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18.-20.02.: STREICHUNGEN – Kreation aus Negation, Internationale Tagung

Die internationale Tagung STREICHUNGEN. Kreation aus Negation findet an der Universität Klagenfurt statt und wird vom Robert-Musil-Institut für Literaturforschung / Kärntner Literaturarchiv unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Anke Bosse organisiert.

Im Rahmen der Tagung wird eine Ausstellung zu Streichungen im Zentralgebäude der Universität stattfinden.

 

INFORMATIONEN und TAGUNGSPROGRAMM

ANMELDUNG

 

Streichungen gibt es nur da, wo es schon etwas gibt. Keine Streichung kommt ex nihilo, keine ist voraussetzungslos. Die Streichung ist eine Negation, die Spuren legt ‚in Bezug auf‘. Sie kann der Anfang von etwas Neuem sein und von einem negativen in einen kreativen Akt umschlagen. Die Streichung hat Aufforderungscharakter, sie ist affordance-in-interaction (N. Zillien und A. Bosse). Dies betrifft ihr Vorher, sie selbst und ihr Nachher.

Streichungen als „Performance-Akte der Textwerdung“ (A. Grésillon) wurden bisher vor allem anhand literarischer Text- und Schreibprozesse untersucht. Darüber möchten wir hinausgehen.
Denn die Streichung ist ein mit Schreiben interagierender Akt, den alle Schreibenden alltäglich vollziehen – meist so routiniert, dass seine Vielfalt und seine kreativen Effekte unreflektiert bleiben: Löschen, Tilgen, Durchstreichen, Überschreiben, Übermalen, Einklammern, Korrigieren, Ersetzen oder Reaktivieren des Gestrichenen und schließlich Auslösen von neuen Textteilen, von ganzen Texten. Darüber hinaus entwickelt jede:r Schreibende je individuelle Formen der Streichung, die selbstadressiert und (oft unbewusst) Aufforderungen sind.

Streichungen finden in allen Schriftsprachen und in allen Textsorten statt, aber auch in teilschriftlichen audio-visuellen Medien – von analog bis digital. Streichungen finden bereits beim Schreibenlernen statt, als Selbstkorrektur oder Korrektur durch Lehrpersonen, als Auslöser
neuer Texte. Streichungen sind Teil eines dynamischen (Selbst-)Bildungsprozesses. Streichungen finden als Verschiebungs-, Verdrängungs-, sogar Auslöschungsversuche in individuellen und kollektiven Erinnerungsprozessen statt und können Um- und Neuschreibungen initiieren.

Da, wo die Streichung eine bedeutungsvolle, zu deutende materiale Spur hinterlässt, setzen wir mit unserer Tagung an. Denn die schriftbezogene materiale Spur ermöglicht uns, Streichungen und ihre Effekte konkret zu untersuchen.

 

Die Vorträge der Tagung orientieren sich an folgenden Leitlinien:
• Ästhetik und Materialität der Streichung: Löschung, Radierung, Übermalung … Leerstellen …
• Streichungen im literarischen Schreibprozess und beim creative writing
• Streichungen als Operation in kollektiven Produktionsprozessen: Buch/Lektorat, Zeitschrift und Zeitung/Redaktion und in teilschriftlichen audio-visuellen Medien – bis hin zu Selbstzensur oder Zensur
• Streichungen im digitalen Schreiben und digitale Forensik
• Streichungen beim Schreibenlernen
• Streichungen beim Übersetzen
• Streichungen in individuellen und kollektiven Erinnerungsprozessen

18.02.: FRISCH GESTRICHEN! Ausstellungseröffnung

Vernissage der Ausstellung

FRISCH GESTRICHEN!

 

Mittwoch, 18. Februar 2026, 18 Uhr
Foyer der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Universitätsstraße 65–67
9020 Klagenfurt

 

Eröffnung: Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser, Rektorin Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Ada Pellert

Begrüßung: Univ.-Prof.in Dr.in Anke Bosse

Einführung: Dr. Elmar Lenhart

Performance: Verein zur Anregung des dramatischen Appetits – VADA

 


FRISCH GESTRICHEN!

Korrigieren, tilgen, löschen, überschreiben, durchstreichen und ersetzen in Manuskripten österreichischer Schriftsteller:innen
                                                                                                                                            

In Literaturarchiven werden einzigartige Zeugnisse einer Arbeit am Text gesammelt und bewahrt. Jeder Schaffensprozess ist auch davon geprägt, dass etwas weggenommen, reduziert und verändert, gelöscht, übermalt, verbessert, angestrichen und durchgestrichen, ersetzt, kassiert, getilgt, ausradiert, geext, abgetragen, beseitigt, entfernt, eliminiert oder gar annulliert, vielleicht auch nur ausgetauscht und substituiert wird. Was entsteht, ist oft das Ergebnis unzähliger Entscheidungen, die Spuren hinterlassen. Besonders deutlich wird das im Entstehungsprozess eines Buches. Bevor sich ein Manuskript zu einem perfekten Artefakt verdichtet, ist es ein lebendiges Dokument ständiger Überarbeitung. Die Sorgfalt der Autorinnen, die Erfahrungen der Lektor:innen, der geübte Blick der Korrektor:innen und das Gespür der Verleger:innen treffen zusammen.

