Einladung Gastvorträge: Prof. Dr. Alja Lipavic Oštir

Einladung des Instituts für Slawistik und des Instituts für Germanistik der AAU zu Gastvorträgen von Prof.in Dr.in Alja Lipavic Oštir  (Abteilung für Germanistik, Philosophische Fakultät, Universität Maribor, Slowenien / Lehrstuhl für Germanistik, Philosophische Fakultät, UCM, Trnava, Slowakei)

Marburger Deutsch – eine (fast) verlorene deutsche Sprachvarietät

09. Dezember 2025, 13.30–15.00 Uhr – Raum N.1.44

Zum Vortrag:

Wo wurde das Marburger Deutsch gesprochen, wer sprach es und welchen Status hatte diese Sprachvarietät? Welches Schicksal erlitt sie im Rahmen der ausgrenzenden Sprachpolitik – zum Teil nach 1918, vor allem aber nach 1945? Weil es heute nur noch wenig Sprecherinnen und Sprecher des Marburger Deutsch gibt, besprechen wir die Sprachpolitik in den einzelnen Familien der sog. Marpurger bzw. wie sie auf die veränderte politische Situation nach 1918 reagiert haben. In welchen Domänen und sprachlichen Kontexten pflegten diese Familien das Marburger Deutsch, und wie verhielten sie sich im Kontakt mit anderen? Welche Einstellungen und Identifikationen entwickelten sich? Und welche Rolle spielten außersprachliche Faktoren wie Migration, Medien und die Nähe zur österreichischen Grenze? Wir werden uns die Ergebnisse von Interviews ansehen und gemeinsam über Phänomene wie sprachliche Mimikry nachdenken. Und wir werden uns das Marburger Deutsch auch anhören.

Lipavic Oštir, Alja (2025): Marburger Deutsch aus heutiger Perspektive. Linguistic Minorities. 2025. (im Druck)

 

Furt na furt sta se kregala zaradi zoknov! Substandardsprachliche Germanismen heute im Osten Sloweniens

10. Dezember 2025, 17.00–18.30 Uhr – Raum N.0.18

ONLINE: https://us06web.zoom.us/j/89784270713?pwd=q4M4ybXS55Bcf43jHnxYO8LNH36oYe.1 

Meeting-ID: 897 8427 0713
Kenncode: 895216

Zum Vortrag:

Im Slowenischen, auch in der Standardsprache, gibt es zahlreiche Germanismen, deren wir uns gar nicht bewusst sind und die niemanden stören, weil sie nicht auffallen. In nichtstandardsprachlichen Varietäten hingegen gibt es viele Germanismen, die sehr wohl auffallen und von jenen, die die slowenische Sprache von fremden Einflüssen „reinigen“ wollen, nicht toleriert werden. Doch was geschieht in der Realität, im alltäglichen Sprachgebrauch? Natürlich verwenden wir Germanismen – doch zwischen den einzelnen Germanismen bestehen große Unterschiede. Während selbst Kindergartenkinder heute štrudl und knedl sagen, verschwinden Ausdrücke wie drotpiršna und aportdekl allmählich aus dem Sprachgebrauch. Wir werden uns die Ergebnisse von Studien aus der Steiermark, Kärnten und Prekmurje ansehen, deren Ziel es war, die Kenntnis und Verwendung nichtstandardsprachlicher Germanismen heute zu erforschen.

V slovenščini, tudi v knjižnem jeziku, obstaja veliko germanizmov, ki jih sploh ne opazimo in ki nikogar ne motijo, ker niso opazni. V neknjižnih zvrsteh jezika pa obstaja veliko germanizmov, ki so zelo opazni in jih tisti, ki želijo slovenski jezik „očistiti“ tujih vplivov, ne tolerirajo. Toda kaj se dogaja v resničnem življenju, v vsakdanji rabi jezika? Seveda uporabljamo germanizme – vendar med posameznimi germanizmi obstajajo velike razlike. Medtem ko danes celo otroci v vrtcu rečejo štrudl in knedl, izraze, kot sta drotpiršna in aportdekl, postopoma izginjajo iz rabe jezika. Ogledali si bomo rezultate študij iz Štajerske, Koroške in Prekmurja, katerih cilj je bil raziskati poznavanje in rabo nestandardnih germanizmov danes.

