barben, mit Katharina Kinder-Kurlanda (Digital Age Research Center, Universität Klagenfurt) - Endangered Planet and Ways of Life: Futures Expertise and Un/Sustainable Transformations
Forscher: Daniel Barben - Sustainable Bioeconomy and Societal Transformation
Forscher: Daniel Barben
Wissenschaft als Kultur & Praxis erforschen
Interdisziplinären Dialog ermöglichen
Zentrale Themen sind das Zusammenspiel und die Grenzen zwischen den vielfältigen Kulturen und Praktiken der Sozial-, Kultur- und Naturwissenschaften, die gesellschaftliche Bedeutung der Hochschulen als Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie die medial vermittelte Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse. Unterschiedliche Wissenschaftskulturen werden in historischen und aktuellen Analysen auf ihre Strategien des Wissenserwerbs, ihre sozialen Formen und symbolischen Repräsentationen hin untersucht. Damit wird ein disziplinenübergreifender Dialog zwischen den unterschiedlichen sozial- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven befördert.
Projekte
Drittmittelprojekte
Laufend:
Producing Novelty and Securing Credibility in LHC Experiments
Finanzierung: Österreichischer Wissenschaftsfonds (FWF)
Forscherinnen: Martina Merz (PI), Daria Jadreškić, Helene Sorgner
Zeitraum: 2016 – 2024
Abgeschlossen:
Transnationale Ansätze und multi-perspektivische Methoden in der Geschichtsvermittlung
Finanzierung: Europäische Kommission
Forscherin: Angelika Brechelmacher (PI)
Zeitraum: 2020 – 2023
Interactive Comprehensive Tool for Holocaust Education
Finanzierung: Erasmus+
Forscherinnen: Angelika Brechelmacher (co-PI); with Regina Wonisch
Zeitraum: 2016 – 2019
PhD Projekte
Laufend:
Zwischen Fakt und Fiktion: Erzählen im mathematischen Sachbuch
Forscherin: Martina Gröschl
Subjektivieren und bewerten: Das Curriculum Vitae im Alltag der Wissenschaft
Forscher: Markus Tumeltshammer
Abgeschlossen:
Establishing Credibility in Large Research Collaborations: The Case of Junior Researchers at the LHC
Forscherin: Helene Sorgner
Governance of academic careers in Austria: A history of career paths, modes of employment and appointment procedures at Austrian universities from 1365 to 1920
Forscherin: Elke Welp-Park
Weitere Projekte
Laufend:
Evaluating a detector: Technical review in a High-Energy Physics collaboration
Forscherinnen: Daria Jadreškić & Martina Merz
Science and Socialist Modernity in Yugoslavia
Forscher: Vedran Duančić
Zeitraum: 2022–2028
Epistemic Risk and Technology Development
Forscherinnen: Daria Jadreškić; mit Marianne van Panhuys (KIT)
Biomedical Research and Societal Values
Forscher:innen: Daria Jadreškić; mit Vanja Pupovac (University of Rijeka)
Abgeschlossen:
Knowledge Production and Dissemination in State Socialist Eastern Europe [https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13507486.2023.2184679]
Forscher: Vedran Duančić mit Réka Krizmanics (Universität Bielefeld)
Zeitraum: 2019–2023
Wissenschaftlische Politikberatung: Eine Fallstudie zur Leopoldin
Forscher:innen: Martina Merz (co-PI); mit Eva Bärlosius (Universität Hannover) & Stefan Böschen (RWTH Aachen)
Zeitraum: 2019 – 2021
Interdisciplining the University: Prospects for Sustainable Knowledge Production
Forscher:innen: Martina Merz; mit Mikko Salmela (PI, Universität Helsinki) & Miles MacLeod (Universität Twente)
Zeitraum: 2016 – 2021
Geography and Nationalist Visions of Interwar Yugoslavia [https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-030-50259-1]
Forscher: Vedran Duančić
Zeitraum: 2016–2020
Wissen & Demokratie untersuchen
Politiken der Expertise neu beleuchten
Demokratie, wörtlich die „Volksherrschaft“, ist ein umstrittener Begriff für verschiedene Praktiken und Prozesse, die von einem engen Fokus auf die Wahl von Herrschenden bis hin zu umfassenderen Vorstellungen über das Recht auf Transparenz und Beteiligung an allen möglichen Entscheidungsprozessen reicht. Seit der Entstehung des Fachgebietes STS ist die Wechselwirkung zwischen Wissenschaft, Technik und Demokratie ein zentrales Thema. STS hat insbesondere unerwartete Auswirkungen von Wissenschaft und Technik auf die Demokratie aufgedeckt und die Demokratisierung von Wissenschaft und Technologieentwicklung gefordert. Angesichts hartnäckiger Unzulänglichkeiten technokratischer Entscheidungen sowie der jüngsten populistischen Angriffe auf wissenschaftsbasierte Politik leistet die Forschung des Instituts aktuelle Beiträge zu Debatten über die Politik der Expertise. Die Forschung am Institut reflektiert kritisch die Diskurse, Akteure/Akteurinnen, Institutionen und Techniken, die Fachwissen für politische und gesellschaftliche Entscheidungsfindung produzieren, übersetzen, verhandeln und verbreiten. Durch Fallbeispiele wie Climate Engineering, Computermodellierung, Regionalexpertise, Wohlfahrt und der Governance großer Wissenschaftsprojekte beschäftigen wir uns mit globalen Herausforderungen.
