Literatur lesen, schreiben, erleben – ein kultureller Schwerpunkt mit Nachhaltigkeit

Doris Moser (Institut für Germanistik) und Dominik Srienc (Robert-Musil-Institut für Literaturforschung / Kärntner Literaturarchiv) sind gemeinsam mit Christine Haupt-Stummer und Andreas Krištof die Kurator:innen des Jahres der Literatur / Leto literature in Kärnten / Koroška 2026. Das Kurator:innenteam präsentiert gemeinsam am 11. Februar 2026 das umfassende Programm für das Jahr der Literatur / Leto literature ab 17:00 Uhr im Robert-Musil-Institut der Universität Klagenfurt. Die Eröffnung nimmt Landeshauptmann Peter Kaiser, Kulturreferent des Landes Kärnten vor.

Literatur ist mehr als nur Text. Sie ist ein sozialer Raum, ein Ort der Aushandlung, der Erinnerung und der Imagination. Sie entsteht im Schreiben, entfaltet sich im Lesen und gewinnt ihre gesellschaftliche Relevanz im Teilen, Diskutieren und Erfahren. Vor diesem Hintergrund rückt die Kulturabteilung des Landes Kärnten im Jahr 2026 Literatur ins Zentrum ihrer kulturellen Schwerpunktsetzungen. Initiiert durch den Fachbeirat des Kulturgremiums versteht sich das Jahr der Literatur / Leto literature nicht als singuläres Event, sondern als strukturgebender Prozess, der bestehende literarische Praktiken sichtbar macht, vernetzt und nachhaltig stärkt.

Kärnten / Koroška verfügt über eine außergewöhnlich vielfältige literarische Landschaft. Autor:innen unterschiedlichster Generationen, Sprachen und ästhetischer Positionen prägen diese Region ebenso wie eine Vielzahl von Institutionen, Verlagen, Festivals, Initiativen und Vermittlungsformaten. Diese Vielfalt ist historisch gewachsen, oft unabhängig von kulturpolitischen Zyklen, manchmal auch in bewusster Distanz zu diesen. Genau darin liegt ihre Stärke – aber auch ihre strukturelle Fragilität.

Das Schwerpunktjahr setzt hier an: Es will keine neue literarische Ordnung etablieren, sondern vorhandene Stimmen, Orte und Praktiken in Beziehung setzen und ihnen eine gemeinsame Sichtbarkeit geben. Ziel ist es, Literatur aus und in Kärnten / Koroška auf vielen Ebenen erfahrbar zu machen – zweisprachig oder mehrsprachig, generationenübergreifend, regional wie urban. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senior:innen sollen Literatur nicht nur konsumieren, sondern als lebendige kulturelle Praxis erleben: im öffentlichen Raum, in Bildungseinrichtungen, in Institutionen ebenso wie an unerwarteten Orten. Nachhaltigkeit ist dabei nicht nur ökologisch, sondern vor allem strukturell gedacht: Was im Jahr 2026 entsteht, soll über dieses Jahr hinaus wirksam bleiben.

Zwei zentrale Instrumente stehen stellvertretend für diese Ausrichtung. Das erste ist der Aufbau einer digitalen Plattform (literatur-platforma.at), die als dauerhaftes Rückgrat der literarischen Landschaft fungiert. Diese zweisprachige digitale Plattform bündelt erstmals alle relevanten Akteur:innen – von Autor:innen über Verlage und Vereine bis hin zu Festivals und Lesekreisen – und macht sie lokal und überregional zugänglich. Das Lexikon bietet biografische Informationen, Werkverzeichnisse und erlaubt eine differenzierte Suche. Ergänzt wird dies durch einen Serviceteil, der über Preise, Ausschreibungen und Stipendien informiert. Die Plattform, gestaltet vom Büro sensomatic, wird zu einem Archiv der Literaturlandschaft Kärntens und wird vom Musil-Institut gehostet und redaktionell betreut. Darüber hinaus versteht sich die Plattform während des Schwerpunktjahres als Produktions- und Vermittlungsraum. Ein kollektiver Schreibprozess begleitet das Jahr schreibend und ist auf der Plattform verankert. Langfristig ist der Ausbau zu einer Literaturvermittlungsplattform für den Alpen-Adria-Raum vorstellbar.

Das zweite zentrale Instrument ist das Literatura Mobil. Als mobile Vermittlungseinheit reagiert es auf die geringe flächendeckende Versorgung mit öffentlichen literarischen Angeboten, insbesondere in ländlichen Regionen. Es ist Popup-Bibliothek, Bühne und Treffpunkt zugleich. Es bringt Lesungen, Workshops und Aktionen direkt zu den Menschen – auf Dorfplätzen, Schulhöfen, bei Festivals, in Senior:innenheimen oder an Orten, an denen Literatur sonst kaum präsent ist. Gestaltet von breadedEscalope (Michael Moser), steht es symbolisch für eine literarische Nahversorgung. Das Programm des Literaturjahres speist sich wesentlich aus der Zusammenarbeit mit bestehenden Institutionen und Initiativen, die in einem Open Call eingeladen wurden, Programmwünsche zu formulieren; ausgewählte Projekte unterstützen wir finanziell und binden sie über die Präsenz des Literatura Mobil vor Ort ein. Grundlegend für das gesamte Schwerpunktjahr ist die konsequente Zweisprachigkeit sowie die Öffnung zu allen Communities in Kärnten / Koroška. Literatur wird hier nicht als exklusives Feld verstanden, sondern als Raum der Begegnung – über soziale, sprachliche und geografische Grenzen hinweg. Das Jahr der Literatur / Leto literature versteht sich somit als Einladung: zum Mitmachen, Mitdenken und Mitgestalten. Es setzt auf Kooperation statt Konkurrenz, auf Sichtbarkeit statt Vereinzelung – und auf Literatur als eine Praxis, sondern aktiv mitgestaltet.

Die Schwerpunktausgabe der BRÜCKE ist dem Leitthema Unsichtbare Literatur / Nevidna literatura gewidmet. Der einleitende Essay stammt von Davor Stojanovski, einem mazedonischen Autor, der seit längerer Zeit in Kärnten lebt und schreibt. Sichtbar wollen wir aber auch Übersetzer:innen machen und eine ganze Reihe von Menschen, die in Kärnten leben und literarische Texte in ihrer Herkunftssprache schreiben. Achtung: Kärnten / Koroška ist mindestens zwei- und mehrsprachig!

Zur Website des Jahres der Literatur / Leto literature in Kärnten / Koroška 2026

Doris Moser, Dominik Srienc, Christine Haupt-Stummer, Andreas Krištof