Lipavic Oštir, Alja (2017): Substandardsprachliche Germanismen im Slowenischen. Wien: LIT.

 

Je slovenščina pro-drop jezik ali non-pro-drop jezik?

11. Dezember 2025, 11:45–13.15 Uhr – Raum N.0.18

ONLINE: https://us06web.zoom.us/j/84287313226?pwd=9hggGgVOMhhquDge8xEfV8YzaAhJnH.1

Meeting-ID: 842 8731 3226
Kenncode: 286332

Zum Vortrag:

Stavki, kot so Jaz vam pošiljam seminarsko nalogo ali Kaj zdaj greš ti domov? se v slovenščini pogosto slišijo (in berejo), tudi v kontekstih, v katerih osebni zaimek ni poudarjen. Slovenščina je vendar pro-drop jezik, kako je torej mogoče, da se zaimki uporabljajo skoraj tako kot v non-pro-drop jezikih? Slovnica slovenskega knjižnega jezika takšno rabo zaimkov označuje kot odstopanje od norme in kot napako. Ali je torej vsakdanja raba jezika le neprevidno odstopanje od standardne jezikovne norme ali gre za pojav, ki se je v slovenskem jeziku razvil pod vplivom drugih jezikov, zlasti nemškega? Ogledali si bomo primere iz preteklosti in sedanjosti ter skupaj razmislili o tem jezikovnem pojavu.

Sätze wie Jaz vam pošiljam seminarsko nalogo oder Kaj zdaj greš ti domov? hört (und liest) man häufig im Slowenischen, und zwar auch in Kontexten, in denen das Personalpronomen nicht betont wird. Das Slowenische ist doch eine Pro-Drop-Sprache und wie kann es möglich sein, dass Pronomen fast so wie in Non-Pro-Drop-Sprachen verwendet werden? Die Grammatiken der Standardsprache bezeichnen einen solchen Gebrauch der Pronomen sowohl als Abweichung von der Norm als auch als Fehler. Ist der alltägliche Sprachgebrauch also nur ein achtloses Abweichen von der standardsprachlichen Norm, oder handelt es sich um ein Phänomen, das sich unter dem Einfluss anderer Sprachen – insbesondere des Deutschen – in der slowenischen Sprache entwickelt hat? Wir werden uns Beispiele aus der Vergangenheit und der Gegenwart ansehen und gemeinsam über dieses sprachliche Phänomen nachdenken.

Lipavic Oštir, Alja (2025): Pro-Drop-Sprache und Sprachkontakte am Beispiel des Slowenischen. Lingustica 2025/65. (im Druck)

 

Welche Sprache ist die schönste? Spracheinstellungen der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in Slowenien und in der Slowakei

11. Dezember 2025, 17.00–18.30 Uhr – Raum N.1.43

ONLINE: https://classroom.aau.at/b/sch-2l8-g2s-bbf

Zum Vortrag:

Wie nehmen die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten aus Slowenien und aus der Slowakei die Sprachen und einige Sprachvarietäten in ihrer Umgebung wahr, welche Präferenzen entwickeln sie und welche Identifikationen sind bemerkbar? Mithilfe einer Umfrage und mithilfe eines Forschungsinstruments mit dem Namen Sprachkarten wurden allgemeinlinguistisches, sozio- und psycholinguistisches Wissen, Stereotype, Präferenzen und Identifikationen mit Sprachen und Sprachvarietäten quantitativ und qualitativ analysiert. Wir werden über Ergebnisse sprechen und über deren Ursachen nachdenken, wobei wir beide Länder vergleichen und auch nach Gründen für die Unterschiede in ihrer Sprachpolitik und ihren sprachlichen Traditionen suchen werden.