Die Literaturausstellung FRISCH GESTRICHEN! wird im Rahmen der internationalen Tagung Streichungen – Kreation aus Negation (18.-20. Februar 2026) an der Universität Klagenfurt gezeigt und die Aula und das Foyer der Universität Klagenfurt in einen Manuskriptblätterwald verwandeln. Die Exponate sind großformatige Faksimiles und stammen von Autor:innen wie Friederike Mayröcker, Peter Handke, Ingeborg Bachmann, Christine Lavant, Gerhard Roth, Ödön von Horvath und vielen mehr. Sie zeigen die Korrektur- und Überarbeitungsphasen im Schreibprozess. Dabei handelt es sich meistenteils um Manuskripte, Notizen, Vorfassungen und Druckfahnen von literarischen Texten. Von ihren Autor:innen nicht zur Veröffentlichung bestimmt, haben sie dennoch die Zeit überstanden, wurden als Teil des kulturellen Gedächtnisses aufbewahrt und zeugen vom noch nicht fertigen Text, von der Arbeit an dem, was erst nach dem Prozess der Bearbeitung im vollendeten Zustand in den Bücherregalen steht.

Streichungen, ob als Löschung, Korrekturen oder Ersetzungen werden im digitalen Zeitalter zunehmend unsichtbar. Doch Manuskripte aus der Ära der Schreibmaschine offenbaren faszinierende Einblicke in die Denk- und Entscheidungsprozesse einer Textproduktion. Von der kleinen Geste der korrigierenden Streichung führt der Weg bis zur Überschreibung ganzer Texte durch Neufassungen oder intermediale Bezugnahmen. Gedächtnisinstitutionen bewahren den Ausgangstext, sei dies der Entwurf (Archiv) oder der Hypotext (Bibliothek), in seiner originalen Fassung und erhalten damit einen Status quo ähnlich einer Zeitkapsel.

Die Beispiele zeigen, wie Ödön von Horváth einen passenden Titel für sein Werk suchte, Peter Turrini den Regisseur:innen einen neuen Schluss für sein Theaterstück vorschlägt, Ingeborg Bachmann passiert ein seltsamer Fehler in einer Übersetzung von Giuseppe Ungarettis Gedicht und Josef Winkler sucht mit immer neuem Anlauf den perfekten Satz, während sich Ilse Aichinger dazu entschließt, den Krieg doch nicht in ihrer Kindheitserinnerung zu nennen.

 

Bild: Ingeborg Bachmann: Aus dem Manuskript zu „Malina“, Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

 

 

Eckdaten, Informationen, Beteiligte

Literaturausstellung „Frisch gestrichen!“ des Robert-Musil-Instituts für Literaturforschung/Kärntner Literaturarchivs (RMI/KLA)

mit einem Vermittlungsprogramm für Oberstufenschüler:innen

Ort: Aula und Foyer der Universität Klagenfurt

Zeit: 18.2.–9.3.2026 und 16.3.–27.3.2026

Die Ausstellung wird im Rahmen der internationalen Tagung Streichungen – Kreation aus Negation (18.-20. Februar 2026) an der Universität Klagenfurt gezeigt.

 

Kuratierung: Elmar Lenhart

Idee und Organisation: Elmar Lenhart

Gestaltung und künstlerische Intervention: Peter Karlhuber, Wien

Co-Kuratierung: Lorella Gassler

Bauten: Peter Karlhuber, Hannes Stockinger, Helga Reimair

Grafik: Gerhard Spring

Sekretariat, Assistenz: Elisabeth Platz

Mit Beiträgen von: Dominik Srienc, Anke Bosse, Natalia Lecce

Finanziert durch: Robert-Musil-Institut/Kärntner Literaturarchiv, Land Kärnten, BWKMS (Bundesministerium)

 

Von der Visuellen Kultur zur Ausstellungspraxis in der Kulturhauptstadt Europas: Absolventin Jolanda Inserra im Gespräch

Jolanda Inserra absolvierte das Studium Visuelle Kultur. Heute ist sie in Chemnitz tätig und organisierte sowie koordinierte Ausstellungen in der Kulturhauptstadt Europas 2025. Im Gespräch erzählt sie von ihren Erinnerungen an die Universität Klagenfurt und davon, welche Schlüsselqualifikationen aus dem Studium sie bis heute in ihrem Berufsalltag begleiten.

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Kriegstüchtig werden? Was bedeutet die Militarisierung für SchülerInnen, ihrer LehrerInnen und ihre Eltern?

Datum: 29. Jänner 2026
Uhrzeit: 14-17 Uhr
Ort: FLUCC, Praterstern 5, 1020 Wien

m Do, 29. Jänner 2026 diskutiert Claudia Brunner mit Schüler*innen, Lehrer*innen, Eltern und weiteren Interessierten, inwiefern auch Schule und Bildung ein Terrain der zunehmenden Militarisierung sind – und wie dieser Entwicklung widersprochen werden kann. Die Veranstaltung in Wien ist eine Initiative der Women’s International League for Peace and Freedom Austria in Kooperation mit %attac.

Dialogforum Bildung.Militarisierung.Gender