Projekte
Habilitation
Laufend
- Modeling for Policy Advice: Science, Power, and Opening
Forscherin: Anja Bauer
Weitere Projekte
Laufend:
Handbook on Knowledge Politics
Forscher:innen: Daniel Barben, Erik Aarden, Anja Bauer
Anthropology and China(s): Co-Constructions of Ethnographic and Academic Regions
Funding: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Scientific Network
Forscher: Christof Lammer, mit Marco Lazzarotti (Universität Heidelberg) and Jean-Baptiste Pettier (Universität Erlangen-Nuremberg)
Zeitraum: 2021–2025
Infrastrukturen sichtbar machen
Praktiken, Werte und Ungleichheiten aufdecken
Infrastrukturen werden üblicherweise mit langlebigen und physischen Hintergrundstrukturen wie Straßen oder Brücken in Verbindung gebracht, von denen man annimmt, dass sie die notwendige Grundlage für das Funktionieren von Gesellschaft und Wirtschaft bilden. Die Forschung des Instituts hinterfragt kritisch solche gebauten Infrastrukturen, aber auch Informationsinfrastrukturen, beispielsweise Datenbanken, Standards und Klassifizierungen. Infrastrukturen ermöglichen oder beschränken nicht nur die Zirkulation von Menschen, Objekten und Ideen, sondern auch Formen der Wissensproduktion, Messung und Bewertung. Während Infrastrukturen häufig als selbstverständlich angesehen werden, unsichtbar bleiben und als neutral wahrgenommen werden, verkörpern sie durch Praktiken des Infrastrukturierens – Planung, Errichtung, Wartung und Nutzung – bestimmte Werte und Ziele. Infrastrukturen können Menschen ein- oder ausschließen und produzieren damit soziale Ungleichheiten. In Forschung und Lehre des Instituts geht es darum, wie Infrastrukturen durch Praktiken, Entscheidungen und Interpretationen entstehen und welche sozialen, politischen und materiellen Konsequenzen Infrastrukturen erzeugen. Wir untersuchen solche Fragen in so unterschiedlichen Bereichen wie Landwirtschaft, Medizin, digitaler Bürokratie und groß angelegten wissenschaftlichen Kooperationen.
Projekte
Drittmittelprojekte
Laufend
- Testing (bio)governance: A technology-centered comparison of the biomoralities at work in SARS-CoV-2 testing in Austria, the Netherlands, and the United Kingdom
Finanzierung: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Forscher: Erik Aarden (Leitung)
Zeitraum: 01.04.2024 – 31.03.2028
PhD Projekte
Laufend
- Classifying Citizens, Updating the State: How Practicing Digital Welfare Shapes Statehood in Colombia
Forscherin: Julia Malik
Finanzierung: Marietta Blau Stipendium hinzufügen
Zeitraum: 2022–2026
Weitere Projekte
Laufend
- Climate-Neutral and Smart Cities
Forscher: Daniel Barben - Urbanization, Agricultures, and Sustainable Development
Forscher: Daniel Barben
Abgeschlossen
- Infrastructures of Value: New and Historical Materialities in Agriculture
Forscher: Christof Lammer, mit André Thiemann (Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik)
Zeitraum: 2019–2023 - Measuring Kinship: Gradual Belonging and Thresholds of Exclusion
Forscher:innen: Christof Lammer, mit Tatjana Thelen (Universität Wien)
Zeitraum: 2018–2021
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