Lipavic Oštir, Alja/Muzikářová, Milina (2021): Über Sprachen aus der Perspektive von Gymnasiast*innen aus Slowenien und aus der Slowakei. Maribor: University of Maribor, University Press.

Einladung Online-Gastvortrag: Zusammengesetzte Indefinitpronomen in den slavischen Sprachen: Korpusbasierte Untersuchung der Grammatikalisierung und Distribution“ – Prof. Dr. Björn Hansen und Dr. Roman Fisun

Einladung des Instituts für Slawistik der AAU zum Online-Gastvortrag von Prof. Dr. Björn Hansen und Roman Fisun (Universität Regensburg, Institut für Slavistik) zum Thema

„Zusammengesetzte Indefinitpronomen in den slavischen Sprachen: Korpusbasierte Untersuchung der Grammatikalisierung und Distribution“

mit anschließender Diskussion

04. Dezember 2025, 13.30–15.00 Uhr – ONLINE

Zum Vortrag:

Pronomen gelten gemeinhin als geschlossene Wortart. Bei Indefinitpronomen trifft dies jedoch nur eingeschränkt zu: Neben den „klassischen“ Formen wie russ. kto-tokto-libo usw. entstehen in vielen slavischen Sprachen fortlaufend neue, aus mehreren orthografischen Wörtern bestehende Ausdrücke der Indefinitheit. Beispiele wie russ. neizvestno kto („unbekannt wer“) zeigen, dass diese zusammengesetzten Indefinitpronomen in denselben Kontexten auftreten können wie traditionelle Formen – sie werden jedoch in der Forschung bislang kaum systematisch berücksichtigt. In ihrem Vortrag präsentieren Hansen und Fisun zentrale Ergebnisse des Projekts zu zusammengesetzten Indefinitpronomen in slavischen Sprachen. Ausgehend von umfangreichem Korpusmaterial und unter Anwendung quantitativer wie qualitativer Methoden stellen sie ein möglichst vollständiges Inventar slavischer zusammengesetzter Indefinitpronomen vor und analysieren den Grad ihrer Grammatikalisierung mithilfe spezifizierter Sub-Kriterien (nach grammatikalisierungstheoretischen Modellen), ihre distributionale Verbreitung und semantische Eigenschaften. Damit füllt der Vortrag eine Forschungslücke im Bereich der slavischen Indefinitpronomen und eröffnet neue Perspektiven für vergleichende und typologische Studien.

Zu den Vortragenden:

Prof. Dr. Björn Hansen leitet am Institut für Slavistik der Universität Regensburg den Lehrstuhl für slavistische Linguistik. Seine Forschungsschwerpunkte sind u. a. Grammatikalisierung, Syntax und Semantik slavischer Sprachen, Sprachwandel und Sprachkontakt. Unter seiner Leitung wurde das Projekt „Zusammengesetzte Indefinitpronomen in slavischen Sprachen. Ein Beitrag zur semantischen Karte der Indefinitheit der zweiten Generation“ durchgeführt (DFG, 2019–2023). Zurzeit leitet er das linguistische Teilprojekt „Spricht die Kirche eine eigene Sprache? Säkulare und religiöse Korruptionslexik im Russischen (1856–1917 und 1991–2023)“ im Rahmen des DFG-Verbundprojekts „Korruption und Religion: Das orthodoxe Christentum in Russland und Serbien“ (gemeinsam mit Prof. K. Buchenau und Prof. T. Steger).

 

Roman Fisun forscht ebenfalls am Institut für Slavistik der Universität Regensburg. Davor studierte er Russistik an der Lomonossow-Universität in Moskau sowie Slavistik an der Universität Regensburg. In 2024 verteidigte er seine Doktorarbeit zum Thema „Zusammengesetzte Indefinitpronomen in den slavischen Sprachen“. Sein wissenschaftliches Interesse gilt der Grammatikalisierung, Pronominalsyntax und der typologischen sowie korpuslinguistischen Analyse slavischer Sprachen.

Zoom-Meeting:
https://us06web.zoom.us/j/81427756699?pwd=XailuNqMQE15Y8qVFoWS61mBxVd3Wc.1

Meeting-ID: 814 2775 6699
Kenncode: 842473

Einladung Gastvortrag: „Dopune i dodatci“ – Dr.in Ivana Brač Zum Ende der Metadaten springen

Einladung des Instituts für Slawistik der AAU zum Gastvortrag von Dr.in Ivana Brač (Institut za hrvatski jezik, Zagreb) zum Thema

„Dopune i dodatci“

mit anschließender Diskussion

13. November 2025, 11.45–13.15 Uhr – Raum N.0.18

Zum Vortrag:

Im Rahmen des Vortrags Dopune i dodatci bringt Dr.in Ivana Brač ihr Expertenwissen zur syntaktischen Struktur von Argumenten und Adjunkten im kroatischen Sprachsystem ein – insbesondere zu deren Darstellung in südslawischen Grammatiken und zu den theoretischen Problemen ihrer Abgrenzung.

 

Zur Vortragenden:

Dr.in Ivana Brač (Institut za hrvatski jezik, Zagreb) hat 2017 zum Thema Sintaktička i semantička analiza besprijedložnoga instrumentala u hrvatskom jeziku promoviert. Seit mehreren Jahren forscht sie auf den Gebieten der kroatischen Syntax und Semantik, mit Schwerpunkt auf Valenz- und Kasusführungen sowie deren Darstellung in der kroatischen Grammatik. Derzeit leitet sie zwei Forschungsprojekte: Semantičko-sintaktička klasifikacija glagola u hrvatskom jeziku (HRZZ, 2023–2027) und Hrvatske glagolske valencije – Verbion (NextGenerationEU, 2023–2027).

Einladung Online-Gastvortrag: „Neue Kontexte von Sichtbarkeit und Präsenz des Burgenländischkroatischen“ – Assoc. Prof.in Dr.in Katharina Tyran (Universität Helsinki)

Der Fachbereich Slawistik der Universität Salzburg und das Institut für Slawistik der Universität Klagenfurt laden herzlich zum Online-Gastvortrag im Rahmen des Seminars Minderheiten ein.

Neue Kontexte von Sichtbarkeit und Präsenz des Burgenländischkroatischen

Assoc. Prof.in Dr.in Katharina Tyran

(Universität Helsinki)

Freitag, 9. Mai, 11:45 Uhr, online

Lange Jahre stand der ‚Kampf‘ um zweisprachige Ortstafeln im Zentrum vieler Sprachaktivist*innen des Slowenischen in Kärnten und Kroatischen im Burgenland. Als diese im Jahr 2000 schließlich im Burgenland aufgestellt wurden, schien die Forderung nach mehr Sichtbarkeit erfüllt. Doch der Begriff ‚topographische Aufschriften‘ kann breiter ausgelegt werden als nur auf Ortstafeln. Auch darüber hinaus gibt es Kontexte der Sichtbarkeit und Präsenz für Volksgruppensprachen im öffentlichen Raum, denen sich dieser Vortrag am Beispiel des Burgenländischkroatischen widmet. Der Vortrag gibt einleitend einen allgemeinen Überblick zur kroatischen Volksgruppe und Sprache im Burgenland, diskutiert dann Zugänge der Linguistic Landscape Forschung und erläutert mögliche Erweiterungen des Forschungsfelds anhand von konkreten Fallbeispielen des Burgenländischkroatischen.

Assoc. Prof.in Dr.in Katharina Tyranhttps://www.helsinki.fi/en/about-us/people/people-finder/katharina-tyran-9494809

Teilnahmelinkhttps://teams.microsoft.com/l/meetup-join/19%3ameeting_ZjBhMWJiZGItMTI2OS00ZGE5LTg5ZmUtY2UyNzdmMWE1YzMw%40thread.v2/0?context=%7b%22Tid%22%3a%22158a941a-576e-4e87-993d-b2eab8526e50%22%2c%22Oid%22%3a%22eaea91f2-221e-4c72-a693-61fce307ddac%22%7d